Nachbemerkungen zum OB-Wahlkampf II: Google

Der Wahlkampf um den OB-Posten in Filderstadt fand im Internet im wesentlichen auf fünf Websites statt: Den Websites der Kandidaten Dönig-Poppensieker und Schuhmacher (der dritte Kandidat, Jörg Platten hat keine WebSite aufgebaut), den Websites der Stuttgarter Zeitung und der Schwäbischen Zeitung und dieser bescheidenen Publikation hier.

Die Websites der Kandidaten waren im traditionellen Stil ausgeführt. Technisch gesehen: Ein Content-Management-System, das ein einheitliches Layout sicherstellte, und einzelne Artikel zu den jeweiligen politischen Themen (von Jugend bis Senioren, von Stadt- bis Regionalentwicklung etc.). Beide Kandidaten ließen ihre Web-Auftritte eher konservativ betreiben, schrieben zum Beispiel kein Weblog. (Auch keine Podcasts oder Videocasts wie unsere Kanzlerin.) Während Frau Dönig-Poppensieker alles in Text-Form bereitstellte, stellte die Web-Agentur von Herrn Schuhmacher Texte zur „schöneren Formatierung“ als Bilder ins Netz, eine Technik, die deutlich dem Web des letzten Jahrhunderts entlehnt ist.

Beide Websites waren nicht darauf angelegt, aktiv den Wahlkampf mitzugestalten. Beide Sites hatten auch Anlaufschwierigkeiten damit, von Google überhaupt auf eine Pole-Position gehoben zu werden. Eine Weisheit, die sich für dieses Weblog hier bestätigt hat, ist, dass Google Blogs liebt, und zwar je öfter sie aktualisiert werden um so mehr.

Meine wenigen, aber in kurzem zeitlichen Abstand veröffentlichten Beiträge zum Wahlkampf sicherten dem inpcblog die Google No. 1 für Suchen aus den Begriffen „oberbürgermeister wahl filderstadt“. Und die Frequenz zeigte Google „da passiert was, da schau ich öfter vorbei“, wie man an folgendem Beispiel sehen kann:

Der Beitrag über Herrn Schuhmachers Reaktion zu den Gerüchten über ihn (Alles Gerüchte?) ging ca. 22:00 Uhr online und war am nächsten Tag um 12:00 Uhr die No. 1 für die Suchbegriffe „hans georg schuhmacher gerüchte“. (Der Beitrag der Schwäbischen Zeitung hat ihn zwischenzeitlich auf Platz 2 verdrängt.) Herrn Schuhmachers Stellungnahme zu den Gerüchten wurde wie gesagt als Bild in seine Website eingebaut und war damit für Google nicht lesbar. Wer immer sich im Netz über die Gerüchte informieren wollte, musste über eine Seite kommen, die nicht unter Herrn Schuhmachers Kontrolle stand – ein schlimmer Kommunikationsfehler!

Geschwindigkeit ist im Internet alles, und wer im Internet agiert, muss dort auch reagieren können – und zwar schnell und so, dass er gehört (=gefunden) wird. Hätte Herr Schuhmacher auf das letzte Quäntchen Schönheit (Text als Bild) verzichtet und stattdessen ein Blog verwendet, hätte er die Gerüchte-Kommunikation in seine Richtung steuern können. Er hätte im Web (und nicht nur auf seinen Wahlplakaten) eine vernehmbare Stimme gehabt.

Summa summarum haben beide Kandidaten das Web nicht als Wahlplattform begriffen. Dinge, die ich den Wahlkämpfern und ihren Helfern empfohlen hätte:

  • Führen der Kampagnen-Website als Blog
  • Mindestens ein neuer Beitrag pro Tag, um Google bei Laune zu halten.
  • Fotos von Veranstaltungen, aus Kandidaten-Perspektive, um die Unterstützer- Massen zu zeigen
  • Passende Fotos zu den einzelnen Themen: Z.B. sprachen beide über die Entwicklung des Einzelhandels in den Innenstädten. Hier bieten sich Bilder vom leerstehenden Ladenlokalen in Filderstadt an, um den Punkt zu verdeutlichen.
  • Blogs sind persönlicher als die hier benutzten Verlautbarungs-Websites, daher muss der Ton auch erkennbar der des/der Kandidatin/-en sein – auch wenn’s ein anderer schreibt, es muss authentisch wirken.
  • Partner-Websites, die einem Links und damit „Google-Liebe“ schicken. Herr Schuhmacher hat sowas ähnliches mit der Aktion „Junge Bürger für Schuhmacher“ versucht, aber auch diese Seite war zu statisch angelegt. (Und ich fürchte, dass die Hälfte aller Besuche dieser Seite auf mein Konto geht.) Angeboten hätten sich die Vertreter der jeweils unterstützenden Parteien. Sofern diese schon vorher mit einer eigenen Stimme (einem Weblog) im Internet aktiv waren, umso besser!

Die Kandidaten erwarteten, dass die Wähler zu ihren Veranstaltungen kommen, um sich zu informieren. Ich denke aber, dass viele Bürger keine Lust und Zeit haben, sich auf diese Inszenierungen einzulassen. Ich möchte mich zu meinen Bedingungen und wann es mir passt über die Kandidaten informieren. Früher stand dafür nur die Lokalpresse zur Verfügung, heute kommt das Internet hinzu. Hier nur halbherzig zu agieren, zahlt sich nicht aus. Zumal der Aufwand, sowohl finanziell wie auch zeitlich, für eine Kampagnen-Site auf Blog-Basis geringer wäre als für die statischen Seiten, die uns die Kandidaten dieses Mal geboten haben.

 

Nachbemerkungen zum OB-Wahlkampf I: Statistik

Nachdem sich der Staub des Wahlkampfs einigermaßen gelegt hat, hier in lockerer Folge ein paar Nachbetrachtungen, weniger zu den Kandidaten, mehr zum Einsatz des Webs.

Das inpcblog ist bestimmt kein A-Blog und hat eine eher bescheidene Reichweite. Die allermeisten Leser kommen über Google-Suchen zu bestimmten Einträgen, die wenigsten haben dieses Blog „gebucht“ (über RSS) – dafür schreibe ich wahrscheinlich zu selten.

Sehen wir uns nun die Zugriffsstatistik vom Juli an, stehen zwei Daten deutlich aus dem Trend heraus, der 8. und der 22. Juli, die Tage des 1. und 2. Wahlgangs.

Für mich heißt das, dass die Filderstädter sich in letzter Minute auch mal im Netz nach den Kandidaten umgesehen haben – am Wahltag selbst. Eine Theorie ist, dass sie vorher zu faul waren, sich mit der (oft als relativ unbedeutend angesehenen) Wahl zu beschäftigen. Die andere, mir als Web-Autor natürlich genehmere, ist, dass die potentiell höhere Aktualität des Webs ausgenutzt wird. Ungefähr dieser Gedankengang: „Bis Samstag kann ich’s in der Zeitung lesen, aber wenn am Samstag selbst noch was passiert, finde ich’s erst am Montag in der Zeitung. Also schau ich lieber nochmal kurz ins Netz, bevor ich zur Wahlurne spaziere.“

 

all about Steve Jobs

Nach dem Urlaub beim Aufarbeiten des Internets bei den Mac Essentials gefunden: Eine Online-Biographie über Apple-Gründer und -Chef Steve Jobs. Mit gut gemachtem (englischem) Text und vielen interessanten Fotos aus 40 Jahren Karriere, von der BlueBox über den Mac und den NeXT bis zur derzeitigen Dreieinigkeit aus iMac, iPod und iPhone.

Und nebenbei offenbart ein darin enthaltenes “Newsweek” – von 1988 – mit der Schlagzeile „Steve Jobs Puts the ‘Wow’ Back in Computers“, woher sich Microsoft für sein „The Wow Starts Now“ von Windows Vista seine Inspiration geholt hat.

Das Newsweek-Bild findet sich auf dieser Seite unterhalb des vierten Absatzes.

Und damit ich’s nicht vergesse, in dem 30 Jahre Apple Jubiläums-Feature von news.com.com.com.com (Stop it already!) hat es haufenweise Polaroids, die die Entwicklung der grafischen Oberfläche von Lisa und Macintosh von ca. 1979 bis 1982 dokumentieren. (Ja, Kinder, so alt ist der Kram schon.) Rechte Seite, Kasten “ Photos: Birth of the Mac interface“. Eine sehr gute Quelle für alle, die „Revolution in the Valley“ noch immer nicht gekauft haben!

 

Intelligentes UI zum Uhrzeitsetzen

Ich habe gerade den Thunderbird um Lightning und den Google Calendar Provider ergänzt, so dass mein Google Calendar nun im Thunderbird angezeigt wird. Beim Einstellen des ersten Termins ist mir dann diese Eingabemethode für die Uhrzeit aufgefallen. Termin-Uhrzeit einstellen bei Thunderbird Lightning Statt wie so oft entweder ein freies Eingabefeld (mit der Möglichkeit, Quatsch einzugeben) oder zwei 0..23 : 00..55 Drop-Down-Menüs anzubieten, bringt diese Darstellung alles auf kleinem Raum unter. Wer es minutengenau haben will, klickt den Doppelpfeil unten rechts, dann erscheinen anstelle der 5-Minuten-Intervalle alle Minuten. Gefällt mir gut!

 

Windows Live Writer Test

Nachdem Tim Bray schon zweimal darauf hingewiesen hat, wie sehr der Windows Live Writer allen anderen Blogging-Tools die Wurst vom Brot klauen wird, muss ich das jetzt natürlich auch mal ausprobieren.

Der erste Eindruck ist gut:

  • WLW (wollen wir ihn mal nennen) findet ausgehend von dieser Homepage die korrekten Einstellungen für meinen Blogger-Account.
  • WLW holt sich auch zumindest das Stylesheet, so dass im Editor schon alle Fonts und Farben und sogar die Breite des Eingabebereichs mit der Darstellung im Browser übereinstimmen.
  • Die bereits veröffentlichten Artikel lassen sich über Datei/Öffnen holen und auch ändern.
  • Das erzeugte HTML sieht auch gut aus, für kursiv wird em, für fettgedruckt brav strong genommen – so mag ich das!

Und das alles in einer (für Windows-Verhältnisse) schicken Verpackung. Wirklich ungewöhnlich, dass er für so ziemlich alle großen Blog-Dienste funktioniert und nicht nur für Live-irgendwas. Bravo!

Update: Die Umlaute kamen jetzt etwas krumm an, wir versuchen das mit UTF-8. Damit klappt’s!