DVB-S: Not Primetime-TV

Die c’t hat in ihrer aktuellen Ausgabe (11/05) das Angebot an DVB-S-Karten (für’s digitale Sat-Fernsehen am PC) unter die Lupe genommen – und war ähnlich begeistert wie ich nach meinem Selbstversuch. Karten und Software haben Macken und mucken derart! Fernsehen hätte sich nie zum Breitensport entwickelt, wenn die Wohnzimmer-Geräte sich so aufführten!

Treiber, die Windows zum Absturz bringen. Migelieferte Software, die veraltet ist. Basisfeatures wie Timeshift, die durch Abwesenheit glänzen. Fehl-Steuerung der Satelliten-Anlage inklusive. So meine Kurzfassung. Das Fazit der c’t liest sich nicht ganz so vernichtend, ist aber auch kein Ruhmesblatt für die Hersteller.

DVB-S ist ja nun keine junge Technologie mehr. Meiner Meinung nach aber von vorne bis hinten verhunzt. Das fängt damit an, dass jedes Gerät seine eigene Leitung zur Antenne benötigt, und für jeden Satelliten eine eigene. Also 2 Fernseher im Haus, die Astra und einen anderen Sat sehen wollen, bedeuten „schielende“ Montage der „Tonabnehmer“ (LNB), und davon jeweils ein „Twin“ (Doppelkopf) pro Satellit. Und dann mit vier Kabeln durch die Mauer und in die einzelnen Zimmer. Mit mehr Fernsehern muss dann schon ein Mutiswitch her. Den muss dann jeder einzelne Receiver aber auch richtig ansteuern, sonst schaltet der eine Empfänger den anderen um oder aus. (Alles schon erlebt.)

Ich hatte zunächst eine TwinHan PCI-Karte, die hat aber nie länger als 3 Minuten durchgehalten – wenn sie überhaupt mal einen Kanal gelockt hat! Mit der TechniSat SkyStar USB war es netter, die hat nicht rumgezickt und brav über den USB-Bus Bild und Ton geliefert. Erträglich war’s, Begeisterung ist keine aufgekommen.

Aufnehmen über die SkyStar war möglich, aber mit erheblichen Nacharbeiten verbunden. Weil der digitale Datenstrom auf Fehlerkorrektur und Übertragungssicherheit ausgelegt ist, sind Ton und Bild nicht synchron, sondern leicht versetzt im Stream. Die TV-Decoder synchronisieren das während der Wiedergabe. Schaffen es aber nicht, dass auch für eine Aufzeichnung gleich zu machen (oder ich war zu blöd, die Sache korrekt zu konfigurieren, oder alternativ zu blöd, mir aus den drei Dutzend Shareware-Projekten das passende rauszusuchen). In der Folge heißt das, dass ein Film, der auf einer DVD archiviert werden soll, zunächst ge-demultiplext und dann neu – diesmal tatsächlich synchron – gemultiplext werden muss. Und dann noch möglichst ohne Rekodierung (schließlich kommt vom Satellit schon eine Art MPEG-2) zu einem Film zusammengerechnet werden. Dann kann man noch Stunden damit verbringen, ein einigermaßen gut aussehendes DVD-Menü zu gestalten und „schon“ kann man den Film brennen!

Das Ganze benötigt irgendwas zwischen 3 und 10 verschiedenen Programmen, die erstmal gefunden und verstanden sein wollen — die sprichwörtliche Programmierung eines Video-Rekorders ist Leichtes dagegen! Zeitaufwand lag bei mir beim Vierfachen der Filmlänge, also 3 Stunden für einen 45 Minuten Mitschnitt – wobei ich mir wirklich Mühe mit allem gegeben habe. M.a.W. ein bißchen weniger perfekt spart wahrscheinlich die Hälfte der Zeit, aber Videos sind halt immer gleich ein paar Gigabyte, und da dauert alles etwas l-ä-n-g-e-r.

c’t mutmaßt, da sich seit dem letzten Test in Sachen Stabiliät und User Experience nichts bewegt hat, dass sich die Hersteller auf DVB-T (digitaler Fernsehfunk vom guten alten Sendemasten auf dem nächsten Hügel) konzentrieren. Das wäre schön, da würde ich ja eventuell nochmal einen Selbstversuch wagen. Wenn’s schlußendlich auch im Südwesten soweit ist.

Kleine Meckerei am Rande: PC-User haben wenigstens die Wahl der Qual und dazu noch von billig bis erträglich. Mac-User haben keine Wahl, es gibt nur einen Anbieter, der sich seiner herausragenden Stellung wohl bewußt ist. Ach, Mr. Jobs, Steve, bitte, ein iWatchTV™ oder ein iWantMyMTV™ – ob das wohl möglich wäre, im „Age of HD“?

 

Andreas