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To The Jackpot

(Das Jahr in Büchern.)

(Und, Nein, ich habe nicht annähernd soviel gelesen wie ich hätte können oder vielleicht sogar sollen.)

William Gibson „Agency“

Ich weiß nicht mehr, wer das Video empfohlen hat, aber taugt gut als Titel-Sequenz für William Gibson’s aktuelle Jackpot-Trilogie. William Gibson, der Erfinder des Cyber Space, rückt mit seinen vormals in einer fernen Zukunft spielenden Büchern immer näher an die Gegenwart, wird zum Teil während des Schreibens von ihr überholt. („20 Minutes into the Future“, wie Max Headroom damals.)

Mich hat der zweite Teil der Trilogie „Agency“ relativ kalt gelassen. Die Dialogteile der KI waren sehr gelungen, aber der Rest der Handlung war nur ein rastloses Hin und Her zwischen locations.

Ich bin gespannt, wie der dritte Teil die Reihe fortführt.

Colson Whitehead „The Underground Railroad“

Dieses Buch schildert das Verbrechen Sklaverei an einigen wenigen Personen, es macht deutlich, wie die Gewalt aus diesen Jahren bis heute die Politik formt. Es wirft ein Licht auf das unglaubliche Unterfangen, unterirdische Eisenbahnlinien zu bauen, um geflohene Sklaven in den halbwegs sicheren Norden zu bringen. Und auf das white privilege, über rechtschaffene Bürger herzufallen, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben. Und dann, wie um zu bestätigen, dass das alles nicht vergangen ist, George Floyd.

Steve Hackett spielt mit Country- und Eisenbahn-Motiven in seinem Song „Underground Railroad“, der unter anderem auch von Colson Whitehead’s Bestseller inspiriert ist. => UNDERGROUND RAILROAD (Steve Hackett’s Blog)

NB: Was ein Küstenverlauf der Kreidezeit mit den amerikanischen Prsäsidenschaftswahlen zu tun hat:

The voting pattern of those counties on the map follows the Cretaceous coastline of 100 million years ago — the plankton fell, the cotton grew, the enslaved people bled into that rich soil, and their descendants later helped a black man reach the White House.

How the Cretaceous Coastline of North America Affects US Presidential Elections

Wikipedia dazu.

Amal El-Mohtar, Max Gladstone: This Is How You Lose the Time War

Ein Buch, mit dem man die englische Sprache lieben lernen kann. Zwei widerstreitende Kräfte binden und lösen die Stränge der Zeit, wie sie es brauchen, um ihrem jeweiligen Ziel näher zu kommen. Zwei Kämpferinnen dieser Kräfte beginnen eine Korrespondenz miteinander und die Sprache ihrer Briefe ist reine Poesie. Details zur Story verrate ich nicht 🙂 Ein Buch zum Schwelgen!

Matt Ruff: 88 Names

Hach, ich mag Matt Ruf, aber wie wenig andere „meiner“ Schriftsteller hat er eine fatale Tendenz, einem sehr guten ein eher mittelmäßiges Buch folgen zu lassen.

  • Fool On The Hill, großartig; Sewer, Gas, Electric, meh
  • Set This House in Order, herzzerreißend; Bad Monkeys, fantastisch; The Mirage, ja mei!
  • Lovecraft Country, meisterhaft; 88 Names, mh-kay

88 Names schien mir stellenweise wie eine Variation zum Thema von REAMDE von Neal Stephenson, plus Cyber-Sex, minus NRA-Sponsoring. Naja, wenn das jetzt das nicht-so-gute Buch war, ist das nächste wieder großartig, ja?

(Von Neal Stephenson steckt ein angebrochenes D.O.D.O. im Kindle, vielleicht wird das 2021 mal was. Ich verspreche nichts!