Figurentheater

Die Web-Site von Figurentheater Alice Therese Böhm ist online!

Wir waren Anfang April in einer Aufführung von „Muschelkalk – Die Liebe des Joachim Ringelnatz“, in dem die Schau- und Puppenspielerin Alice Therese Böhm in wechselnden Rollen Marionetten von Ringelnatz (Ringelnass = Seepferdchen) und Muschelkalk (seiner Geliebten) führt und selbst in die Rolle einer Hausfrau schlüpft, die auf dem Dachboden beim Wäscheaufhängen Briefe der Liebenden aneinander findet und liest.

Die Puppen werden von Frau Böhm selbst entworfen und gebaut; sie sind gleichzeitig liebevoll und charakteristisch. Das Theaterstück selbst ist aus Brieffragmenten und Gedichten gewoben, und entfaltet durch die Präsenz von Frau Böhm und auch die live gespielte Musik von Ulrich Beck eine zauberhafte Schönheit.

Ich hätte den weisen, frechen Reimen von Ringelnatz noch stundenlang zusehen und zuhören können und möchte jedem, der ein sehr persönliches Verhältnis zu einem Theaterstück entwickeln möchte, empfehlen, die nächste Chance zu nutzen, dieses Kleinod der darstellenden Kunst zu sehen!

Vertrauensfrage

Die SPD hat die Wahlen in NRW verloren und auf Bundesebene die Jokerkarte gezückt: Müntefering kündigt an, dass im Herbst Neuwahlen zum Bundestag stattfinden werden.

Wie funktioniert das? Nun, der Kanzler stellt im Parlament die Vertrauensfrage, die normalerweise von den Regierungsparteien mit einem einstimmigen „Wir stehen alle hinter dir, Gerd!“ beantwortet wird. In diesem Fall allerdings werden vorher Absprachen getroffen, dass man eben nicht „Ja“ zu Schröder sagt. Dann steht der Kanzler ohne Parlamentsmehrheit da und kann zum Bundespräsidenten gehen und ihn bitten, den Bundestag aufzulösen.

Aus der Weimarer Republik hat man unter anderem gelernt, dass es nicht gut ist, wenn der Bundestag sich selbst so mir nichts dir nichts auflösen kann. Das Fehlen dieses Selbstauflösungsrechts zwingt die Parteien, auch bei schwierigen Wahlergebnissen eine Regierung auf die Beine zu stellen, und diese möglichst über die gesamte Legislaturperiode hinweg aufrecht zu erhalten. Ansonsten könnte man ja bei jeder Meinungsverschiedenheit das Volk erneut an die Urnen rufen, was zu einer gewissen Wahlmüdigkeit und Radikalisierung führte.

Die andere Möglichkeit, den Kanzler während einer Wahlperiode abzulösen, ist das Konstruktive Misstrauensvotum, bei dem die Opposition das Parlament auffordert, dem amtierenden Bundeskanzler das Misstrauen auszusprechen, in dem es dem Oppositionskandidaten das Vertrauen ausspricht. Im gleichen Atemzug wird dann also der alte Kanzler abgewählt und ein neuer Kanzler gewählt. Verfügte die Opposition also über genügend Überläufer aus dem Regierungs-Lager (wie das 1982 beim Wechsel von Schmidt zu Kohl war), könnten wir schon Morgen eine „Bundes-Angie“ haben.

Was ist von der Entscheidung an sich zu halten?

Zum einen gehört einiges an Courage dazu, nach einer verlorenen Wahl zu sagen: „He, wollt ihr uns überhaupt noch?!“. Zum anderen könnte man auch sagen, die Sozis haben einen Plan gemacht, wie sie sich aus der Affäre ziehen können. Sollten SPD und Gründe die vorgezogenen Wahlen gewinnen, haben sie eigentlich nichts gewonnen, denn ihnen steht weiterhin ein „feindlicher“ Bundesrat gegenüber (die Eigenheimzulage wäre auf weitere vier Jahre hinaus gerettet). Verlieren sie die Wahl, haben sie nicht anderes gewonnen, als nicht mehr in der Verantwortung zu stehen und den anderen dabei zuzusehen, wie sie es „auch nicht besser“ machen.

Taktisch hat das ganze noch den Charme, dass nun eventuell in der Union der Kandidatenstreit neu losgeht. Ob Angela Merkel wirklich stark genug ist, den Bayern im Zaum zu halten? Einen Herrn Rüttgers schlagen jedenfalls beide an Ausstrahlung.

AOL kündigen

Über die Schwierigkeiten AOL wieder loszuwerden. Samt einigen Einblicken in das amerikanische Bankenwesen.

It’s Hard to Say Goodbye to AOL: They talked for 20 minutes and eventually refused to cancel the service but gave her two months ‚free.‘ I called the next month and clearly told them we did not want the service and to cancel it, and then I wrote them a letter. They again refused to outright cancel it, but I figured I was OK, with the letter on file.

Als ich damals telefonisch AOL kündigte, wollte man mir auch Freistunden und anderes geben, aber ich habe es geschafft, da raus zu kommen. Ich fürchte, mir steht dieses zweifelhafte Vergnügen demnächst noch einmal bevor. Freunde haben DSL bestellt (nicht bei AOL) und werden wohl ihre AOL-Accounts kündigen. Mal sehen, wie lange das braucht.

[via cafeconleche]

Fälschungssichere Gorillaz

Damon Albarn in der »Süddeutschen&aquo; über das neue Album der Gorillaz, die Befreiung, £25.000.000 zurückzugeben und die Musikindustrie.

„Es ist alles so furchtbar deprimierend hier“ Albarn: Ich finde es übrigens interessant, dass es bislang keine Gorillaz-Kopie gibt. Wenn etwas so erfolgreich ist wie unsere erste Platte, erfindet die Musikindustrie normalerweise immer gleich haufenweise Nachahmerprodukte. Aber es war offenbar etwas zu kompliziert, was wir uns ausgedacht haben, um es einfach nachmachen zu können.

Öhm, ist das die gleiche Musikindustrie, die so ein großes Problem damit hat, wenn wir unsere Kopien selber machen?

DVB-S: Not Primetime-TV

Die c’t hat in ihrer aktuellen Ausgabe (11/05) das Angebot an DVB-S-Karten (für’s digitale Sat-Fernsehen am PC) unter die Lupe genommen – und war ähnlich begeistert wie ich nach meinem Selbstversuch. Karten und Software haben Macken und mucken derart! Fernsehen hätte sich nie zum Breitensport entwickelt, wenn die Wohnzimmer-Geräte sich so aufführten!

Treiber, die Windows zum Absturz bringen. Migelieferte Software, die veraltet ist. Basisfeatures wie Timeshift, die durch Abwesenheit glänzen. Fehl-Steuerung der Satelliten-Anlage inklusive. So meine Kurzfassung. Das Fazit der c’t liest sich nicht ganz so vernichtend, ist aber auch kein Ruhmesblatt für die Hersteller.

DVB-S ist ja nun keine junge Technologie mehr. Meiner Meinung nach aber von vorne bis hinten verhunzt. Das fängt damit an, dass jedes Gerät seine eigene Leitung zur Antenne benötigt, und für jeden Satelliten eine eigene. Also 2 Fernseher im Haus, die Astra und einen anderen Sat sehen wollen, bedeuten „schielende“ Montage der „Tonabnehmer“ (LNB), und davon jeweils ein „Twin“ (Doppelkopf) pro Satellit. Und dann mit vier Kabeln durch die Mauer und in die einzelnen Zimmer. Mit mehr Fernsehern muss dann schon ein Mutiswitch her. Den muss dann jeder einzelne Receiver aber auch richtig ansteuern, sonst schaltet der eine Empfänger den anderen um oder aus. (Alles schon erlebt.)

Ich hatte zunächst eine TwinHan PCI-Karte, die hat aber nie länger als 3 Minuten durchgehalten – wenn sie überhaupt mal einen Kanal gelockt hat! Mit der TechniSat SkyStar USB war es netter, die hat nicht rumgezickt und brav über den USB-Bus Bild und Ton geliefert. Erträglich war’s, Begeisterung ist keine aufgekommen.

Aufnehmen über die SkyStar war möglich, aber mit erheblichen Nacharbeiten verbunden. Weil der digitale Datenstrom auf Fehlerkorrektur und Übertragungssicherheit ausgelegt ist, sind Ton und Bild nicht synchron, sondern leicht versetzt im Stream. Die TV-Decoder synchronisieren das während der Wiedergabe. Schaffen es aber nicht, dass auch für eine Aufzeichnung gleich zu machen (oder ich war zu blöd, die Sache korrekt zu konfigurieren, oder alternativ zu blöd, mir aus den drei Dutzend Shareware-Projekten das passende rauszusuchen). In der Folge heißt das, dass ein Film, der auf einer DVD archiviert werden soll, zunächst ge-demultiplext und dann neu – diesmal tatsächlich synchron – gemultiplext werden muss. Und dann noch möglichst ohne Rekodierung (schließlich kommt vom Satellit schon eine Art MPEG-2) zu einem Film zusammengerechnet werden. Dann kann man noch Stunden damit verbringen, ein einigermaßen gut aussehendes DVD-Menü zu gestalten und „schon“ kann man den Film brennen!

Das Ganze benötigt irgendwas zwischen 3 und 10 verschiedenen Programmen, die erstmal gefunden und verstanden sein wollen — die sprichwörtliche Programmierung eines Video-Rekorders ist Leichtes dagegen! Zeitaufwand lag bei mir beim Vierfachen der Filmlänge, also 3 Stunden für einen 45 Minuten Mitschnitt – wobei ich mir wirklich Mühe mit allem gegeben habe. M.a.W. ein bißchen weniger perfekt spart wahrscheinlich die Hälfte der Zeit, aber Videos sind halt immer gleich ein paar Gigabyte, und da dauert alles etwas l-ä-n-g-e-r.

c’t mutmaßt, da sich seit dem letzten Test in Sachen Stabiliät und User Experience nichts bewegt hat, dass sich die Hersteller auf DVB-T (digitaler Fernsehfunk vom guten alten Sendemasten auf dem nächsten Hügel) konzentrieren. Das wäre schön, da würde ich ja eventuell nochmal einen Selbstversuch wagen. Wenn’s schlußendlich auch im Südwesten soweit ist.

Kleine Meckerei am Rande: PC-User haben wenigstens die Wahl der Qual und dazu noch von billig bis erträglich. Mac-User haben keine Wahl, es gibt nur einen Anbieter, der sich seiner herausragenden Stellung wohl bewußt ist. Ach, Mr. Jobs, Steve, bitte, ein iWatchTV™ oder ein iWantMyMTV™ – ob das wohl möglich wäre, im „Age of HD“?

CatContent: Gast-Katze

Und wieder verwässert jemand die notleidende deutsche Blogging-Szene mit einem Katzenbild!

Grisou im Schrank

Grisou ist unsere Gastkatze über Pfingsten — und sehr sprungfreudig. Das Schrankfach, das sie sich ausgesucht hat, ist immerhin in 1,60m Höhe, nicht über andere Möbelstücke zu erreichen, und die Hemden darunter sehen auch noch in Ordnung aus.

Aufreger 2: Europäischer Haftbefehl

Udo Vetter (den ich neulich, glaube ich, mit einem 0:20-Statement auf big.fm gehört habe) schreibt zum europäischen Haftbefehl, der die Auslieferung der eigenen Staatsbürger an andere europäische Länder ermöglicht:

NACH RIGA Wenn demnächst ein spanischer, slowenischer oder litauischer Untersuchungsrichter die strafrechtliche Verantwortung in einer deutschen Firmen- oder Konzernzentrale vermutet, kann das auch für deutsche (Top)-Manager einen plötzlichen Umzug ins Untersuchungsgefängnis von Madrid, Ljubljana oder Riga bedeuten.

Das mag der Lobby entgangen sein. Müssen wir uns jetzt davor fürchten, wegen des sprichwörtlichen unbezahlten Strafzettels nach [Lieblingsurlaubsland nach Wahl einsetzen] ausgeliefert zu werden? Fällt das schon unter „Kraftfahrzeugkriminalität“? Organisiert die Rückreise der ADAC oder die Rechtsschutzversicherung?

Aufreger 1: Datenschutz

Dr. Thilo Weichert zu den kommenden(?) biometrischen Pässen und dem allgemeinen Umgang mit Bürgerdaten. In der aktuellen c’t, aber – Danke an den Heise Verlag – auch online:

Angriff auf den Datenschutz?: Die Fragen des Ob und des Wie solcher Ausweise sind nicht rein technischer Natur. Sie berühren vielmehr den Kern der Aufgaben des obersten Datenschützers: den Schutz des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung. Ohne Not demonstrierte der Innenminister blanke Nerven: Nicht die Sicherheit steht auf dem Spiel, sondern ein verfassungsmäßiges Grundrecht, das dem für den Schutz unserer Verfassung zuständigen Minister am Herzen liegen müsste.

[aus dem Fazit:] Die Technik ist bisher nur wenig erprobt, zu wenig, um schon in einem bevölkerungsweiten Massenverfahren eingesetzt zu werden. Hochgefährlich ist der Medienwechsel bei der Ausweiskontrolle, der zum Aufbau von bevölkerungsweiten Datenbanken führen kann, die für andere als die ursprünglichen Zwecke genutzt werden.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Man beachte den Konjunktiv.