Nachbemerkungen zum OB-Wahlkampf II: Google

Der Wahlkampf um den OB-Posten in Filderstadt fand im Internet im wesentlichen auf fünf Websites statt: Den Websites der Kandidaten Dönig-Poppensieker und Schuhmacher (der dritte Kandidat, Jörg Platten hat keine WebSite aufgebaut), den Websites der Stuttgarter Zeitung und der Schwäbischen Zeitung und dieser bescheidenen Publikation hier.

Die Websites der Kandidaten waren im traditionellen Stil ausgeführt. Technisch gesehen: Ein Content-Management-System, das ein einheitliches Layout sicherstellte, und einzelne Artikel zu den jeweiligen politischen Themen (von Jugend bis Senioren, von Stadt- bis Regionalentwicklung etc.). Beide Kandidaten ließen ihre Web-Auftritte eher konservativ betreiben, schrieben zum Beispiel kein Weblog. (Auch keine Podcasts oder Videocasts wie unsere Kanzlerin.) Während Frau Dönig-Poppensieker alles in Text-Form bereitstellte, stellte die Web-Agentur von Herrn Schuhmacher Texte zur „schöneren Formatierung“ als Bilder ins Netz, eine Technik, die deutlich dem Web des letzten Jahrhunderts entlehnt ist.

Beide Websites waren nicht darauf angelegt, aktiv den Wahlkampf mitzugestalten. Beide Sites hatten auch Anlaufschwierigkeiten damit, von Google überhaupt auf eine Pole-Position gehoben zu werden. Eine Weisheit, die sich für dieses Weblog hier bestätigt hat, ist, dass Google Blogs liebt, und zwar je öfter sie aktualisiert werden um so mehr.

Meine wenigen, aber in kurzem zeitlichen Abstand veröffentlichten Beiträge zum Wahlkampf sicherten dem inpcblog die Google No. 1 für Suchen aus den Begriffen „oberbürgermeister wahl filderstadt“. Und die Frequenz zeigte Google „da passiert was, da schau ich öfter vorbei“, wie man an folgendem Beispiel sehen kann:

Der Beitrag über Herrn Schuhmachers Reaktion zu den Gerüchten über ihn (Alles Gerüchte?) ging ca. 22:00 Uhr online und war am nächsten Tag um 12:00 Uhr die No. 1 für die Suchbegriffe „hans georg schuhmacher gerüchte“. (Der Beitrag der Schwäbischen Zeitung hat ihn zwischenzeitlich auf Platz 2 verdrängt.) Herrn Schuhmachers Stellungnahme zu den Gerüchten wurde wie gesagt als Bild in seine Website eingebaut und war damit für Google nicht lesbar. Wer immer sich im Netz über die Gerüchte informieren wollte, musste über eine Seite kommen, die nicht unter Herrn Schuhmachers Kontrolle stand – ein schlimmer Kommunikationsfehler!

Geschwindigkeit ist im Internet alles, und wer im Internet agiert, muss dort auch reagieren können – und zwar schnell und so, dass er gehört (=gefunden) wird. Hätte Herr Schuhmacher auf das letzte Quäntchen Schönheit (Text als Bild) verzichtet und stattdessen ein Blog verwendet, hätte er die Gerüchte-Kommunikation in seine Richtung steuern können. Er hätte im Web (und nicht nur auf seinen Wahlplakaten) eine vernehmbare Stimme gehabt.

Summa summarum haben beide Kandidaten das Web nicht als Wahlplattform begriffen. Dinge, die ich den Wahlkämpfern und ihren Helfern empfohlen hätte:

  • Führen der Kampagnen-Website als Blog
  • Mindestens ein neuer Beitrag pro Tag, um Google bei Laune zu halten.
  • Fotos von Veranstaltungen, aus Kandidaten-Perspektive, um die Unterstützer- Massen zu zeigen
  • Passende Fotos zu den einzelnen Themen: Z.B. sprachen beide über die Entwicklung des Einzelhandels in den Innenstädten. Hier bieten sich Bilder vom leerstehenden Ladenlokalen in Filderstadt an, um den Punkt zu verdeutlichen.
  • Blogs sind persönlicher als die hier benutzten Verlautbarungs-Websites, daher muss der Ton auch erkennbar der des/der Kandidatin/-en sein – auch wenn’s ein anderer schreibt, es muss authentisch wirken.
  • Partner-Websites, die einem Links und damit „Google-Liebe“ schicken. Herr Schuhmacher hat sowas ähnliches mit der Aktion „Junge Bürger für Schuhmacher“ versucht, aber auch diese Seite war zu statisch angelegt. (Und ich fürchte, dass die Hälfte aller Besuche dieser Seite auf mein Konto geht.) Angeboten hätten sich die Vertreter der jeweils unterstützenden Parteien. Sofern diese schon vorher mit einer eigenen Stimme (einem Weblog) im Internet aktiv waren, umso besser!

Die Kandidaten erwarteten, dass die Wähler zu ihren Veranstaltungen kommen, um sich zu informieren. Ich denke aber, dass viele Bürger keine Lust und Zeit haben, sich auf diese Inszenierungen einzulassen. Ich möchte mich zu meinen Bedingungen und wann es mir passt über die Kandidaten informieren. Früher stand dafür nur die Lokalpresse zur Verfügung, heute kommt das Internet hinzu. Hier nur halbherzig zu agieren, zahlt sich nicht aus. Zumal der Aufwand, sowohl finanziell wie auch zeitlich, für eine Kampagnen-Site auf Blog-Basis geringer wäre als für die statischen Seiten, die uns die Kandidaten dieses Mal geboten haben.

 

Nachbemerkungen zum OB-Wahlkampf I: Statistik

Nachdem sich der Staub des Wahlkampfs einigermaßen gelegt hat, hier in lockerer Folge ein paar Nachbetrachtungen, weniger zu den Kandidaten, mehr zum Einsatz des Webs.

Das inpcblog ist bestimmt kein A-Blog und hat eine eher bescheidene Reichweite. Die allermeisten Leser kommen über Google-Suchen zu bestimmten Einträgen, die wenigsten haben dieses Blog „gebucht“ (über RSS) – dafür schreibe ich wahrscheinlich zu selten.

Sehen wir uns nun die Zugriffsstatistik vom Juli an, stehen zwei Daten deutlich aus dem Trend heraus, der 8. und der 22. Juli, die Tage des 1. und 2. Wahlgangs.

Für mich heißt das, dass die Filderstädter sich in letzter Minute auch mal im Netz nach den Kandidaten umgesehen haben – am Wahltag selbst. Eine Theorie ist, dass sie vorher zu faul waren, sich mit der (oft als relativ unbedeutend angesehenen) Wahl zu beschäftigen. Die andere, mir als Web-Autor natürlich genehmere, ist, dass die potentiell höhere Aktualität des Webs ausgenutzt wird. Ungefähr dieser Gedankengang: „Bis Samstag kann ich’s in der Zeitung lesen, aber wenn am Samstag selbst noch was passiert, finde ich’s erst am Montag in der Zeitung. Also schau ich lieber nochmal kurz ins Netz, bevor ich zur Wahlurne spaziere.“

 

Filderstadt hat eine neue Oberbürgermeisterin

Gabriele Dönig-Poppensieker hat sich im zweiten Wahlgang mit 57,14% deutlich gegen ihren konservativen Mitbewerber Hans Georg Schuhmacher (42,60%) durchgesetzt. Herzlichen Glückwunsch an Frau Dönig-Poppensieker!

Was wir (die Bürger von Filderstadt) uns für die gemeinsame Zeit wünschen, haben wir bei diversen Wahlveranstaltungen deutlich rübergebracht. Nun ist Aufgabe der Stadtregierung (aus OB und Gemeinderat) zusammenzufinden und das Beste für Filderstadt zu geben!

Das offizielle amtliche Endergebnis auf den Seiten der Stadt Filderstadt

 

Was ist diese Stadt wert?

Heute abend gab’s eine Ergänzung im Beitrag Schuhmachers Wahlkampf-Finanzierung – eine Modellrechnung – ein Leser, der was von der Materie versteht, war so freundlich, einige Zahlen nach oben zu korrigieren. Aber das ist hoffentlich nicht die Antwort auf die Frage, was diese Stadt (Filderstadt, ihr Internetbesucher von weiter weg!) wert ist.

Auf seine neuen Plastikplakate hat Herr Schuhmacher folgendes gedruckt (siehe auch Bild):

100fache Lebensqualität

Wenn es eines gibt, was ich hier gelernt habe, dann ist es 100fache Lebensqualität, die höher wiegt als der technische Fortschritt. An diesem Ort will ich gerne OB sein.

Und damit habe ich Probleme, die bei Satzbau und Semantik anfangen und bei der konservativen Emotion aufhören.

Herr Schuhmacher konstruiert hier einen Gegensatz zwischen Filderstadt und dem technischen Fortschritt, der so einfach nicht existiert. Zum einen hat jeder technische Fortschritt der letzten 2000 Jahre dazu beigetragen, die Lebensqualität zu verbessern. Beispiele: Pflug = mehr Nahrung, Aquädukt = Wasser für größere Ansiedlungen, Pferdekutsche = Handel, Aspirin = keine Kopfschmerzen mehr, moderne Medizin = eine durchschnittliche Lebenserwartung, die die unserer Vorfahren verdoppelt hat und bald verdreifacht. Filderstadt hat seinen Anteil am technischen Fortschritt und will ihn sicher nicht missen!

Was Herr Schuhmacher vermutlich mit „technischem Fortschritt“ meint, ist die zweite Startbahn für den Flughafen. Wie das Wort „zweite“ schon sagt, ist das aber kein Fortschritt, sondern mehr vom selben. Das macht sich aber schlecht als Slogan.

Außerdem stimmt der Vergleich Lebensqualität gegen Fortschritt auch vom Satzbau nicht. Besseres Deutsch wäre: „… dann ist es, dass Lebensqualität 100mal mehr wiegt als der technische Fortschritt“. Etwas wiegt in der deutschen Sprache mehr, nicht höher als etwas anderes. Es wäre auch gegangen: „… dann ist es, dass Lebensqualität 100fach höher bewertet wird als der technische Fortschritt“.

Warum ich mich über solche Lappalien aufrege, die man doch täglich in allen möglichen Publikationen so und schlimmer sieht? Weil die Sprache das Haupt-Werkzeug eines Politikers ist. Mein Ideal von einem Politiker ist jemand, der klar sagt, was er will, wie er es angeht und warum er es für das Richtige hält. Ein Politiker, der die Sprache nicht beherrscht, macht sich lächerlich. Beispiele: Alt-Kanzler Kohl, Alt-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.

Beherrscht Herr Schuhmacher die Sprache nicht? Seinen öffentlichen Auftritten nach ist er durchaus zum klaren Wort fähig. Warum steht der Satz also so krumm auf hunderten Wahlplakaten in Filderstadt? Weil er kein Satz ist, sondern eine Aneinanderreihung von Schlüsselwörtern, die im Bürger Emotionen und einen Wählreiz erzeugen sollen.

Der Satz baut eine Spannungskurve auf, die Herrn Schuhmacher mit dem positiven Begriff „lernen“ und die Lebensqualität mit dem positiven Begriff „höher“ in Verbindung bringt. Und am Ende der Spannungskurve bekommt der „technische Fortschritt eines auf den Deckel.

  • „gelernt“: Der Kandidat zeigt, dass er dazulernen kann. Das ist auch der Tenor seiner Anzeige „Worauf es nun ankommt“ im Amtsblatt in der Woche nach dem ersten Wahlgang.
  • „100fach“: 100 ist eine schöne, runde, positive Zahl. Nicht so bescheiden wie 10, nicht so übertrieben wie 1000. Wenn wir eine Zahl lesen, denken wir, es wird schon eine Statistik als Beleg bereitstehen.
  • „Lebensqualität“, wollen wir alle, sehen wir alle bedroht, von was auch immer. Jemand, der sich dafür einsetzt, kann nicht schlecht sein!
  • „höher“, schneller, weiter. „Höher“ ist eine positive Botschaft, lieber „höher“ als „tiefer“.
  • „technischer Fortschritt“, und jetzt landen wir auf dem Boden der Tatsachen: Böser Fortschritt, Feind unserer Lebensqualität, niemand will dich in Filderstadt. Fortschritt go home!

Der Rest der Worte muss einfach die Lücken füllen, da spielt die Sinnhaftigkeit der Aussage keine Rolle mehr.

Und jetzt werfen wir noch kurz einen Blick auf den Themen-Katalog des Kandidaten und überlegen uns, wo Lebensqualiät dem technischen Fortschritt entgegensteht und wo der technische Fortschritt die Steigerung der Lebensqualität ermöglicht:

  • für eine vernünftige Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur
  • für einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs
  • für eine optimierte Wasserversorgung mit gleicher Wasserqualität
  • für eine gute Vernetzung zwischen Stadt und Vereinen
  • für ein harmonisches Miteinander zwischen Stadt und Kirchen
  • für die Weiterentwicklung der Kindertagesstätten, der Kindergärten und Schulen
  • für einen Ausbau der Jugend- und Schulsozialarbeit
  • für die Integration ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger
  • für eine Belebung der Ortskerne durch Stadtsanierungsmassnahmen
  • für die Förderung von jungen Familien bei ihrem Wunsch nach eigenen vier Wänden

Ich sehe keinen Punkt, bei dem der technische Fortschritt die Erreichung eines Ziels behindert. Bei den Punkten Verkehrsinfrastruktur und ÖPNV, der Wasserqualität (Bodenseewasserversorgung ist auch dem technischen Fortschritt gedankt, oder?) und Ortskern-Sanierung und den eigenen vier Wänden bin ich mir fast 100%ig sicher, dass der technsche Fortschritt uns hilfreich zur Seite steht.

Wie, Sie lesen gar keine Wahlplakate? — Das sollte ich mir als guten Vorsatz für Sylvester merken!

 

Gerüchte, fortgesetzt

Schreibt die Schwäbische Zeitung (dankenswerterweise ohne ihren Inhalt hinter Micropayment zu verstecken):

Auf seiner Homepage nimmt Schuhmacher jetzt Stellung zu Gerüchten, die angeblich in Filderstadt im Umlauf sind.
Beobachter in Filderstadt wissen nicht, auf welche angeblichen Gerüchte Schuhmacher reagiert, denn vor Ort ist nichts bekannt. Exakt die gleichen Gerüchte, um die es auf Schuhmachers Homepage geht, seien aber auch über die Gegenkandidatin in Umlauf gebracht worden.
OB-Kandidat Schuhmacher wehrt sich gegen Gerüchte

„Auf welche Gerüchte Schuhmacher reagiert“ ist nicht bekannt, aber über seine Gegenkandidatin sind die gleichen in Umlauf gebracht worden? Häh? Wenn wir die Gerüchte nicht kennen, woher wissen wir dann, dass über Frau Dönig-Poppensieker die gleichen in Umlauf gebracht wurden?

Wie es zu den Gerüchten, die Herr Schuhmacher auf seiner Web-Site benennt, kommen kann, habe ich schon dargelegt. Dass ich nicht alles davon für ein Gerücht halte, auch. Aber der oben zitierte Abschnitt macht keinen Sinn.

Im Übrigen habe ich die Nase voll von Gerüchten. Ich möchte meinen Tipp zurückziehen und Herrn Schuhmacher raten, die Gerüchte bzw. seine Reaktion darauf nicht für Google zugänglich zu machen. Machte er sie zugänglich, würde er sie damit für eine Google-Ewigkeit mit seiner Person verknüpfen. Ich werde nach dem Wahlkampf den „Alles Gerüchte!“-Artikel so umbauen, dass die Gerüchte selbst nicht mehr darin vorkommen – sonst werden wir die nie mehr los.

 

Schuhmachers Wahlkampf-Finanzierung – eine Modellrechnung

[Update, 19.07.2007 – Ich habe den Hinweis erhalten, dass in meiner Modellrechnung einige Feinheiten der Beamtenbesoldung fehlen. Ich habe die Änderungen gekennzeichnet. Außerdem kamen Antworten von einigen Parteien (siehe Ende des Beitrags)]

Wenn Sie irgendwelche Zweifel haben oder eine ehrliche Antwort haben wollen, rufen Sie mich an …
&mdash OB-Kandidat Schuhmacher

Da ich Zweifel hatte, wegen der hübschen neuen Wahlplakate, die Filderstadt seit dem Wochenende zieren, habe ich ihn heute angerufen und gefragt, wie er seinen Wahlkampf finanziert. Aus der eigenen Tasche, sagte er. Er sei, betonte er nocheinmal, nicht verarmt. Er wollte mir nicht die Kosten seines Wahlkampfes verraten, auch Einzelheiten zur Finanzierung nicht, aber das ist seine Entscheidung.

Ich habe dann im Internet nachgesehen, was ein OB-Wahlkampf ungefähr kostet. Das ist eine der Fragen, die Google nicht so gut beantworten kann, wahrscheinlich weil nicht viele OBs (oder auch gescheiterte Kandidaten) über eine Summe reden, die einem Privatmann sicher weh tut.

Für Baden-Baden habe ich eine Summe von 30.000€ gefunden, für eine Großstadt wie Dresden sollen 250.000€ zusammenkommen. Nun ist Filderstadt eine Ecke kleiner als Baden-Baden, aber deutlich dichter besiedelt. Es dürfte also billiger sein, einen gewissen Deckungsgrad mit Plakatwerbung etc. in Filderstadt zu erreichen als im hügeligen Baden-Baden. Rechnen wir einfach mal mit 20.000€.

[Update, 19.07.2007] Wahlplakate kosten in 500 Stückzahl zwischen 3.000 und 5.000€, also 6 bis 10€ das Stück. Die wertig aussehenden Plastikdinger, die Herr Schuhmacher zur Stichwahl hin geordert hat, kommen dem Vernehmen nach auf 8€ das Stück. Herr Schuhmacher hat zwei Runden Plakate finanzieren müssen, und der visuelle Eindruck sagt, dass es wohl schon Richtung 500 Stück waren, die in und um Filderstadt aufegstellt wurden. Das also zweimal, einmal Pressspan vor, einmal Plastik nach dem ersten Wahlgang. Kostenpunkt damit mindestens 6.000€.

Herr Schuhmacher ist als Bürgermeister von Spaichingen – wenn ich die Vorschriftenlage richtig deute – ein sogenannter Wahlbeamter. Spaichingen hat, laut Wikipedia, ca. 12.500 Einwohner, was Herrn Schuhmacher in die Besoldungsgruppe B3B2 einordnet (wiederum laut Wikipedia), daraus ergibt sich ein monatliches Einkommen von brutto ca. 6000€ 5700€ – dazu addieren sich Zuschläge für Frau und Tochter, der soganannte Landesanteil Besoldung und die Dienstaufwandsentschädigung, so dass ca. 7000€ brutto zu Buche stehen. Davon gehen zwar keine Sozialabgaben ab, aber natürlich die Einkommenssteuer sowie die private Krankenversicherung.

Sofern Herr Schuhmacher für seine Anwalts-Sozietät nicht ordentlich draufzahlen muss, wird er tatsächlich nicht verarmen. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass Herr Schuhmacher nur des Geldes wegen nach Filderstadt kommen will. Mit seinen knapp 44.000 Einwohnern hält Filderstadt eine OB-Stelle der Besoldungsgruppe B6 bereit, nach aktueller Tabelle eine „Gehaltserhöhung“ unter Berücksichtigung des Landesanteils um rund 1200€ 1775€ pro Monat. Ich denke, einer 20prozentigen Gehaltssteigerung steht eine um deutlich mehr als 20% erhöhte Arbeitsbelastung gegenüber, wenn Schuhmacher den Job so machen will, wie er es im Wahlkampf ankündigt.

Auf der anderen Seite lassen 6.000 7.000€ im Monat, wenn man auf ein Ziel spart, einen gewissen Spielraum. Es ist also möglich, dass Herr Schuhmacher in den letzten drei Jahren seinen Filder-Wahlkampf mit einer Rate von 500-600€/Monat angespart hat (600€ × 12 Monate × 3 Jahre = 21.600€). Meine finsteren Spekulationen, wer ihm denn die schönen Plakate gesponsert haben könnte, verschwinden also erstmal in der Besenkammer.

Ich habe jetzt eine Stunde gebraucht, um diesen Beitrag zusammenzurecherchieren. Warum mache ich mir diese Mühe? Weil ich wissen will, wie diese OB-Wahl funktioniert. Ich arbeite mich hier ab, damit ich am Sonntag eine Entscheidung treffen kann, wohin mit demKreuz!

Es wäre natürlich einfacher, wenn OB-Kandidaten offenlegen müssten, wie ihre Einkommenslage aussieht. Es macht einen Unterschied, mit wieviel Geld jemand in ein Amt möchte. Und woher das Geld kommt. Deswegen müssen Abgeordnete des Deutschen Bundestages nun ihre außer-parlamentarischen Einkünfte offenlegen der Zahl und Höhe nach klassifizieren. Jeder, der ein öffentliches Amt bekleidet oder eines haben will, sollte diesen Regeln unterworfen sein. Schließlich hat die Stadt Filderstadt 2007 einen Haushalt von 111.496.099€. Das Geld möchte ich in guten Händen wissen, schließlich – Sie wissen schon – ist es (auch) mein Geld!

Herr Schuhmacher, falls Sie dies lesen, rufen Sie doch kurz an und sagen mir, ob ich mit den Zahlen einigermaßen richtig liege – meine Telefonnummer haben Sie ja.

Eine Anfrage zur Wahlkampf-Finanzierung an Frau Dönig-Poppensieker harrt übrigens noch einer Antwort.

[Update 19.07.07] Frau Dönig-Poppensieker hat geantwortet. Sie will ebenfalls keine Details nennen, finanziert ihren Wahlkampf auch aus eigener Tasche und über Spenden.

[Update 19.07.07] Die Freien Wähler, F.D.P., CDU und SPD haben mir inzwischen per Mail bestätigt, dass sie ihre(n Kandidatin/-en nur personell, nicht aber finanziell im Wahlkampf unterstützen.

Und ich kann es mir an dieser Stelle nicht verkneifen hervorzuheben, dass Frau Dönig-Poppensieker sich in der Frage der Wahlplakate deutlich schwäbischer gibt als Herr Schuhmacher. Warum neue Plakate, die alten tun’s doch noch!

 

Tipp: Google mag keinen Text als Bild

OB-Kandidat Schuhmacher hat sich auf seiner Web-Site (siehe Alles Gerüchte!) darüber beklagt, dass gegen ihn Gerüchte unterhalb der Gürtellinie kursieren, und einige davon auch aufgelistet.

Sein Problem: Die erste Seite seines Web-Auftritts besteht im Wesentlichen aus einem Bild. Der ganze Text ist als Bild in die Seite eingefügt, deshalb sieht die Schrift auch ein bißchen unscharf aus und lässt sich auch nicht kopieren.

Warum ist das ein Problem? Suchmaschinen sind auf Text angewiesen, sie „lesen“ keine Bilder. Für Google steht auf Herrn Schuhmachers Seite nur der erste Satz, nämlich „Liebe Filderstädter, 44,7 % Ihrer Stimmen sind ein Wort und dafür zunächst mein herzliches Dankeschön.“ Der gesamte Text von „Das tut weh!“ ist für Google unsichtbar.

Damit hat die Seite keine Chance bei Google, für die Suchanfrage „gerüchte hans georg schuhmacher“ in die Ergebnisliste aufgenommen zu werden. Die Ehre des Suchergebnisses Nummer 3 (bei google.de, Nummer 1 bei google.com) gebührt derzeit, ähem, o.g. Kommentar „Alles Gerüchte!“ auf diesen Seiten.

Was für Google unsichtbar ist, existiert für die meisten Surfer nicht. Man muss schon die Seite von Herrn Schuhmacher direkt aufrufen, um seine Erwiderung auf die Gerüchte lesen zu können.

Ansonsten ist Herr Schuhmacher darauf angewiesen, dass Leute, die sich kritisch mit seiner Kandidatur auseinandersetzen, netterweise auch einen Link auf seine Äußerungen setzen. Der Vorteil, zu eigenen Bedingungen, im eigenen Kontext mit dem Besucher seiner Webseiten kommunizieren zu können, ist damit allerdings dahin.

 

Alles Gerüchte!

Zur Vorbereitung und zum Einlesen für die letzte Woche des Wahlkampfes um den/die nächste(n) OberbürgermeisterIn von Filderstadt:

Gerüchte sind eine höchst ökonomische Form der Kommunikation und sollten schon deswegen nicht als „Teufelszeug“ angesehen werden. Mit keinem anderen Medium ist eine schnellere Verbreitung von Nachrichten möglich. Außerdem ist es ausgesprochen günstig, denn der zu betreibende Aufwand tendiert gegen Null. Einmal ausgestreut, verbreitet sich das Gerücht in Windeseile und ohne weiteres Zutun des Betreibers. Es ist dann nicht mehr zu stoppen. — Der Umgang mit Gerüchten im Unternehmensumfeld – ausgewählte Praxiserfahrungen

Personen, von denen das Gerücht handelt, erfahren dessen Inhalt meist sehr spät, weil sie von der Gerüchtekommunikation ausgegrenzt werden; ihre Versuche, das Gerücht aufzuhalten oder es richtig zu stellen, sind in der Regel erfolglos, da der Wahrheitsgehalt von Gerüchten nur selten in Frage gestellt oder überprüft wird. — Wikipedia: Gerücht

Änderung vom 07.12.2007: Bisher stand an dieser Stelle ein Artikel, der sich mit den über Hans Georg Schuhmacher im Wahlkampf um den OB-Posten von Filderstadt in Umlauf gebrachten Gerüchten und seiner Reaktion darauf befasste.

Wahlkampf und Schlammschlacht mit gegenseitigen Beschuldigungen, die Gerüchte über den jeweils anderen in Umlauf gebracht zu haben, liegen nun soweit zurück, dass kein öffentliches Interesse mehr daran bestehen sollte, diese Gerüchte weiterhin griffbereit zu haben. Damit sie eine Chance haben, aus dem Internet zu verschwinden, werden sie aus diesem Artikel gelöscht und auf eine nicht für Google und andere Suchdienste zugängliche Seite verschoben.

http://www.inpc.de/restricted/geruechte.html

 

Dönig-Poppensieker nach erstem Wahlgang vorne

Bei der Wahl zum/zur OberbürgermeisterIn von Filderstadt liegt nach dem ersten Wahlgang Frau Dönig-Poppensieker vorn. Das offizielle amtliche Endergebnis. Zweiter wurde Hans Georg Schuhmacher, der zusammen mit Frau Dönig-Poppensieker die Stichwahl am 22. Juli bestreiten wird. Herr Platten, der unabhängige Kandidat aus Filderstadt-Sielmingen hat seine Kandidatur nach einem Achtungserfolg von knapp 7% zurückgezogen, ohne seinen Wählern eine Wahlempfehlung für den zweiten Wahlgang zu geben.

Der Wahlkampf geht damit in die „heiße Phase“, wobei man bei einer Wahlbeteiligung von unter 50% den Nichtwählern zurufen muss: Wärt ihr mal wählen gegangen, dann bräuchtet ihr am 22.07. nicht nochmal nicht wählen zu gehen!“

Mal ernsthaft: In meinem Bekanntenkreis gibt es vier Nichtwähler, die die Absicht haben, wenigstens am zweiten Wahlgang teilzunehmen. Und das lohnt sich: Diese vier Stimmen schlagen sich (in einer Modellrechnung) schon in der zweiten Nachkommastelle des Ergebnisses nieder! In Anbetracht dessen, dass z.B. in Plattenhardt die Kandidaten mit 46,29 % (Schuhmacher) und 46,46% (Dönig-Poppensieker) quasi gleichauf liegen, hilft hier wirklich jede einzelne Stimme – egal, welche(r) Ihr(e) KandidatIn ist. Oder soll Plattenhardt die Rolle von Florida bei den US-Präsidentschaftswahlen 2000 spielen?

Damit endet die politisch ausgewogene Berichterstattung in diesem Blog.