Typographie, von alt bis aktuell

Matthew Butterick, Practical Typography

Typographie ist, wenn der Text nicht nur Sinn macht, sondern auch schön anzusehen ist. Im WWW gibt es z.B. inzwischen viele HTML-/CSS-Frameworks, die nicht nur Features sammeln, sondern sich auch Gedanken über Lesbarkeit machen.
Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf kam, aber vor einiger Zeit schon habe ich mich bei Matthew But­t­er­ick festgelesen. Der ist eigentlich Jurist, hat aber auch zwei, drei Fonts gezeichnet und ein Buch über Typografie geschrieben, das ich nur empfehlen kann.
Darin geht es recht praxisnah um die richtige Sorte Schriftarten für bestimmte Dokumente, wie eine WebSite aussehen kann, wenn man die eingefleischten Limitationen der Web-Anfänge aus dem Hirn wirft, und was es für Alternativen zu den hinlänglich bekannten Schriftarten Arial und Times New Roman gibt. Das sind aber nur ein paar Pointer; das ganze Buch lohnt sich!
(Die Lektüre hat mich dazu bewogen, das Template dieses Blogs mal wieder zu ändern.)

John Boardley, The First Roman Fonts

John Boardley schreibt auf ilovetypography darüber, wie die Drucker im 15. Jahrhundert ihre ersten beweglichen Lettern schnitten. Wie aus den klösterlichen Schriften mit kleinen Buchstaben und den aus alten lateinischen Inschriften bekannten Großbuchstaben zum ersten Mal ein harmonischen Zusammenspiel zu finden versucht wurde.
The First Roman Fonts möchte von seinem Umfang her ganz deutlich ein „richtiges Buch“ werden. Ich fand die Lektüre sehr faszinierend, auch weil unter anderem die wirtschaftlichen und auch familiären Verflechtungen der Drucker untereinander beleuchtet werden. Wer an solchen Themen Gefallen hat und die Muse dazu findet, wird sicherlich dem Text weitere Details abgewinnen.
Überhaupt ist I Love Typography eine Schatzkiste, die erneute Besuche rechtfertigt.

=> Als Randbemerkung und Kontrast zur Erfindung der ersten Schriftarten sei hier noch auf TYPESET IN THE FUTURE verwiesen. Ein Blog, in dem akribisch dokumentiert wird, wie die Schrift- und Kennzeichnungssysteme in naher bis ferner Zukunft ausgesehen gehaben gewerdet sein.1

Martin Z. Schröder, Druckerey

Bei Martin Z. Schröder, dem Drucker aus Berlin, finden sich ebenfalls interessante Beiträge zur Geschichte des Bleisatzes. Eher näher dran an der Jetzt-Zeit, durchaus mit Rückblicken auf die eigene Ausbildungszeit.
Die Beiträge wechseln zwischen Werbung für die eigenen Erzeugnisse (durch Einblicke in den Erstellungsprozess, nicht durch große Worte), Reportagen über das Schaffen von Kindern und Lehrlingen in seiner Werkstatt, bis hin zum Abhandlungen über typographische Feinheiten.
Aber auch „Unboxing“-Freunde kommen auf ihre Kosten.
Aus der jüngeren deutschen Geschichte finde ich auch seine Einblicke in die DDR seiner Jugend- und Ausbildungsjahre erhellend.


  1. conjunctivus fictionalis futurensem, Zeitform für fiktionale Zukünfte
    (Ach, gibt es auch nicht-fiktionales Sprechen über die Zukunft?) 
 

Andreas