„Calling all Stations“, revisited

Neulich mal in die Kiste mit den CDs geschaut und festgestellt, welche es (warum auch immer) nicht in die iTunes Bibliothek geschafft haben. Genesis‘ 1997er LP „Calling all Stations“ war darunter und ich habe sie nun doch noch gerippt.

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Das Album war damals eine ziemliche Enttäuschung:

  • Für die Fans von „Genesis mit Phil Collins“ war der neue Sänger, Ray Wilson, womöglich zu rockig.
  • Für die „Genesis mit Peter Gabriel“-Fans ist alles unterhalb jenseits des Originals ohnehin unzumutbar :)
  • Für die Erfolg gewohnte Band war es bestimmt unterdurchschnittlich. In Amerika verkaufte es so wenig, dass sie dort nicht mal auf Tour gingen.

Aber packe ich das Album heute nochmal aus, klingt es nicht so schlecht, vor allem wenn man es seinem direkten Vorgänger „We Can’t Dance“ gegenüberstellt. Es greift an manchen Stellen Themen früherer Alben wie „Invisible Touch“ oder „Genesis“ wieder auf.

  • „Calling All Stations“ ★★★ ist ein schönes GlamRock-Stück. Würde gut auf „Genesis“ zwischen „Mama“ und „Home by the Sea“ passen.
  • „Congo“ ★★★★★ habe ich von Anfang an gemocht. Das afrikanische Trommel-Prelude mit Harmonika (someone say „Schifferklavier“), der Refrain geht auch in Ordnung. Zwei Minuten vor Ende gleiten wir dann kurz in die Collins-Zone. Nochmal Refrain und dann in der Coda tobt Tony kurz übers Keyboard, die „Congo“-Chants kommen wieder durch, alles in allem sehr okay.
  • „Shipwrecked“ ★★ ist, behaupte ich, ein Tony Banks Tongemälde, das wir in der Art schon oft gehört haben, ich drücke einfach »
  • „Alien Afternoon“ ★★★ referenziert nicht nur vom Titel her die alten Zeiten, ist vielleicht eine Idee aus „Illegal Alien“-Tagen. Die etwas verbogene Tonleiter später finde ich in „Silver Rainbow“ wieder.
  • „Not About Us“ ★ ist auch so ein „uns fällt gerade nix ein“-Genesis-Song. „In Too Deep“ von „Invisible Touch“ als Stammbaum? »
  • „If That’s What You Need“ ★ hätte auf einer Mike & the Mechanics-Platte niemanden aufgeregt. »
  • „The Dividing Line“ ★★★★ Hier scheint mal wieder etwas Anspruch auf. Eine Mischung aus „Tonight Tonight Tonight“ und  „Domino“ von „Invisible Touch“, also nicht von schlechten Eltern.
  • „Uncertain Weather“ ★★ Teilweise pompös, teilweise sentimental. „Man on the Corner“ von „Abacab“ und „Say It’s Alright Joe“ von „And Then There Were Three“ mit einer Stelle (2:30min), an der Ray tatsächlich nach frühem Peter Gabriel klingt.
  • „Small Talk“ ★ Eine klassische Banks-Nummer, würde ich sagen. Ich hatte mal die LP „BankStatement“ von Tony, die klang so. »
  • „There Must be Some Other Way“ ★★ Fängt schon wieder „Mama“-esk an, breitet dann aber den Streicherteppich aus, wie „Tell Me Why“ von „We Can’t Dance“¹.
  • „One Man’s Fool“ ★★ eines der epischen Stücke wie „Driving the Last Spike“ („We Can’t Dance“) oder „Domino“ („Invisible Touch“).

Insgesamt für mich eine solide Leistung, zwar nicht auf Augenhöhe mit „Invisible Touch“, aber vor „We Can’t Dance“ muss es sich nicht verstecken. Wer das Album damals aufgegeben hat, mag ihm eine zweite Chance geben.

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¹) Überhaupt, „We Can’t Dance“. Hätte Genesis danach aufgehört, hätten sie ihre „Recording Artists“-Karriere mit dem Song „Fading Lights“ beendet. Das hätte rein vom Titel her schon Stil gehabt.

 

Fujitsu-Frust

Habe hier ein älteres Fujitsu Esprimo Mobile, eigentlich ganz gut ausgestattet, aber die Festplatte ist l-a-h-m. Spaßeshalber eine kleine SSD gekauft und einbauen wollen.

Deckel vom Festplattenfach abschrauben geht problemlos. Den Träger mit der lahmen Schnecken-Platte rausziehen ebenso. Dann aber: Festplatte und Träger (Caddy) sind von einem wahnsinnigen Industrieroboter festgezogen worden, oder von einem Arbeiter, der vorher Oberklasse-Limousinen hochgehoben hat, damit die Kollegen die Räder aufstecken konnten. Will sagen, nix dreht sich.

Da die olle Festplatte weder wichtige Daten noch Freunde hat, habe ich sie mit WD40 besprüht. Würde ich einer Platte mit wichtigen Daten nicht antun, aber hier war’s mir egal. Teilerfolg, zwei von vier Schrauben lassen sich lösen. Bei zweien schabe ich den Kreuzschlitz aus. Dann eben nicht.

Neuer Laufwerks-Caddy für das Modell kostet bei eBay € 10.–  plus Versand, so be it. Tipp für Bastler: Bevor die SSD bestellt wird, schauen, ob die olle Platte sich vom Caddy lösen lässt, ansonsten den gleich mitbestellen.

 

Streaming, wirtschaftlich?

Nachdem nun doch auch noch Apple einen Musik-Streaming-Dienst anbieten wird, muss ich mir Gedanken machen, ob ich meine Alte Sack™-Gewohnheit, Musik zu kaufen, zu Gunsten der unerschöpflichen Streaming-Angebote aufgebe.

Ja, ich kaufe seit später Jugend alle meine Musik. Am Anfang habe ich sogar Buch geführt, welche CD was gekostet hat. Peter Gabriel’s Greatest Hits-Sammlung „Shaking the Tree“ und Dire Straits‘ „Money for Nothing“ waren die ersten beiden selbstgekauften CDs. Damals kosteten Neuerscheinungen um die 30.– DM, ältere CDs gab es zwischen 12.– und 16.– Deutsche Mark. Und bei Zweitausendeins gab es sogar Bootlegs für wenig Geld.

Die Liste der CDs überschritt bald die DIN A4-Seite, und bei etwas über 1200.– DM habe ich lieber aufgehört, Buch zu führen. Will mir nicht vorstellen, wieviel Geld in den CDs steckt, die nun in einer großen Kiste im Keller lagern. Denn die Musik liegt in iTunes.

Streaming-Anbieter scheinen sich auf die 10.– € im Monat eingeschossen zu haben, und das entspricht in etwa einem Album bei iTunes oder Amazon oder oder oder. Sprich, wer mehr als ein Album (ja, ich klinge altmodisch) je Monat kauft, fährt mit Streaming natürlich günstiger. Die Besitzrechte an der physischen Kopie habe ich mit digitalen Downloads aufgegeben, auch die Angewohnheit, ein frisch geladenes Album erstmal auf CD zu brennen. Für den CD-Spieler im Haushalt und natürlich als Backup.

Jetzt also Streaming? Wahrscheinlich. Aber vielleicht auch noch das ein oder andere auf CD. Alte Gewohnheiten sterben langsam.