Kategorie: digital

  • Tabs of YesterQuarter

    Da lese ich interessante Dinge auf dem iPhone beim Warten in der Arztpraxis, während die Software neu übersetzt wird oder (ja, Sie denn nicht?) auf dem Klo. Und dann lasse ich das Tab offen, weil ich es wiederfinden will – auf dem Smartphone sammeln sich meanwhile offene Tabs. Hiermit werden aus offenen Tabs Blog-Einträge:

    Die Anteile der Länder an der Oberfläche der Erde, oder im Original: Visualizing Countries by Share of Earth’s Surface, ein Kreisdiagramm, das mal wieder schon vor Augen führt, dass wir auf einem Wasserplaneten leben. Unter diesen Umständen halte ich die evolutionäre Einsparung der Kiemen für einen Fehler 🙂

    Kam bestimmt über kottke.org, bei dem es eigentlich jeden Tag etwas wundervolles zu entdecken gibt.

    Das Leben von Josephine Baker als graphic novel: Josephine Baker by Catel and Bocquet – a triumph of research and astounding detail
    Eine Buchvorstellung, die einen Überblick über das reichhaltige Leben der Sängerin, Schauspielerin und Spionin (diese Aufzählung ist unvollständig).

    But also a woman whose wisdom and determination burst the seams of US racial segregation, whose rise to the heights of stardom in France and indeed worldwide (she was the first black actor to star in an international movie) directly challenged the institutionalised racism of her home nation.

    Josephine Baker …

    Links zum Einkauf dieses Werks gibt es bei der Rezension, weitere Werke in dieser Art gibt es bei selfmadehero.com.

    Eine Programmiersprache, so alt und stabil wie römische Aquädukte: Why COBOL will never die. Die Common Business-Oriented Language gibt es schon 1969 und liegt unserem internationalen Zahlungsverkehr genauso zu Grunde wie dem internationalen Flugverkehr und ziemlich vielen Lohn-, Gehalts- und Rentenabrechnungen.

    This turns the new-new-thing hype of Silicon Valley on its head, of course. It’s a sector obsessed with the hottest, latest thing — but as any programmer can tell you, the hottest, latest thing that just got shipped at 2 am is gonna be a rickety kluge of buggy code. That old COBOL, though? In service since the days of early MTV? It’s tough as old boots.

    Why COBOL will never die

  • Die Zähen Zwanziger

    Oh nein, nicht diese 2020er, sondern die Tage zwischen dem 20. und 30. Spieltag bei Cozy Grove, dem Spiel, das ein gespenstischer Widergänger von Animal Crossing ist.

    Tag 25, die Tiere sind hungrig, und bis auf den rechts unten gezeigten Salat, für den man die Unmenge von zehn Zwiebeln braucht, ist das auch alles machbar.

    Um den Tag 20 herum waren es langwierige Quests, bei denen die Ressourcen über mehrere Tage gesammelt werden mussten. Aber da kommt man ja absehbar zum Ziel, kann es beeinflussen, indem man Nussbäume pflanzt und Tiere großzieht.

    Jetzt laufen bei mir seit Tagen aber Quests, die darauf beruhen, dass die Geistfinderin anderen Bärengeistern hilft, und zwar bei einer unbestimmten Anzahl von Aufgaben:

    Um das Foto zu bekommen, muss ich Arjun Bhalla helfen, …
    … um das Schnitzwerkzeug für Francesca von Tatz zu erhalten, soll ich Jeremy Stoffel helfen …
    … und um die Scuba-Ausrüstung für Octavia Bärchin auszulösen, soll ich dem Maister helfen, möglicherweise mehrmals.

    Fast die Hälfte meiner Bärchen sind damit für Quests, die die Geschichte voranbringen, blockiert. Und so gehen die Tage ins Land (über die Insel), an denen ich zum x-ten Mal Pakete aus Laubhaufen berge, Bär Bhallas Schraubenschlüssel zurückbringe und der Bürgermeisterin mal wieder Kaffee hole.

    Gut, nebenher habe ich die Fischgründe geplündert, die Fische verbrannt und in Vogelscheuchen verwandelt (eines der berühmten Vier-Fischgräten-Rezepte für insulären Reichtum) und mit dem verdienten Geld Mr. Kit eine Luxussanierung seines Ladens finanziert und mir ein sehr komfortables Zelt gegönnt.

    Außerdem habe ich inzwischen die Profi-Wünschelrute, die bis zu zweimal am Tag ein Relikt aufspürt. Bei zwei Relikten entscheide ich mich meistens, das eine Relikt einzuäschern und das andere zu spenden.

    Hier gibt es keinen Hinweis auf eine Spende, d.h. feinstes Flammi-Futter.
    Hier lohnt die Spende, es gibt Geld und fast-wertvolle Quartzsteine. Also ab zum Käpt’n damit.

    Davon abgesehen macht es immer noch Spaß, morgens nach dem Frühstück die Bärengeister nach dem werten Befinden zu fragen, bei der Bäckerei das Futter für die Tiere in Auftrag zu geben und das Gemüse aus dem Boden zu buddeln.

    Falls es im Laufe des Tages mal langweilig wird, lohnt sich auch eine Runde um die Insel herum. Angel ins Meer, frische Fische fangen, sehr entsspannend.

    Was ich hier auch hervorheben möchte: Die Diskussionen mit anderen Spieler*innen auf dem Discord-Server zum Spiel sind wirklich nett. Inzwischen gibt es einen slow chat, bei dem cold brew coffee und Brotrezepte ausgetauscht werden, sehr sympathisch.

  • Cozy Grove, zäh

    Cozy Grove, zäh

    Die letzten Tage im Geisterfinder-Camp auf Cozy Grove Island waren recht erbaulich, die meisten Quests innerhalb eines Tages (oder direkt aus dem Inventar) erledigt.

    Doch jetzt stecke ich in drei Quests, die wenig Aussicht haben, in den nächsten Tagen gelöst zu werden. Die eine braucht Reliktasche (Archäologen & Kunsthistoriker hören, wie gesagt, weg), von der es am Tag ein, höchstens zwei zu wünschelruten gibt.

    Quest 1: Wünschelruten-Upgrade gibt’s nur gegen Asche, Reliktasche in dem Fall.

    Die andere braucht Gold; und einen Stein, der Golderz ausspu(c)kt, habe ich noch nicht gefunden. Und 50 Silber zu einem Gold konvertieren scheitert, genau, an genug Silber. Hm.

    Quest 2: Die meisterliche Schaufel muss aus irgendeinem Grund vergoldet werden, zu fürstlichen Kosten.

    Tja, und die dritte Quest erledigt sich automatisch mit der ersten, also dem Wünschelruten-Upgrade.

    Quest 3: Schnitzwerkzeug als Belohnung für den Auftrag zum Wunschelruten-Upgrade. Nein, das ist keine Korruption, das ist das Payback-Programm des lokalen Handwerks.

    Das Spiel, das dich wegschickt, bleibt seinem Design als Geduldsspiel also weiter treu. Immerhin habe ich heute eine neue Muschelart und ich meine auch einen neuen Fisch gefunden. Und den Tieren geht’s allen gut.

    Schätze, ich setze mich jetzt an den Strand und höre den Wellen zu.

  • Sarah Dahir

    Sarah works as a freelance illustrator in South Africa. She draws from the world around her to draw fashionable and relatable images of young black women in a variety of familiar settings:hanging out on the beach, sharing a glass of wine with friends or just being themselves. 

    https://casildart.com/sarah-dahir

    Gefunden im Missy Magazin, das ein Interview mit ihr geführt hat. In dem sagt Sarah Dahir über ihre Motive:

    Es macht am meisten Sinn für mich, Frauen zu zeichnen, die so aussehen wie meine Schwestern, Freund*innen und ich. Meine Bilder zeigen Schwarze Frauen, die normale Dinge tun, sorglos sind, picknicken, mit ihren Freund*innen ausgehen.

    Sarah Dahir (Missy Magazin, Interview)
  • Cozy Grove, Tag 8

    Nachdem es gestern ja Nacht war und das Tagwerk erledigt, werfe ich heute einen Blick auf die Relikte und die Wirtschaft.

    Relikte

    Relikte kamen dazu, indem der Handwerker mir eine Wünschelrute in die Hand drückte. Die findet kein Wasser, sondern vergrabene Artefakte – nach dem guten alten Kinderspiel-Schema „kälter, wärmer, heiß“.

    Über dem Geistheiler (bleiben wir mal bei diesem Begriff) ist das Icon der Wünschelrute (ähnlich wie beim Angeln). Wir sind hier am Ende der Suche, die Flamme der Wünschelrute sagt „heiß“ und die Stelle, an der das Artefakt vergraben ist, ist praktischweise mit einem X markiert. Wie bei der Schatzkarte der Piraten 🙂

    Die gefundenen Relikte (aber nur eines pro Tag, die Spiel-Designer rationieren, wo sie können) sind natürlich erst mal ein Kandidat für die Sammlung des Kapitäns. Dann gibt es Rezepte bzw. Bauanleitungen, die – Kunsthistoriker weghören – Reliktasche benötigen. Ja, Flammi ist dein Bruder, der sengt auch uralte Kunstwerke weg.

    Wirtschaft

    Gestern hatten wir über Tik, den Marktfuchs, gesprochen, der dankbar alles aufkauft, was man von Muschel bis Kuchen entbehren kann (bzw. wegen der begrenzten Lagermöglichkeiten: entbehren muss). Heute ist mir dann aufgefallen, dass der Markt verzerrt ist: Manche Produkte, die mehrere Verarbeitungsschritte (10:1 Konversionen) erfordern, sind in der dritten Stufe weniger wert als 10 Produkte der Vorstufe, zumindest bei Tofu und der leckeren Würzsauce, die man aus zehn Tofus macht.

    Hier haben wir leckeres Pilztofu, für das der Fuchs 2.880 Alte Münzen rausrückt. Macht mal zehn 28.800 Alte Münzen.

    Und hier haben wir das sicher noch leckerere Pilztamari, für das ich zehn Tofus geopfert habe, für einen Erlös von 12.000 Alten Münzen. Hätte ich das Tofu verkauft, wären 16.800 mehr drin gewesen.

    Eine andere Seltsamkeit ist, dass Bestellungen in der Bäckerei (liegt direkt neben meinem Lager) und der Deko-Bürgermeisterin über den Postbärgeist zugestellt werden. Also um 08:00 Uhr beim Bäcker Mehl abliefern und um 09:00 Uhr zur Post rennen, um die Wecken abzuholen … Hm?

    Wenn’s mal wieder länger dauert mit der Bestellung, liegt es sicher nicht an DHL, die liefern auf der Geisterebene nämlich nicht.

    Zum Schluss hier noch ein Bild von einem jener Laubhaufen, die bei der Morgenrunde gefunden und nach brauchbaren Dingen durchstöbert werden wollen.

    Ja, der Laubhaufen ist offensichtlich bewohnt, aber keine Angst, er beißt (noch ) nicht.
  • Noch ’ne Insel, mit Geistern

    Noch ’ne Insel, mit Geistern

    Irgendwie haben die Entwickler, die sich von Apple Arcade engagieren lassen, es mit Insel-Abenteuern. In der neuen Veröffentlichung Cozy Grove landet ein junger Geisterforscher auf eine Insel voller, tja, Geister. Die Flut nimmt sein Boot mit, und so arrangiert er sich mit dem Inselleben, in allen Belangen unterstützt von seinem magischen Feuer Flammi, mit dem nicht zu stillenden Hunger auf Geistholz.

    Ein inniger Moment mit einem meiner Geistvögel. Im Hintergrund Flammi, der Verwalter des Lagers, Verbrenner aller Dinge, immer hungriger Verzehrer von Geistholz.

    Woher bekommt der junge Mann Geistholz? Indem er den Geistern der Insel hilft: Der Kapitänsgeist braucht Federn, damit der kalte Wind an der Küste nicht durch ihn durchweht. Der Postbotengeist hat Pakete, der Bürgermeister die Anmeldeformulare für den jungen Geisterforscher verlegt, der Bäckergeist braucht Zutaten für seine neueste Kreation. Genug zu tun?

    Ja, aber immer nur ein bisschen. Das Spiel gibt pro Tag (echten 24h) nur eine begrenzte Anzahl Aufgaben aus, und die kann man nicht mal unbedingt noch am gleichen Tag erledigen. Ich habe zum Beispiel ein Kochrezept vom Kapitän bekommen, das zehn Eier benötigt. Aber Eier habe ich bisher nur einzeln vom Marktfuchsgeist oder von einem meiner Vogelgeister bekommen. Zehn Eier zu sammeln, wird ein paar Tage Zeit brauchen.

    Beim Angeln. Mit der Route ausholen legt Richtung und Weite des Wurfs fest. Fische in der Nähe werden auf den Köder aufmerksam, beginnen an ihm zu knabbern. Irgendwann (je nach Sorte nach eher zwei oder auch mal fünf Bissen) schlucken sie den Haken. Dann geschwind auf den Screen getippt und der Fisch ist mein.

    Die Geister ahnen, dass sie in ihrem Vorleben irgendeinen Fehler gemacht haben, der sie nun auf diese Insel bindet. Der Handwerksgeist glaubt, dass eines seiner Werke misslungen ist, und versucht nun, alle zu vernichten. Es ist die Aufgabe des jungen, nun ja: Geistheilers, die Geschichten dieser Geister nachzuvollziehen und – ich vermute mal – zu einem guten Ende zu bringen.

    Aber was bleibt zu tun, wenn alle Tagesaufgaben erfüllt sind? Das Spiel zumachen und morgen wiederkommen? Bei aller digital-pädagogischen Absicht, ihr Spieleentwickler: Wenn ihr mir so eine schöne handgemalte Insel hinstellt, bleibe ich dort l-ä-n-g-e-r, ob ihr wollt oder nicht. Es gibt ja genug Zeitvertreib: am Strand Muscheln suchen, vom Ufer aus Fische fangen (der Kapitän brachte mir das Angeln bei). Und es tun sich Löcher im Boden auf, die aufgegraben werden wollen, Laubhaufen erscheinen, die durchsucht werden wollen, es wächst Unkraut, das zurückgeschnitten werden will.

    Neben richtigen Geistern bevölkern auch mehrere Rudel Wichte die Insel. Sie werden unsichtbar, wenn man ihnen zu nahe kommt. Manchmal klauen sie auch wichtige Dokumente, dann renn ich ihnen hinterher, bis ich sie in die Enge getrieben habe und sie das Schriftstück herausrücken. Manchmal treffe ich auch einen Wicht, der Lust auf eine Kartoffel oder einen Rettich hat. Werfe ich ihn das Gewünschte zu, bedankt er sich mit Wicht-Essenz oder anderen praktischen Dingen (z.B. Geld).

    Und dann haben wir noch gar nicht angefangen, die Insel zu dekorieren. Dekoration ist ein wesentlicher Einfluss auf das Wirtschaftssystem der Insel, das auf in eben diesen Erdlöchern und Laubhaufen gefundenen Pilzen und Wurzelgemüsen, den Muscheln und Fischen, den Eiern und den daraus gebackenen Speisen besteht.

    Aus zehn Pilzen werden dank Flammi geröstete Pilze, aus denen ein Stück Soja, zehn Stück Soja werden eine leckere Sauce, die beim Marktfuchs bestimmt eine große Menge Alte Münzen erlöst. Äste und Holzstücke werden vom Handwerksgeist zusammen mit Fischgräten zu Dekorationsgegenständen verbastelt. Die richtige Dekoration (von gewöhnlich und rustikal bis selten und natürlich) steigert die Laune der Tiere und den Ertrag der Nuss- und Obstbäume.

    Der Kapitänsgeist (plus zwei Wichtel) träumt vermutlich von dem süßen Stückchen, das ich ihm herstellen soll (siehe rechts oben, unter dem Aufgabenbuch). Links oben, die Tasche, stellt mein Inventar dar. Mit 27 Plätzen recht knapp bemessen, denn drei nehmen schon Schaufel, Hacke und Machete ein, plus die Angel und die Wünschelrute, die heute das erste Mal zum Einsatz kam. Weiteren raren Lagerplatz gibt es im Zelt.

    Und dann führt der Kapitän auch noch ein Sammelalbum. Von allem, was der Junge findet, bäckt, schraubt und angelt, liefert er ein Exemplar für die Sammlung ab und bekommt dafür Geld und andere nützliche Dinge. Kurzum, es gibt immer was zu tun, auch wenn die Tagesaufgaben schon lange erfüllt sind.

    Ich bin gespannt, wie das Spiel sich weiterentwickelt. Es kommen fast täglich neue Geister oder neue Inselabschnitte (tauchen aus dem Meer auf) hinzu. Ob es für die Langzeit-Motivation ausreicht oder mir das Hin- und Hergewusel zwischen den Geistern, den Bäumen, Sträuchern, Fischen und Muscheln und natürlich Flammi irgendwann zu blöd wird, erfahren Sie in einem der nächsten Artikel dieser exklusiven Publikation.

  • bandcamp, yeah

    Damit Deine Künstler*innen was zu beißen haben.

    Neulich bin ich über einen Tweet gestolpert, wo eine Musikerin mal gesagt hat, was sie über Spotify mit ihrer Musik verdient. Nicht viel.

    Die Menschen von basic thinking haben mal recherchiert, was die großen Musik-Streaming-Angebote so an ihre Künstler*innen auszahlen. Ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert, so 0,00348 US-Dollar pro Stream bei Spotify. Wenn man jetzt nicht The Beatles heißt, oder wie auch immer erfolgreiche Bands heutzutage heißen, wird man davon eher nicht satt, zumindest nicht jeden Tag.

    Abhilfe ist, bei den Artists direkt zu kaufen, wie damals™ bei den Radioheads, als sie In Rainbows als „Zahl was Du willst“-Download ins Internet gestellt hatten. Das kann natürlich nicht jede*r Musiker*in aus dem Boden stampfen, aber dafür gibt es ja bandcamp. Und seit ich dort angefangen habe mich umzuschauen, finde ich erstaunlich viele von „meinen“ Künstler*innen dort wieder. Grund genug, ein paar Alben zu kaufen, so wie damals™, hach!

    Aus meinem Einkaufswagen:

  • Facts & Fakes

    Die Deutsche Telekom Stiftung hat ein „Spiel“ herausgebracht, mit dem jede*r ihre Fähigkeiten schärfen kann, Fakten von Lügen oder übertrieben positive Darstellungen von ausgewogenen zu unterscheiden.

    Die App Facts & Fakes zeigt dazu einen typischen Smartphone-Bildschirm mit Facebook- und WhatsApp-ähnlichen Apps sowie einem Browser an. Freunde kontaktieren die Spielerin z.B. per „WhatsOn“, um ihr den neuesten Energy-Drink und seine ach so nebenwirkungsfreien segensreichen Wirkungen ans Herz zu legen.

    Nach kurzer Recherche habe ich Kai zurückgeschrieben, dass er lieber die Finger von dem „gesunden“ Energy-Drink lassen soll. Aber Kai hat schon den nächsten hicen Shice am Start.

    Grund genug für die Protagonistin, der Sache mal auf den Grund zu gehen. Browser raus, Inhaltsstoffe des Drinks gesucht, Tests von unabhängigen Instituten angeschaut … und dann den Freunden einen aufklärenden Text zurückgeschickt, der hoffentlich dann auch gelesen wird.

    Insgesamt finde ich das Setting gelungen. Es findet da statt, wo wir alle (zu) viel Zeit verbringen, in (a)sozialen Medien und Chats mit Freunden und Familien. Die bei der Recherche aufgefundenen Informationen sind auch gut gemacht, treffen sowohl den Ton von „völlig unabhängigen“ Influencern wie auch den von seriösen Quellen recht gut. Manchmal fragt man sich, ob man ein Informations-Schnipsel nun als „Falsch“ oder „Übertrieben“ einsortieren soll, aber wenn das Ergebnis nicht passt, kann man sich ja korrigieren.

    Alles in allem durchaus etwas, was man seinem Pubertier mal ans Herz legen kann. Aber auch selbst die Sinne schärfen schadet nicht!

    Google Play Store Apple AppStore

  • Wider

    „Das geht euch einen Scheiß an!“

    Jede*r Bürger*in zu einem Staat, der seine Nase in alles mögliche reinstecken möchte.

    Es gibt ja gute Gründe, sein Online-Leben bei einem der großen Anbieter wie Google oder Microsoft einzurichten: Zur Mail gesellt das Office, alle Dokumente schweben in der Wolke, ein neues Gerät ist im Handumdrehen eingerichtet, und neben den Marketeers der Unternehmen haben auch die Geheimdienste Ihres Vertrauens vollen Einblick in die Lebensgewohnheiten.

    Zu diesem praktischen Für stellt sich für Aktivisten aller Art ein Wider, das sich natürlich aus dem o.a. letzten Satz ergibt. Daher hier ein kleiner Überblick über ausgesprochen unkommerzielle Dienste, die sich in erster Linie oder besonders an besagte Aktivisten wenden.

    Autistici/Inventati

    (…) wurde im März 2001 von einer Gemeinschaft aus Individuen und Kollektiven gegründet, die sich mit Technologie, Privatsphäre, digitalen Rechten und Politik beschäftigt.

    autistici.org

    Autistici bietet gegen Spende Blogs (WordPress), Web-Hosting, Anonymisierungsdienste, VPN, E-Mail, Mailing-Listen und Newsletter, sowie Instant Messaging/Chat an, sofern die „Grundprinzipien des Antifaschismus, Antirassismus, Antisexismus, Antimilitarismus und den nicht-kommerziellen Ansatz“ (Quelle) geteilt werden.

    systemli.org

    systemli.org ist ein 2003 gegründetes linkes Netzwerk und Technik-Kollektiv. Wir haben den Anspruch, sichere und vertrauenswürdige Kommunikationsdienste bereitzustellen. Das Projekt richtet sich insbesondere an linkspolitische Aktivist*innen und Menschen, die ein besonderes Datenschutzbedürfnis haben.

    systemli – Über uns

    Das Diensteangebot geht über das von autistici hinaus, hier werden auch Online Collaboration Tools wie EtherPad und EtherCalc (gemeinsam und gleichzeitig Texte und Tabellen bearbeiten) angeboten, Videokonferenzen über Jitsi, sowie verschiedene Messenger. Die Dienste sind auch aus dem TOR/Onion-Netzwerk (vulgo DarkNet) erreichbar.

    Tutanota

    In Zukunft wird Tutanota unser Ersatz für Google – mit E-MailKalender, Notizen, Cloud-Speicher; alles automatisch verschlüsselt! 

    Mach mit! – Tutanota

    Tutanota bietet verschlüsselte E-Mail an und möchte sein Angebot auf verschlüsselte Kalender und eine Cloud-Lösung ausdehnen, um dem Basis-Angebot von Google etc. etwas entgegenzusetzen. Für Privatanwender mit 1 GB Platz aktuell kostenlos, scheint mir aber insgesamt kommerzieller aufgestellt als die beiden erstgenannten „Community“-Projekte.

    Und selbst, so?

    Mein öffentliches Engagement ist eher unpolitisch (falls es unpolitisch heute überhaupt noch gibt), aber wie man hier ja rauslesen mag, habe ich gewisse Grundhaltungen. Daher (fast) kein Facebook (und danach gründlich Hände und Augen desinfizieren) oder Google, sondern die Mail bei mailbox.org (posteo.de geht genauso), statt WhatsApp werden Familie und Freunde gegen abnehmenden Widerstand zu Signal gedrängt. Browser der Wahl Safari mit Firefox und Edge (ja, der Chrome von Microsoft) als zweite und dritte Wahl.

    Überhaupt, Google! Ich hatte mal Mail, Reader, Soziales Netzwerk (Google+, falls sich noch wer erinnert), Fotos bei Google. Inzwischen nicht mal mehr ein Youtube Login. Hat sich fast von selbst ergeben, weil sie alles, was ich mochte, eingestellt haben. Tja!

  • Sponsoring

    Eine Monetarisierung findet nicht statt, habe ich mal geschrieben, erstens, weil das hier zu selten (und dann stoßweise, wer tut so was?!) erscheint, zweitens, weil ich keine Lust habe, die zwei, drei Leute, die hier zufällig vorbeischauen, gleich an den nächsten Internet-Riesen zu verraten und verkaufen.

    Andere Leute leben davon, dass sie schöne⇿schreckliche Dinge finden & forschen und ins Internet schreiben. Cartoons malen. Musik machen. Sie brauchten und brauchen unsere Unterstützung, damit sie nicht ihre Kunst aufgeben und sich eine (buuh!) Anständige Arbeit™ suchen müssen. Daher hier kurz, wen ich letztes Jahr so unterstützt habe (alles Kleinvieh, macht aber hoffentlich über alle doch Mist):

    • $5 / month an The Online Photographer (Mike Johnston), meine Lieblings-Website über alles, was mit Photographie⇿Fotografie zu tun hat. (Patreon)
    • $5 / month an Zach Morrison für seine geisterhafte graphic novel Paranatural (Patreon)
    • $1 / month an Tatsuya Ishida für seine woke Comic-Serie Sinfest (Patreon)
    • $2 / month an Nadja Hermann für ihre notwendigen Debattenbeiträge getarnt als „hässliche, linksgrünversiffte Paint-Comics“ auf Twitter unter @erzahlmirnix (Patreon)
    • €36 / Jahr 1. für den Ehrentitel Lemming und 2. für Joscha Sauer, der erfreulicherweise wieder frische nichtlustig Comics macht. (steadyhq)

    Daneben noch einmalige Spenden an

    • Internet Archive, weil wir ohne Archive halbblind durch die Gegend laufen surfen.
    • Samara Ginsberg, die mit ihren Cello-Arrangements von Film- und Serien-Titelmelodien das dumme Corona-Jahr entscheidend erträglicher gemacht hat. (Twitter, Youtube siehe unten) (Ko-Fi)
    • George Nachman für den schönen und funktionsreichen macOS Terminal-Ersatz iTerm2 (Donate)
    • … und ein paar Euro/Dollar an den/die Entwickler:innen, wann immer ich beim Einsatz eines freien Tools daran dachte, wie viel leichter es mein Leben/meine Arbeit macht.
    Sehet, welchen Kult Samara Ginsberg aus 80er Trash-Serien macht!
  • In den Apfel-Arkaden

    Ein Jahr mit Apple Arcade.

    … what you paid for?

    Apple Arcade ist ein Abonnement-Angebot, das Apple Ende 2019 gestartet hat. Die Spiele kommen von bekannten Studios und auch von unabhängigen Entwicklern (Indipendents). Dementsprechend variieren Themen und auch die Qualität. Definitiv gibt es bei Apple Arcade Spiele, die man sonst eher nicht findet, Ideen, die vielleicht aus Hackathons entstanden sind und hier die Gelegenheit zum Ausreifen bekommen haben.

    Was Apple Arcade nicht hat sind In-App-Käufe, das heißt, alle nervige Spielmechanik, die einem zum Kauf von irgendwas nötigen soll, fällt gleich mal weg, was sehr angenehm ist.

    Alle Spiele sind auf iOS (iPhone, iPad) und macOS verfügbar.

    Alba: A Wildlife Adventure

    App Store Entwickler

    Story: Zwei Mädchen, die auf einer mediterranen Insel Urlaub machen, dabei Tiere beobachten und so nützliche Dinge tun, wie das lokale Naturschutzgebiet restaurieren und eine Bestechungsaffäre um einen Hotel-Neubau in eben diesem Naturschutzgebiet aufdecken.

    Gameplay: Man läuft als Alba über die Insel, fotografiert Vögel mit dem Smartphone, das sie per App dann gleich noch identifiziert, sammelt Müll ein, findet einen Fuchsbau, spricht mit den Einheimischen. Ja, eher geruhsames Gameplay, aber in wundervoll eingefangener Insel-Atmosphäre und mein kleiner Spanien/Mallorca-Urlaub auf dem Handy.

    Honestly, a feel-good game about running around and doing good deeds

    https://www.albawildlife.com

    Zeit: Wenn man sich Zeit lässt, kann man ein paar Tage immer mal wieder eine neue Ecke der frei begehbaren Inselwelt aufräumen. Es gibt viele Zwischenziele (Vögel von Dreck befreien, Archeologen bei der Restauration der Burg unterstützen), mit den Einheimischen reden.

    Grindstone

    App Store

    Mein Top-Zeitfresser 2020, Monster farbsortiert in Reihe verkloppen, dabei Diamanten einsammeln, die man in der Kneipe in frische Lebensenergie, beim Schmied in Schilde und Rüstungen und im Abenteuerbedarf gegen Pfeile und Gifttränke eintauschen kann. DerHauptdarsteller hat auch ein herrlich verzweifeltes Gesicht, mit dem man sich voll identifizieren kann. Schwierigkeitsgrad steigt über die 100+ Level sanft aber spürbar an. Manchmal hilft auch einfach nur Glück.

    Reigns: Beyond

    App Store Entwickler

    In der bewährten Manier, in der man Karten links/rechts wischte, um ein Königreich zu regieren, kann man nun ein Raumschiff steuern. Die Crew ist gleichzeitig deine Band, mit der du durch’s All tourst. Der Bord-Computer ist ein bisschen paranoid, und ich bin auch nach vielen Lichtjahren nicht dahinter gekommen, wie ich diese eine Tür auf Deck A öffnen kann.

    Macht man auf einem Planeten Station, kann man dort unter Umständen einkaufen oder eine Kneipe besuchen, manchmal darf man auch einen Gig spielen. Dazu nimmt man eine zum planetaren Publikum passende Gitarre aus der Sammlung und versucht, die auf einer „Tonspur“ entlang fliegenden Herzen einzusammeln.

    Die Raumkämpfe sind hart und durch logisches Nachdenken nicht zu gewinnen, stattdessen muss man die Entscheidung wählen, die das Schiff in der Kampfanzeige in Richtung des feindlichen Raumschiffs dreht; dann hat man die Chance, ein paar Photonentorpedos auf den Reaktor der Gegner zu schießen.

    Auch eine großartige Zeitverschwendung für Zwischendurch, allerdings mit hohem Frustpotential, weil die Hinweise, wie man zu bestimmten Dingen oder Events kommt, sehr dünn gesät sind.

    Doomsday Vault

    App Store Entwickler

    Ein klassischer Puzzler mit Kistenschieben a la Sokoban, Abpassen von günstigen Gelegenheiten, nicht erschossen zu werden, Schalter hier umlegen, um dort weiterzukommen. Story: Roboter rettet aus verschiedenen Ruinenlandschaften Pflanzensamen für einen Neustart des zerstörten Planeten. Nett, aber irgendwann bin ich hängengeblieben; vermutlich ein inzwischen behobener Bug.

    Jenny LeClue – Detectivu

    App Store Entwickler

    Ein schönes, langes, altmodisches Adventure, bei dem eine junge Detektivin in der Geschichte und im Untergrund ihrer Stadt forscht und dabei ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur kommt. Fein. Gern mehr davon.

    Mutazione, eine Mutanten-Seifenoper

    App Store Entwickler

    Ein Spiel in gedeckten Farben, über eine junge Frau, die auf die Insel zurückkehrt, von der ihre Familie vor einer Katastrophe geflohen ist. Die verbliebenen Einwohner, darunter der kranke Opa der Protagonistin, sind allesamt etwas seltsam .. mutiert. Die junge Frau macht sich daran, Opa zu heilen, alte Freundschaften wiederzubeleben, indem sie Gärten anlegt/reaktiviert und wieder etwas Harmonie in die Inselgesellschaft bringt.

    Ein eher melancholischer Zeitvertreib, mit dem ich nicht gleich warm wurde, der mir aber dann doch sehr ans Herz gewachsen ist.

    Neo Cab

    App Store Entwickler

    In einer nahen Zukunft: Junge Frau fährt Taxi, unterhält sich mit ihren Fahrgästen. Super-Langweilig? Kommt darauf an, ob einen die Gespräche, die mit den Fahrgästen entstehen, interessieren …

    Cyber Space Fans sollten einen Blick riskieren.

    Tangle Tower

    App Store

    Noch ein Adventure, noch eine Detektivgeschichte, noch eine Insel? Ja, aber durch ein paar eigen(willig)e Ideen und eine sehr verdrehte Familiengeschichte, die sich in sehr verdrehter Architektur niederschlägt, eine nette „Whodunnit“-Geschichte.

    Where Cards Fall

    App Store

    Ein Puzzler mit einer innovativen Spielmechanik: Kartenhäuser.

    Nein, nicht die Sorte, die leicht zusammenfallen, da muss schon ein ordentlicher Windstoß kommen. Die Kartenhäuser hier sind ein- bis dreistöckig, mit Flach- oder Giebeldach, und eignen sich dadurch, richtig kombiniert, der Spielfigur einen Weg von Start zum Ziel ebnen.

    Das Spiel zeigt nach jedem Level eine Zwischensequenz, die traumartig die Stufen im Leben des Protagonisten widerspiegeln. Ohne Dialog, ohne Erklärung, muss man sich selbst denken, ob die Szene gerade das Ende der ersten Liebe gezeigt hat.

    Fazit

    Für einen Gelegenheitsspieler wie mich ist Apple Arcade gut angelegtes Geld. Es kommen ca. einmal im Monat ein oder zwei Spiele dazu, die man sich anschauen und entscheiden kann, ob sie einem gefallen. Es werden eigentlich alle Genres bedient, auch wenn diese persönliche Übersicht eher Adventure- und Puzzler-lastig ausgefallen ist. Die Spielideen und die grafische Umsetzung sind abwechselungsreich und gerade die etwas seltsamen Spielen erobern oft mein Herz.

  • ffr;lr

    for future reference; long reads

    20 Macs for 2020

    Six Colors hat eine für Mac-Fans lesenswerte Serie über die 20 wichtigsten Macs aller Zeiten zusammengestellt:

    With this year marking the turn of decades (in some particularly disastrous ways, as it turns out), I decided to construct a list of the 20 most notable Macs in history. Over the next 20 weeks, I’ll post essays, podcasts, and videos about each of them, counting down to number one.

    Jason Snell, 20 Macs for 2020

    Die Einführungsseite hat Links zu allen zwanzig portraitierten Macs. Unter ihnen finden sich auch umoffensichtliche Kandidaten wie der DayStar Genesis MP, der der Mac-Plattform den Umgang mit mehr als einem Prozessor beibrachte. Und der Power Mac G4 Cube, der mehr für’s Museum als für den Schreibtisch entwickelt worden war.

    Zu jedem Mac gibt es sowohl Text als auch Video, und, Nein, der Original Mac ist nicht die Nummer Eins.

    Order Without Design

    Devon Zuegel ist eigentlich bei GitHub für das Sponsoren-Programm zuständig, hat aber ein reges Interesse an Städtebau. Mit Marie-Agnes and Alain Bertaud hat sie inzwischen vier Folgen des Podcasts Order Without Design aufgenommen, mit so interessanten Themen wie der Müllentsorgung in Disneyland und ob und wie sie auf „echte“ Städte übertragbar ist. Ist auf meiner read later-Liste, denn die Podcasts sind zumindest teilweise transkribiert.

    Bisher erschienen:

    Wie man sich eine Zeitschrift hält

    Peter Thiel ist, zusammen mit den Koch Brothers und ein paar anderen Milliardären, der Bond Villain, den die USA „verdienen“.

    Peter Thiel is a billionaire serial entrepreneur, venture capitalist, and the most prominent supporter of President Trump in Silicon Valley. And in a world where money is power, Thiel is not afraid to wield his power.

    How Peter Thiel and the Stanford Review Built a Silicon Valley Empire

    In diesem Bericht geht es darum, wie Peter Thiel in seiner Studentenzeit eine Campus-Zeitung – Stanford Review – gründete und durch die Jahre (auch nach seinem Abschluss) die Kontrolle über sie behielt und dazu nutzte, ein Netzwerk aus Gleichgesinnten zu bilden.

    Ich habe es noch nicht zu Ende gelesen, daher hier keine weiteren Details. „;rl“ for a reason.

  • Richtig alte Computer

    Richtig alte Computer

    Ein Bericht von einem, der auszog, eine Mandelbrot-Menge (eine berühmte Sorte Fraktal) auf einem Computer aus den 1960er Jahren zu berechnen. Der IBM 1401 (Wikipedia) hat ein paar für uns heute überraschende Eigenschaften: Er rechnet mit Dezimalzahlen (Binare Code Digits, BCD) und arbeitet mit variabler Wortgröße (wo Computer sonst fest mit 8, 16, 32 oder 64bit-Wörtern arbeiten). Der Artikel kombiniert die tiefen technischen Einblicke mit den Mietpreisen, die IBM damals für das jeweilige Feature haben wollte 🙂

    The 1401 I used is the Sterling model which it supports arithmetic on pounds/shillings/pence, which is a surprising thing to see implemented in hardware. (Up until 1971, British currency was expressed in pounds, shillings, and pence, with 12 pence in a shilling and 20 shillings in a pound. This makes even addition complicated, as tourists often discovered.) By supporting currency arithmetic in hardware, the 1401 made code faster and simpler.

    ebd.

    12-minute Mandelbrot: fractals on a 50 year old IBM 1401 mainframe

    … und noch viele weitere tiergehende Analysen von historischen Computern, Chips und ihren Bestandteilen. Lesestoff für ein, zwei Lockdowns.

  • Tabs of Yesteryear

    Brian Eno, Top-Produzent von Musik für Flughäfen und Aufzüge1, hat ein Kästchen mit Kärtchen. Auf jedem Kärtchen ein Ratschlag, um aus einem kreativen Loch, einer Uninspiriertheit herauszufinden. Hat erstmal nichts mit Musik zu tun, ist einen Blick wert, wenn man feststeckt. Digital unter Oblique Strategie, mit so zufällig ausgespielten Perlen wie:

    • Take away the elements in order of apparent non-importance
    • You don’t have to be ashamed of using your own ideas
    • State the problem in words as clearly as possible
    • u.v.a.m.

    1 Okay, außerdem auch noch von U2, David Bowie, Talking Heads, … f*ck! there’s an own Wikipedia category for this!

    Die Configuration Complexity Clock fasst ein (vielleicht/vermutlich) nur für Programmierer nachvollziehbares Vorgehen zusammen: Eine gewisse Abneigung gegen einfache Lösungen verbunden mit dem Wunsch „es richtig zu machen“ (im Gegensatz zu „das Richtige, vom Kunden bezahlte“ zu machen). Man beginnt damit, dass ein Programm eine gewisse Konfiguration benötigt, im Beispiel einen änderbaren Umsatzsteuer-Satz. Dazu braucht man eine Konfigurationsdatei und das könnte das Ende vom Lied sein.

    Tatsächlich endet es aber öfter als einem lieb ist damit, dass die Konfiguration zu einem Programm in einer selbst-erfundenen Sprache ausartet. Und da es nun ein Programm ist, braucht es bestimmt die ein oder andere Einstellung in einer Konfigurationsdatei. Die Complexity-Clock schlägt Zwölf, das Spiel beginnt von neuem. Details im verlinkten Artikel.

    Two Hard Things in Computer Science ist eine Sammlung von Martin Fowler, die ein paar meiner Lieblingsweisheiten zur IT enthält, darunter diese hier:

    Kris Köhntopp in einem Twitter-Thread über den Alltag von uns Software-Entwickler:innen:

    There are always existing systems that do not fit exactly, but which you are dependent on.

    There is always an existing system your code has to fit into.

    Hi, I am Kris. I have been working with computers since I am 14 years old, and I am over 50 now.

    Die meisten von uns arbeiten nicht an Betriebssystemen und Compilern. Sondern an dem System, mit dem die Firma seit 15 Jahren ihr Geld verdient und an dem schon fünfzig Leute vor uns gearbeitet haben. Nix Drei-Wünsche-Fee. Software-Archäologie.

  • Timeworks Publisher 2 und die Schul-Chronik

    Ein wenig persönliche Personal Computer Archäologie: Wir schreiben das Schuljahr 1991/92, mein Gymnasium feierte sein 70jähriges Bestehen und wollte aus diesem Anlass eine Schul-Chronik herausgeben. Mein Vater, Lehrer an diesem Gymnasium, erhielt den ehrenvollen Auftrag, die Erstellung dieser Chronik zu leiten. Er stellte eine Textverarbeitungs-AG (Arbeitsgemeinschaft) aus fünf Schülern zusammen, darunter ich. 

    Die kommenden Wochen und Monate waren von sehr intensiven, arbeitsamen, chaotischen Nachmittagen im Computer-Raum der Schule geprägt. (Bis kurz davor war der Computer-Raum das schwer gehasste Sprachlabor. Dessen wertvolle Tonband-Ausstattung wurde dann eines Tages abtransportiert, ohne dass ihr irgendjemand eine (dokumentierte) Träne nachgeweint hätte.) Dieser Computer-Raum hatte (wenn Die Erinnerung™ nicht trügt) circa zwölf Rechner für die Schüler und einen für die Lehrkraft. Möglicherweise waren es 386SX Clone mit MS-DOS. Das Setup wurde komplettiert von einem HP DeskJet 500 und einem im abschließbaren Nebenraum untergebrachten Novell Netware Server.

    Ein konservatives Zwei-Spalten-Layout, durchgehende Serif, keine Tausend-Schriftarten-Happy-Hour. Anzeigen und Fotos nicht gescannt, sondern in die unter andächtiger Stille mit 300dpi ausgedruckten jetzt wirklich endgültigen Seiten geklebt.

    Während andere sich darum kümmerten, Sponsoren und Werbekunden für die Chronik zu gewinnen, treibt mein Vater eifrig Artikel von Kolleginnen und Kollegen, von den Verantwortlichen der Stadt, von den Altvorderen ein. Irgendwann kamen die ersten Rückläufer und damit die Aufgabe, aus den Texten tatsächlich ein Buch zu layouten. 

    Da Öffentlicher Dienst im Allgemeinen und Schulen im Besonderen in Deutschland ja nichts kosten dürfen, ist die Software-Ausstattung frugal. Als Textverarbeitung ist Context Pro installiert, ein Programm, das damals vermutlich eine eingeschworene Fangemeinde hatte (wohl auch den Vobis PCs beilag), aus deutschen Landen stammte und vermutlich billig (im Gegensatz zu Word oder WordPerfect) zu haben war. Damit ließen sich die Texte, wo es notwendig war, digitalisieren, will sagen abtippen, und in einem gemeinsamen Verzeichnis auf dem Netware-Server in Sicherheit bringen. (Möchte nur anmerken, dass es dem Engagement einzelner Lehrer zu verdanken war, dass die Computer einzeln und im Netz überhaupt funktionierten. Unbezahlte Mehrarbeit, gerne genommen, selten bedankt.)

    Schon damals las ich die c’t (Testbericht aus der c’t 6/1990) und konnte damit auf Papas Frage nach einem Layout-Programm den Timeworks Publisher empfehlen – von dem wir dann auch eine Lizenz beschaffen ließen. Timeworks war ein DTP-Programm auf GEM-Basis, eine frühe Alternative zu Windows. (Atarianer kennen es als Oberfläche ihres TOS.) Man brauchte kein GEM für den Publisher, der brachte eine Runtime (Laufzeit-Umgebung) gleich mit, und sah damit für ein PC-Programm ziemlich schick aus. (Screenshots von Timeworks Publisher 2 für den PC scheint es keine zu geben, aber wer danach sucht, kann sich an den Atari-Screenshots orientieren.)

    (Hier ein Bericht über die Atari-Ausgabe, die mit dem von uns benutzten PC-Produkt ziemlich übereinstimmen sollte: Timeworks Publisher 2 – DTP aus England)

    Wir Computer-Dompteure hatten eine wilde Zeit, Texte zu digitalisieren und zu redigieren (in Context), dann in den Publisher zu übernehmen und dort zu einem (recht konservativen Zwei-Spalten-) Layout zusammenzufügen. Erleichtert wurde die Arbeit dadurch, dass der Publisher als relative Neuheit für ein DTP-Programm es zuließ, die Texte direkt im Layout zu editieren, um zum Beispiel noch zwei Wörter zu kürzen, damit der Text auf den ihm zugemessenen Platz passte.

    Es hat Spaß gemacht, Timeworks DTP auszuloten. Es kostet Zeit, aber der Aufwand lohnt. Das Programm ist noch vergleichsweise leicht zu bedienen, erfordert aber schon einen gewissen Übungsaufwand. Timeworks DTP bietet viele Funktionen, die es als vollwertiges Desktop-Publishing-Programm ausweisen. Ein deutliches Manko sind in erster Linie die wenigen direkt lesbaren Fremdformate für Text- und Grafikdateien. Trotz einiger Fehler und Macken hinterläßt Timeworks DTP den Eindruck, ein praxistaugliches Programm für den allgemeinen Büroalltag zu sein.

    Fazit des c’t Testberichts „Mittelklasse – Vier Low-Cost-DTP-Programme im Vergleich“, in c’t 6/1990, S. 90ff

    Erschwert wurde die Arbeit durch selbstverständlich inkompatible Speicherung von Umlauten, d.h. jeder Text aus Context musste im Publisher nochmal mit seinen Original-Umlauten versehen werden. Ebenso war der DeskJet zwar im Netzwerk eingebunden, man konnte ihn aber durch überschneidend abgesetzte Druckaufträge mit Leichtigkeit ins Chaos stürzen. Ein Zustand, in dem er in Windeseile seine teure Tinte in großen Buchstaben auf seitenweise Papier spritzte. Bis man ihn abgeschaltet, die Druckerqueue gelöscht und alles wieder in Betrieb genommen hatte. Wir haben mehrfach zum Großen Anlagen Hauptschalter im Lehrerpult gegriffen, um Schlimmeres zu verhindern. Drucken war danach eine durch Zuruf zu koordinierende Angelegenheit. Aber da der Computer-Raum an diesen wilden Tagen uns gehörte, war das dann kein Problem. 

    HP DeskJet 500 im Festtagsmodus (300 dpi), getreulich von der Druckerei reproduziert.

    Den Widrigkeiten der mittelalterlichen IT zum Trotz, wir haben es geschafft. Vor Ende des Schuljahres waren die Druckvorlagen fertig, auf die dann an den passenden Stellen noch die Fotos eingeklebt wurden. Dann ging das ganze zur Druckerei. Nix da digitale Druckvorstufe. Als Papierhaufen. Und zu den Feierlichkeiten am Jahresende hatten wir eine feine Chronik, die unsere Schule gerne und erfolgreich an Eltern, Ehemalige und sonstige Interessierte verkaufte.

    Ein hübsches Fundstück zu Context, aus einem Bericht über die „EDV beim OLG Oldenburg„:

    Als Textverarbeitung wird im ganzen Haus – zur Verblüffung mancher Besucher – nicht ein renommiertes Programm, etwa WORD oder WORDPERFECT, eingesetzt, sondern CONTEXT 4.0, ein vom DMV-Verlag vertriebenes Programm mit ausreichend gutem Funktionsumfang, von dem eine Netzwerklizenz unter 40,- DM kostet. Es spricht vieles für eine solche Wahl. Zunächst muß man sich vor Augen halten, daß die Anforderungen an das vom Gericht produzierte Schriftgut bei Licht betrachtet doch recht bescheiden sind, so daß zahlreiche Funktionen „großer“ Programme ohnehin nie benötigt würden. Dann ist zu bedenken, daß – jedenfalls im Grundsatz – ein Programm um so schwieriger zu bedienen ist, je mehr Funktionen es enthält. Insoweit kann „small“ wirklich „beautiful“ sein. Zwar kann CONTEXT natürlich bei weitem nicht soviel, wie die genannten Spitzenprogramme, es hat aber – neben dem sehr viel niedrigeren Preis – eben den ganz großen Vorteil, äußerst leicht bedienbar und erlernbar zu sein.

    Im Norden manch Neues:
    Ein Lagebericht zur Entwicklung der EDV im OLG Oldenburg