Weg vom Mac?

Weg vom Mac? Ich bin doch gerade erst angekommen?!

Mark Pilgrim blogt wieder, und einer seiner ersten Beiträge befasst sich damit, dass er vom Mac zu Ubuntu wechselt. In seinem Beitrag When the bough breaks beschreibt er seine Frustration darüber, dass Apple mit Mac OS X und den enthaltenen Anwendungen seine Daten „wegsperrt“, in für ihn unlesbaren Binärformaten speichert und er so im Fall von Datenkorruption keine Chance hat, seine verbliebenen Daten zu retten.

Er beschreibt Apple als Unternehmen, dass den Wert offener Formate nicht zu schätzen wisse und versuche, ihn auf der Apple-Plattform einzusperren. Mark Pilgrim benutzt seit 22 Jahren MacIntoshs, seine Kommentare sollten also nicht als Newbie-Gejammer abgetan werden.

Seine Überlegungen, in meinen Worten wiedergegeben:

  • Apple liefert Anwendungen mit, die nicht meinen Leistungs-Anforderungen entsprechen, deswegen benutze ich sie nicht. Beispiele: Firefox statt Safari, VLC statt Quicktime, iTerm statt Terminal
  • Apple liefert Anwendungen mit, die meine Daten (Bewertungen, Schlüsselwörter so speichern, dass ich mit anderen Tools im Katastrophenfall (beschädigte Datei) nicht wieder herankomme. Deshalb benutze ich sie nicht mehr.
  • Wenn ich statt der mitgelieferten und mitbezahlten Anwendungen also ihre jeweiligen Open-Source-Gegenstücke einsetze, warum soll ich dann ein kommerzielles OS kaufen und im Kaufpreis all die Anwendungen, die ich nicht benutzen will, finanzieren?

Mark kaufte sich deswegen einen neuen IBMLenovo-PC und installiert darauf Ubuntu (the Linux Distro of the Day).

Tim Bray kann diese Argumente nachvollziehen und überlegt nun selbst, ob der Mac noch das richtige für ihn ist. Time to Switch?. Er hat die Bereiche identifiziert, die für ihn auf der neuen Plattform funktionieren müssen („The Hard Issues“) und scheint entschlossen, sich auf den Weg weg vom Mac zu machen.

Scheingefechte am Rande: Natürlich bekommt man zu einer Zeit, in der die Mac-Plattform neuen Zulauf erhält, weil sie cool, schick und in ist, für solche „Häresie“ ordentlich Feuer unterm Hintern, auch (und vor allem, fügt der Flame-War gestählte Internet-Erfahrene hinzu) von Leuten, die überhaupt nicht zugehört haben, daher wird John Gruber grundsätzlich und legt in seiner Abhandlung And Oranges unter anderem dar, dass es kein absolutes „besser als“ zwischen Computer-Plattformen geben kann.

What you can’t do is compare apples and oranges and somehow conclusively prove that one is better than the other. &mdash Daring Fireball: And Oranges

Und nebenbei beschreibt er treffend wie ich meine Kaufentscheidungen zu treffen pflege:

There’s no way to compile a list that conclusively shows one is absolutely better. At some point it comes down to a feeling. Informed by thinking, after measuring the facts, yes. But a gut decision nonetheless. &mdash Daring Fireball: And Oranges

Oder anders gesagt: Alle Tests lesen und dann verwirrt das nehmen, bei dem ich das Gefühl habe, am wenigsten falsch zu machen.

Und was ist mit mir und dem Mac? Auch bei mir tut Thunderbird statt Mail.app Dienst, weil Mai nicht mehrere Accounts (v.a. reply-to-Adressen je Account) verwalten kann. Firefox und Camino wechseln sich mit Safari ab. (Wobei es für Firefox das nette Theme „GrApple (Eos Pro)“ gibt, das den Firefox wie Safari aussehen läßt.) iTunes und iPhoto laufen auf Hochtouren, bislang ohne Probleme. Mit iWeb bin ich noch nicht richtig warmgeworden, meine aber, auf jeden Fall iWebSites zu brauchen, um mehrere Sites unabhängig voneinander gestalten zu können. (Disclaimer: Hab’s aber noch nicht probiert.) Mein Mac Mini ist jetzt ein Jahr alt. Eine neue Investitionsentscheidung hat noch mindestens ein Jahr Zeit. Keine Eile also mit dem Switch, ich bin ja eben erst angekommen.

 

Andreas