Anmerkungen zu den "sichersten Atomkraftwerken der Welt"

  1. Welche Belege gibt es für die Behauptung, die deutschen AKWs seien die „sichersten der Welt“? Falls die EU oder die G20 oder die IAEA die AKWs nun tatsächlich europa- oder weltweit überprüfen, gibt es dann einen öffentlich einsehbaren Benchmark?
  2. Tut es Atomkraftwerken eigentlich gut, mit soviel Redundanz (1 überdimensioniertes Kühlsystem und 4 Ersatzsysteme) ausgestattet zu sein? Bei den Autos kommt regelmäßig die Warnung, dass man die zusätzliche Sicherheit, die ABS, ESP und Kollegen schaffen, nicht für riskanteres Fahren ausnutzen soll. Verführt es nicht einen Atommanager, an der Wartung von Anlagen zu sparen, weil’s ja noch zwei, drei andere Ersatzsysteme gibt?
  3. Wenn wir aus Japans Atomkatastrophe lernen wollen, dann wohl dass es Atommanager gibt, für die Sicherheit eben nicht an erster Stelle steht. Dass Gier, wie bei einer Bank, auch bei einem Atomkonzern, das gewöhnliche Gewinnstreben ins Extrem treibt.

Es sei noch auf den FAZ-Artikel hingewiesen, in dem Frank Schirrmacher den Atom-Sprachgebrauch auseinandernimmt.

 

Grau zu Weiß

Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit schreibt weiterhin alles zusammen, was man über Fukushima erfahren kann. Da steht heute auch dieser Satz:

Tepco wertet die Farbveränderung des Rauches von grau zu weiß positiv.

Im Hochtechnologieland Japan. Die haben keine Ahnung, was in diesem AKW vor sich geht. Aber hey, weißer Rauch ist besser als grauer.

Wenn unsere Bundeskanzlerin ein Post-It hat, auf dem sie notiert, was man aus der japanischen Atom-Katastrophe lernen kann, sollte da inzwischen stehen:

 

Nicht in der Lage, diese Gefahr zu berücksichtigen

In diesem SpOn-Artikel finden sich einige Geständnisse eines Ingenieurs, die die Bezeichnung Hochtechnologieland Japan „ein bisschen“ in Frage stellen, z.B.:

Der pensionierte Ingenieur betont die mangelnde Erfahrung, die die Japaner damals mit Atomtechnologie hatten. „Bei der Konstruktion von Reaktor 1 hatten wir keine Erfahrung. Wir wussten fast gar nichts. Wir wussten zwar, dass das Gebiet von Erdbeben und Tsunami bedroht ist – aber wir waren nicht in der Lage, diese Gefahr zu berücksichtigen“, so Ogura. — Video zeigt massive Zerstörung in Fukushima I

Das kann Frau Bundeskanzlerin demnächst nur wenig angepasst in ihre Rechtfertigungsreden zum Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg übernehmen:

„Wir wussten zwar, dass es Atomkraft gibt – aber wir waren nicht in der Lage, diese Gefahr zu berücksichtigen.“

 

M. Spreng über die schwarz-gelbe Atompolitik

Der Super-GAU in Japan wird auch zum GAU für die deutsche Atompolitik werden und die politischen Kräfte, die sie tragen. Das hat auch die Kanzlerin gemerkt. Deshalb der rasche “Krisengipfel” im Kanzleramt. Ihr geht es jetzt darum, den Menschen das Gefühl zu geben, dass die Politik senbsibel und schnell reagiert und handelt. Betonung auf “das Gefühl zu geben”. Jetzt ist wieder die hohe Zeit der So-zu-tun-Politik: so zu tun, als würde man etwas tun. — Die So-zu-tun-Politik

 

EnBW als Poison Pill für Grüne Landesregierung

Was bisher geschah

In Japan geht gerade ein Atomkraftwerk hoch. Und in Deutschland wird in zwei Wochen in einem Bundesland (Baden-Württemberg) gewählt, in dem es zwei marode alte Atomkraftwerke gibt.

Die Bundesregierung hat im Alleingang den Atomausstieg aufgekündigt. Dagegen klagen einige Bundesländer, weil sie der Meinung sind, an einer Entscheidung solcher Tragweite beteiligt werden zu müssen.

Baden-Württemberg hat Ende letzten Jahres noch schnell ein großes Aktienpaket an der EnBW gekauft, die die beiden maroden alten AKWs betreibt. Das Aktienpaket hat knappe 5 Milliarden € gekostet, die Übernahme wurde durch die Landesregierung ohne Beteiligung des Parlaments durchgezogen und den Bürgern als „Schnäppchen“ verkauft. Dass sich der Deal mit den bisherigen Miteigentümern (EdF, dem französischen Stromriesen) zum Teil über Dividenden refinanzieren soll, war zumindest stillschweigend einkalkuliert.

Die Giftpille

Wenn in der freien Wirtschaft ein Unternehmen A ein anderes Unternehmen B übernehmen will, B aber nicht übernommen werden will, spricht man von einer feindlichen Übernahme. Das Unternehmen B hat nur wenige Mittel, sich effektiv gegen die Übernahme zu wehren, aber eines der Mittel nennt sich im Englischen Poison Pill, auf deutsch Giftpille. Es bedeutet, dass sich Unternehmen B unattraktiv macht, um der Übernahme zu entgehen. Zum Beispiel indem es große Verpflichtungen gegenüber einem Dritten eingeht, so dass A bei der Übernahme in diese Verpflichtung eintreten muss.

Staat bezahlt für Atomauflagen selbst

In Baden-Württemberg ist die CDU-Landesregierung das Unternehmen B, das sich gegen eine Übernahme durch eine rot-grünes/grün-rotes Unternehmen A wehrt. Und man könnte sagen, dass der Aufkauf der EnBW eine Poison Pill darstellt. Eine Regierung unter grüner Beteiligung wäre Hauptaktionär an einem der vier großen deutschen Stromkonzerne und AKW-Betreiber. Jeder Versuch, an der Atom-Regulierung zu drehen, hätte automatisch auch Konsequenzen für den Haushalt.

Wenn die Grünen z.B. für die maroden alten AKWs teure Nachrüstungen verordnen, wird EnBW das natürlich tun, aber im Gegenzug die Dividendenausschüttungen reduzieren und damit dem baden-württembergischen Staatshaushalt Mittel entziehen, die fest eingeplant sind, um genau für diesen EnBW-Deal Zinsen zu bezahlen. Und auch bei einem Verkauf von EnBW würde ein Käufer den verordneten Nachrüstungsaufwand natürlich vom Kaufpreis abziehen. Wie man’s auch dreht, finanziell kann EnBW für eine grüne Landesregierung nur ein Verlust sein.