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BitTorrent – es kommt darauf an, was man daraus macht!

(Erstveröffentlicht am 26.05.2005, durch Streaming ist der Aufhänger zwischenzeitlich ein wenig aus der Mode. Leider nicht aus der Mode ist – siehe Nachbemerkung – die Verlagerung der Verbrechensbekämpfung ins weite Vorfeld. Ich sage nur „potentieller Gefährder“ – potentiell sind wir alle gefährlich!)

Oder auch: Für die einen ist es ein Distributionskanal, für die anderen die größte Bedrohung seit 9/11.

U.S. Jacks Torrent Site

… what the government is calling the first criminal law enforcement action against BitTorrent users. […] The raids came less than a week after the Motion Picture Association of America publicly slammed BitTorrent for accelerating the spread of a pirated copy of Revenge of the Sith.

Prix Ars Electronica: Sonderpreis für BitTorrent

… Das „genial einfache Prinzip“ der Superdistribution von BitTorrent würde „Künstlern auf gemeinschaftliche Art und Weise helfen, ihre Arbeit auch weiterhin im Sinne der ‚free software‘-Idee zur Verfügung stellen zu können“.

What is BitTorrent?

BitTorrent is a free speech tool.

BitTorrent gives you the same freedom to publish previously enjoyed by only a select few with special equipment and lots of money. („Freedom of the press is limited to those who own one“ — journalist A.J. Liebling.)

What is BitTorrent? (Text von damals®, Mai 2005)

Worum es geht? Um die Freiheit, Profite zu machen (StarWars, Film- & Musikindustrie), um die Freiheit (lies: technische Möglichkeit) Kunstwerke zu verteilen (Ars Electronica), um die Freiheit (lies: ethische Möglichkeit), mit dem persönlichen Computer Dinge zu tun, die einem persönlich gefallen – auch widerrechtliche.

Die Film- & Musikindustrie ist im Augenblick der Meinung, widerrechtliches schon in den Ansätzen bekämpfen zu dürfen. Eine Art „Minority Report“ PreCrimeUnit. „Er hat ans Raubkopieren gedacht – sofort verhaften!“

Auch Windows Longhorn wird wahrscheinlich mit einer PreCrime-Funktion ausgestattet sein, die es ein für alle mal verhindert, dass der Benutzer etwas verbotenes tut

Das aber selbstverständlich nur, bis findige Leute entweder den einen Fehler in der Software-Schicht namens NGSCB (Next Generation Secure Computing Base) entdecken. Oder der Markt (das sind im Zweifel Sie, verehrter Leser!) einfach kein Longhorn kaufen, sondern bei Windows XP oder gar Windows 2000 bleiben. Oder mal Linux installieren. Oder sich einen Mac kaufen (wobei man sich beim Film-affinen Steven Jobs nicht sicher sein kann, dass er uns auch einen Kopierschutz auf’s Auge drückt).

Leider greift dieses PreCrime-Gehabe immer weiter um sich. Die Umkehr der Beweislast steht kurz bevor. „Beweisen Sie uns, dass Sie

  • nicht zu schnell gefahren sind
  • nicht die Lyrics ihrer Lieblings-CD auswendig gelernt haben(Verstoß gegen das Urheberrecht, wenn Sie den Song ohne Lizenz von der Gema unter der Dusche singen!)
  • nicht zum Randalieren auf die WM wollen (Vorbeuge-Gewahrsam gegen bekannte Fußball-Rowdies.)
  • nicht geklaut haben (Sie heben doch sicher von allem die Rechnung auf, oder?)
  • nicht den X umgebracht haben“ (Wir haben da Gene am Tatort gefunden, die den Ihren verdammt ähnlich sehen!)

Das werden lustige Zeiten!

Update 2021: Der Trend zur Verlagerung der Strafbarkeit ins Vorfeld ist leider seit 2005 ungebrochen. Nicht nur in Sachen Software-/Film-/Musik-Piraterie, sondern in eigentlich allen Grundrechts-relevanten Bereichen.

Beispielsweise diskutiert im lawblog:

Das grundsätzliche Problem ist hier die extreme Vorverlagerung der Strafbarkeit. Strafbar ist quasi schon die Vorbereitung der Vorbereitung. Deshalb steht der § 89aStGB auch auch bei Kritikern im Geruch der Verfassungswidrigkeit. Der Bundesgerichtshof sieht dies jedoch – zumindest bislang – anders.

Vorbereitung der Vorbereitung (lawblog.de, André Bohn)
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Focus!

(Erstveröffentlicht am 16.04.2005, immer noch aktuell, spätestens, wenn man es auf die „Ich will Cookie setzen“, „Ich will dich für den Newsletter werben“, „Ich will Notifications anzeigen“-Orgie beim Besuch ordinärer WebSites bezieht.)

Focus ist der Computer-Ausdruck für das Ding auf dem Bildschirm (Dialogbox, Document, …), das gerade das Getippe dessen abbekommt, der vor dem Computer sitzt. Einige Betriebssysteme „klauen“ der Anwendung, mit der der Anwender gerade arbeitet, auf regelmäßiger Basis diesen Fokus, um irgendwelche lästigen Nachfragen einzublenden. Das AskTog Bug House hat diese Verachtung des Anwenders in die Liste der 10 Most Persistent Design Bugs aufgenommen.

This has happened to me in several areas, including email notification dialogs. My (least) favorite involves downloading a large file over a dialup connection using Internet Explorer. The download might take 30 minutes, so I tend to work on other things while I wait. When the download has completed, Windows pops up a dialog to show you that it is copying the downloaded file from some temporary area to the location where you wanted it. (Why doesn’t it download the file there directly?) It helpfully has a Cancel button available (because after waiting 30 minutes for the download, you might very well not want to wait the 10 seconds it would take to copy the file from one place to another). Keyboard focus has been yanked from what I was doing to this dialog box, where anyone without very quick reflexes can accidentally hit the space bar and select Cancel. How nice.

10 Most Persistent Design Bugs, Bug 10: Focus-stealing

Unter Windows ist das ein sehr verbreitetes Phänomen – für mich ein Hinweis darauf, dass die Designer von Windows und vielen Applikationen keinen Respekt vor dem haben, was der Anwender mit ihren Anwendungen tut, arbeitet, kreiert. Wer will schon gerne beim Finden einer griffigen Formulierung unterbrochen werden?

Als frischer Mac-Konvertit ist mir erst kürzlich aufgefallen, dass ich am Mac entspannter arbeite, eben weil nicht dauernd jemand nach Aufmerksamkeit brüllt! Zum Beispiel lief, während ich den Artikel las und diesen Blog-Eintrag vorbereitet habe, die Systemaktualisierung für Mac OS X 10.3.9. Als sie fertig war, hat sich – obwohl der Mac dringend neu gestartet werden will! (sagt er) – keine Dialogbox in den Vordergrund gedrängt, stattdessen hüpfte das Icon der Software-Aktualisierung kurz. Das ist an der Grenze des Erlaubten. Ich weiß so, dass etwas anliegt, aber ich kann immerhin meinen Blog-Eintrag zu Ende schreiben und mich dann darum kümmern, wenn es mir in den Kram passt!

Und auch die Bugs 1 bis 9 sind natürlich vollkommen zurecht auf der Liste und sollten dringend behoben werden!

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digital musik

Kurz-Kritik: Apple HomePod mini

Q: Warum „Kurz“?

A: Weil Gscheitere schon gscheiteres dazu geschrieben haben. Weil ich sie erst kurz im Einsatz habe. Weil ich noch nicht ansatzweise alles ausprobiert habe.

Q: Und was für „Kritik“?

A: Öhm, keine? Ich habe mir ein Stereopaar angeschafft, die jetzt rechts und links hinten auf dem Bürotisch stehen und mit diesem durch den Raum fluktuieren. (Ja, ich schieb den mal so, mal so.)

Ich habe im Büro einen Sonos Play:1, der kommt aber eben aus einer Richtung, meistens von rechts, und das stört mich bei längerem Hören. Mit den HomePods sitze ich immer direkt in der Mitte der Stereo-Basis und kriege sehr gut die Enge oder Weite eines Mixes mit.

Der Play:1 darf damit weiterziehen, denn auch klanglich bin ich mit den minis sehr zufrieden. Meine Frau beschrieb den Klang als samtig, und dem kann ich beipflichten. Sind Ohrschmeichler, die Kleinen.

Q: Ist das das Ende von Sonos?

A: Glaub ich noch nicht. Im Büro ja. Aber für „Party-Modus“ (gleicher Song im ganzen Haus) oder einen Song (zusammen mit dem Aufwachenden) von Bett an Bad weitergeben, braucht’s weiterhin einen Sonos. Ich brauche keinen Assistenten in den Wohnräumen, daher sind mir die Play:1 da ganz recht. Der Büro-Sonos darf jetzt entweder einen der anderen zu einem Stereopaar ausbauen oder ins Kinderzimmer, dann in ein eigenes Netz, damit Juniors Musikgeschmack in seinem Zimmer bleibt 🙂

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Reste von der Leseliste

Vor Zeiten gab es in vielen Blogs eine sogenannte Blog-Roll, eine Liste von Blogs, die die Autor*in des Blogs regelmäßig laß oder zumindest ihren Leser*innen zur Lektüre empfahl. Auch mein Blog hatte so eine Roll, wie ich gestern beim Durchforsten der „Dokumente“-Ordners feststellte. Viel ist davon nicht geblieben, aber ein paar alte Bekannte gibt es doch noch, die ich hier gerne wiederentdecke.

Waiter Rant

Waiter Rant war damals Kellner, hat köstliche Kurzgeschichten über die Restaurant-Gäste geschrieben, die er bedient hat. Hat daraus sogar ein Buch gemacht und seine 15 Minuten Internet-Berühmtheit genossen. Er schreibt immer noch unter waiterrant.net, und auch wenn es jetzt eher um seine Familie und seinen neuen Beruf geht, haben seine Berichte aus dem Alltag für mich nichts von ihrem Charme eingebüßt.

DigiBarn

Ein Museum für Computer, eine Fundgrube für die Erforschung des digitalen Mittelalters und der frühen Neuzeit. Nur knapp den kalifornischen Wildfires entkommen, wie ich erschrocken auf der WebSite lesen musste.

The Mothership

Auch immer noch online und eine hilfreiche Ressource für alle, die alte Macs zu ihren Hobbies gemacht haben, ist das Mutterschiff. Hier gibt es Software zum Download für die alten System 7 und früher-Macs und sogar noch für die Lisa.

GUIdebook

Eine weitere Seite für Historiker, das GUIdebook, das die Entwicklung der modernen grafischen Benutzeroberflächen dokumentiert. Bevor es modern wurde, auf Bildschirmen herumzutouchen!

Darunter auch eine unglaublich detaillierte Aufbereitung des Apple Lisa, mit kommentierten Screenshots und Interviews der Projektleiter (u.a Larry Tesler) etc.

Ist Ihr Chef ein Psychopath?

Unter dieser Überschrift verlinkte ich 2005 einen Artikel aus FastCompany. Fast erwartete ich, auch diesen Link abschreiben zu müssen, aber nein, FastCompany gibt es noch und den Artikel unter dieser URL auch noch. Erstaunlich!

[…] Then Hare came out with a startling proposal. He said that the recent corporate scandals could have been prevented if CEOs were screened for psychopathic behavior. „Why wouldn’t we want to screen them?“ he asked. „We screen police officers, teachers. Why not people who are going to handle billions of dollars?“[…]
[…] „I always said that if I wasn’t studying psychopaths in prison, I’d do it at the stock exchange.“
[…] Psychopaths succeed in conventional society in large measure because few of us grasp that they are fundamentally different from ourselves. We assume that they, too, care about other people’s feelings. This makes it easier for them to „play“ us. Although they lack empathy, they develop an actor’s expertise in evoking ours. While they don’t care about us, „they have an element of emotional intelligence, of being able to see our emotions very clearly and manipulate them,“ says Michael Maccoby, a psychotherapist who has consulted for major corporations.

Is Your Boss a Psychopath? FastCompany

Und nachdem wir Trumpism Ep. 1 knapp überlebt haben, kann ich nur sagen, dass ich das weiterhin für eine gute Idee halte.

Honorable Mentions

Von der BlogRoll aktuell weiterhin im Netz die altgedienten Recken:

  • Tim Bray (inzwischen pensioniert, Einsichten in Boote und elektrische Jaguars)
  • BILDblog (leider immer noch notwendig)
  • lawblog (Anwalt Udo Vetter aus Düsseldorf)
  • vowe.net (Volker Weber, weiterhin unersetzlicher Produkttester und Empfehler, demnächst vermutlich mit vielen Tipps zu WordPress)

Weiter so!

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Tabs of YesterQuarter

Da lese ich interessante Dinge auf dem iPhone beim Warten in der Arztpraxis, während die Software neu übersetzt wird oder (ja, Sie denn nicht?) auf dem Klo. Und dann lasse ich das Tab offen, weil ich es wiederfinden will – auf dem Smartphone sammeln sich meanwhile offene Tabs. Hiermit werden aus offenen Tabs Blog-Einträge:

Die Anteile der Länder an der Oberfläche der Erde, oder im Original: Visualizing Countries by Share of Earth’s Surface, ein Kreisdiagramm, das mal wieder schon vor Augen führt, dass wir auf einem Wasserplaneten leben. Unter diesen Umständen halte ich die evolutionäre Einsparung der Kiemen für einen Fehler 🙂

Kam bestimmt über kottke.org, bei dem es eigentlich jeden Tag etwas wundervolles zu entdecken gibt.

Das Leben von Josephine Baker als graphic novel: Josephine Baker by Catel and Bocquet – a triumph of research and astounding detail
Eine Buchvorstellung, die einen Überblick über das reichhaltige Leben der Sängerin, Schauspielerin und Spionin (diese Aufzählung ist unvollständig).

But also a woman whose wisdom and determination burst the seams of US racial segregation, whose rise to the heights of stardom in France and indeed worldwide (she was the first black actor to star in an international movie) directly challenged the institutionalised racism of her home nation.

Josephine Baker …

Links zum Einkauf dieses Werks gibt es bei der Rezension, weitere Werke in dieser Art gibt es bei selfmadehero.com.

Eine Programmiersprache, so alt und stabil wie römische Aquädukte: Why COBOL will never die. Die Common Business-Oriented Language gibt es schon 1969 und liegt unserem internationalen Zahlungsverkehr genauso zu Grunde wie dem internationalen Flugverkehr und ziemlich vielen Lohn-, Gehalts- und Rentenabrechnungen.

This turns the new-new-thing hype of Silicon Valley on its head, of course. It’s a sector obsessed with the hottest, latest thing — but as any programmer can tell you, the hottest, latest thing that just got shipped at 2 am is gonna be a rickety kluge of buggy code. That old COBOL, though? In service since the days of early MTV? It’s tough as old boots.

Why COBOL will never die

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Die Zähen Zwanziger

Oh nein, nicht diese 2020er, sondern die Tage zwischen dem 20. und 30. Spieltag bei Cozy Grove, dem Spiel, das ein gespenstischer Widergänger von Animal Crossing ist.

Tag 25, die Tiere sind hungrig, und bis auf den rechts unten gezeigten Salat, für den man die Unmenge von zehn Zwiebeln braucht, ist das auch alles machbar.

Um den Tag 20 herum waren es langwierige Quests, bei denen die Ressourcen über mehrere Tage gesammelt werden mussten. Aber da kommt man ja absehbar zum Ziel, kann es beeinflussen, indem man Nussbäume pflanzt und Tiere großzieht.

Jetzt laufen bei mir seit Tagen aber Quests, die darauf beruhen, dass die Geistfinderin anderen Bärengeistern hilft, und zwar bei einer unbestimmten Anzahl von Aufgaben:

Um das Foto zu bekommen, muss ich Arjun Bhalla helfen, …
… um das Schnitzwerkzeug für Francesca von Tatz zu erhalten, soll ich Jeremy Stoffel helfen …
… und um die Scuba-Ausrüstung für Octavia Bärchin auszulösen, soll ich dem Maister helfen, möglicherweise mehrmals.

Fast die Hälfte meiner Bärchen sind damit für Quests, die die Geschichte voranbringen, blockiert. Und so gehen die Tage ins Land (über die Insel), an denen ich zum x-ten Mal Pakete aus Laubhaufen berge, Bär Bhallas Schraubenschlüssel zurückbringe und der Bürgermeisterin mal wieder Kaffee hole.

Gut, nebenher habe ich die Fischgründe geplündert, die Fische verbrannt und in Vogelscheuchen verwandelt (eines der berühmten Vier-Fischgräten-Rezepte für insulären Reichtum) und mit dem verdienten Geld Mr. Kit eine Luxussanierung seines Ladens finanziert und mir ein sehr komfortables Zelt gegönnt.

Außerdem habe ich inzwischen die Profi-Wünschelrute, die bis zu zweimal am Tag ein Relikt aufspürt. Bei zwei Relikten entscheide ich mich meistens, das eine Relikt einzuäschern und das andere zu spenden.

Hier gibt es keinen Hinweis auf eine Spende, d.h. feinstes Flammi-Futter.
Hier lohnt die Spende, es gibt Geld und fast-wertvolle Quartzsteine. Also ab zum Käpt’n damit.

Davon abgesehen macht es immer noch Spaß, morgens nach dem Frühstück die Bärengeister nach dem werten Befinden zu fragen, bei der Bäckerei das Futter für die Tiere in Auftrag zu geben und das Gemüse aus dem Boden zu buddeln.

Falls es im Laufe des Tages mal langweilig wird, lohnt sich auch eine Runde um die Insel herum. Angel ins Meer, frische Fische fangen, sehr entsspannend.

Was ich hier auch hervorheben möchte: Die Diskussionen mit anderen Spieler*innen auf dem Discord-Server zum Spiel sind wirklich nett. Inzwischen gibt es einen slow chat, bei dem cold brew coffee und Brotrezepte ausgetauscht werden, sehr sympathisch.

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digital games

Cozy Grove, zäh

Die letzten Tage im Geisterfinder-Camp auf Cozy Grove Island waren recht erbaulich, die meisten Quests innerhalb eines Tages (oder direkt aus dem Inventar) erledigt.

Doch jetzt stecke ich in drei Quests, die wenig Aussicht haben, in den nächsten Tagen gelöst zu werden. Die eine braucht Reliktasche (Archäologen & Kunsthistoriker hören, wie gesagt, weg), von der es am Tag ein, höchstens zwei zu wünschelruten gibt.

Quest 1: Wünschelruten-Upgrade gibt’s nur gegen Asche, Reliktasche in dem Fall.

Die andere braucht Gold; und einen Stein, der Golderz ausspu(c)kt, habe ich noch nicht gefunden. Und 50 Silber zu einem Gold konvertieren scheitert, genau, an genug Silber. Hm.

Quest 2: Die meisterliche Schaufel muss aus irgendeinem Grund vergoldet werden, zu fürstlichen Kosten.

Tja, und die dritte Quest erledigt sich automatisch mit der ersten, also dem Wünschelruten-Upgrade.

Quest 3: Schnitzwerkzeug als Belohnung für den Auftrag zum Wunschelruten-Upgrade. Nein, das ist keine Korruption, das ist das Payback-Programm des lokalen Handwerks.

Das Spiel, das dich wegschickt, bleibt seinem Design als Geduldsspiel also weiter treu. Immerhin habe ich heute eine neue Muschelart und ich meine auch einen neuen Fisch gefunden. Und den Tieren geht’s allen gut.

Schätze, ich setze mich jetzt an den Strand und höre den Wellen zu.

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Sarah Dahir

Sarah works as a freelance illustrator in South Africa. She draws from the world around her to draw fashionable and relatable images of young black women in a variety of familiar settings:hanging out on the beach, sharing a glass of wine with friends or just being themselves. 

https://casildart.com/sarah-dahir

Gefunden im Missy Magazin, das ein Interview mit ihr geführt hat. In dem sagt Sarah Dahir über ihre Motive:

Es macht am meisten Sinn für mich, Frauen zu zeichnen, die so aussehen wie meine Schwestern, Freund*innen und ich. Meine Bilder zeigen Schwarze Frauen, die normale Dinge tun, sorglos sind, picknicken, mit ihren Freund*innen ausgehen.

Sarah Dahir (Missy Magazin, Interview)
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Cozy Grove, Tag 8

Nachdem es gestern ja Nacht war und das Tagwerk erledigt, werfe ich heute einen Blick auf die Relikte und die Wirtschaft.

Relikte

Relikte kamen dazu, indem der Handwerker mir eine Wünschelrute in die Hand drückte. Die findet kein Wasser, sondern vergrabene Artefakte – nach dem guten alten Kinderspiel-Schema „kälter, wärmer, heiß“.

Über dem Geistheiler (bleiben wir mal bei diesem Begriff) ist das Icon der Wünschelrute (ähnlich wie beim Angeln). Wir sind hier am Ende der Suche, die Flamme der Wünschelrute sagt „heiß“ und die Stelle, an der das Artefakt vergraben ist, ist praktischweise mit einem X markiert. Wie bei der Schatzkarte der Piraten 🙂

Die gefundenen Relikte (aber nur eines pro Tag, die Spiel-Designer rationieren, wo sie können) sind natürlich erst mal ein Kandidat für die Sammlung des Kapitäns. Dann gibt es Rezepte bzw. Bauanleitungen, die – Kunsthistoriker weghören – Reliktasche benötigen. Ja, Flammi ist dein Bruder, der sengt auch uralte Kunstwerke weg.

Wirtschaft

Gestern hatten wir über Tik, den Marktfuchs, gesprochen, der dankbar alles aufkauft, was man von Muschel bis Kuchen entbehren kann (bzw. wegen der begrenzten Lagermöglichkeiten: entbehren muss). Heute ist mir dann aufgefallen, dass der Markt verzerrt ist: Manche Produkte, die mehrere Verarbeitungsschritte (10:1 Konversionen) erfordern, sind in der dritten Stufe weniger wert als 10 Produkte der Vorstufe, zumindest bei Tofu und der leckeren Würzsauce, die man aus zehn Tofus macht.

Hier haben wir leckeres Pilztofu, für das der Fuchs 2.880 Alte Münzen rausrückt. Macht mal zehn 28.800 Alte Münzen.

Und hier haben wir das sicher noch leckerere Pilztamari, für das ich zehn Tofus geopfert habe, für einen Erlös von 12.000 Alten Münzen. Hätte ich das Tofu verkauft, wären 16.800 mehr drin gewesen.

Eine andere Seltsamkeit ist, dass Bestellungen in der Bäckerei (liegt direkt neben meinem Lager) und der Deko-Bürgermeisterin über den Postbärgeist zugestellt werden. Also um 08:00 Uhr beim Bäcker Mehl abliefern und um 09:00 Uhr zur Post rennen, um die Wecken abzuholen … Hm?

Wenn’s mal wieder länger dauert mit der Bestellung, liegt es sicher nicht an DHL, die liefern auf der Geisterebene nämlich nicht.

Zum Schluss hier noch ein Bild von einem jener Laubhaufen, die bei der Morgenrunde gefunden und nach brauchbaren Dingen durchstöbert werden wollen.

Ja, der Laubhaufen ist offensichtlich bewohnt, aber keine Angst, er beißt (noch ) nicht.
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Noch ’ne Insel, mit Geistern

Irgendwie haben die Entwickler, die sich von Apple Arcade engagieren lassen, es mit Insel-Abenteuern. In der neuen Veröffentlichung Cozy Grove landet ein junger Geisterforscher auf eine Insel voller, tja, Geister. Die Flut nimmt sein Boot mit, und so arrangiert er sich mit dem Inselleben, in allen Belangen unterstützt von seinem magischen Feuer Flammi, mit dem nicht zu stillenden Hunger auf Geistholz.

Ein inniger Moment mit einem meiner Geistvögel. Im Hintergrund Flammi, der Verwalter des Lagers, Verbrenner aller Dinge, immer hungriger Verzehrer von Geistholz.

Woher bekommt der junge Mann Geistholz? Indem er den Geistern der Insel hilft: Der Kapitänsgeist braucht Federn, damit der kalte Wind an der Küste nicht durch ihn durchweht. Der Postbotengeist hat Pakete, der Bürgermeister die Anmeldeformulare für den jungen Geisterforscher verlegt, der Bäckergeist braucht Zutaten für seine neueste Kreation. Genug zu tun?

Ja, aber immer nur ein bisschen. Das Spiel gibt pro Tag (echten 24h) nur eine begrenzte Anzahl Aufgaben aus, und die kann man nicht mal unbedingt noch am gleichen Tag erledigen. Ich habe zum Beispiel ein Kochrezept vom Kapitän bekommen, das zehn Eier benötigt. Aber Eier habe ich bisher nur einzeln vom Marktfuchsgeist oder von einem meiner Vogelgeister bekommen. Zehn Eier zu sammeln, wird ein paar Tage Zeit brauchen.

Beim Angeln. Mit der Route ausholen legt Richtung und Weite des Wurfs fest. Fische in der Nähe werden auf den Köder aufmerksam, beginnen an ihm zu knabbern. Irgendwann (je nach Sorte nach eher zwei oder auch mal fünf Bissen) schlucken sie den Haken. Dann geschwind auf den Screen getippt und der Fisch ist mein.

Die Geister ahnen, dass sie in ihrem Vorleben irgendeinen Fehler gemacht haben, der sie nun auf diese Insel bindet. Der Handwerksgeist glaubt, dass eines seiner Werke misslungen ist, und versucht nun, alle zu vernichten. Es ist die Aufgabe des jungen, nun ja: Geistheilers, die Geschichten dieser Geister nachzuvollziehen und – ich vermute mal – zu einem guten Ende zu bringen.

Aber was bleibt zu tun, wenn alle Tagesaufgaben erfüllt sind? Das Spiel zumachen und morgen wiederkommen? Bei aller digital-pädagogischen Absicht, ihr Spieleentwickler: Wenn ihr mir so eine schöne handgemalte Insel hinstellt, bleibe ich dort l-ä-n-g-e-r, ob ihr wollt oder nicht. Es gibt ja genug Zeitvertreib: am Strand Muscheln suchen, vom Ufer aus Fische fangen (der Kapitän brachte mir das Angeln bei). Und es tun sich Löcher im Boden auf, die aufgegraben werden wollen, Laubhaufen erscheinen, die durchsucht werden wollen, es wächst Unkraut, das zurückgeschnitten werden will.

Neben richtigen Geistern bevölkern auch mehrere Rudel Wichte die Insel. Sie werden unsichtbar, wenn man ihnen zu nahe kommt. Manchmal klauen sie auch wichtige Dokumente, dann renn ich ihnen hinterher, bis ich sie in die Enge getrieben habe und sie das Schriftstück herausrücken. Manchmal treffe ich auch einen Wicht, der Lust auf eine Kartoffel oder einen Rettich hat. Werfe ich ihn das Gewünschte zu, bedankt er sich mit Wicht-Essenz oder anderen praktischen Dingen (z.B. Geld).

Und dann haben wir noch gar nicht angefangen, die Insel zu dekorieren. Dekoration ist ein wesentlicher Einfluss auf das Wirtschaftssystem der Insel, das auf in eben diesen Erdlöchern und Laubhaufen gefundenen Pilzen und Wurzelgemüsen, den Muscheln und Fischen, den Eiern und den daraus gebackenen Speisen besteht.

Aus zehn Pilzen werden dank Flammi geröstete Pilze, aus denen ein Stück Soja, zehn Stück Soja werden eine leckere Sauce, die beim Marktfuchs bestimmt eine große Menge Alte Münzen erlöst. Äste und Holzstücke werden vom Handwerksgeist zusammen mit Fischgräten zu Dekorationsgegenständen verbastelt. Die richtige Dekoration (von gewöhnlich und rustikal bis selten und natürlich) steigert die Laune der Tiere und den Ertrag der Nuss- und Obstbäume.

Der Kapitänsgeist (plus zwei Wichtel) träumt vermutlich von dem süßen Stückchen, das ich ihm herstellen soll (siehe rechts oben, unter dem Aufgabenbuch). Links oben, die Tasche, stellt mein Inventar dar. Mit 27 Plätzen recht knapp bemessen, denn drei nehmen schon Schaufel, Hacke und Machete ein, plus die Angel und die Wünschelrute, die heute das erste Mal zum Einsatz kam. Weiteren raren Lagerplatz gibt es im Zelt.

Und dann führt der Kapitän auch noch ein Sammelalbum. Von allem, was der Junge findet, bäckt, schraubt und angelt, liefert er ein Exemplar für die Sammlung ab und bekommt dafür Geld und andere nützliche Dinge. Kurzum, es gibt immer was zu tun, auch wenn die Tagesaufgaben schon lange erfüllt sind.

Ich bin gespannt, wie das Spiel sich weiterentwickelt. Es kommen fast täglich neue Geister oder neue Inselabschnitte (tauchen aus dem Meer auf) hinzu. Ob es für die Langzeit-Motivation ausreicht oder mir das Hin- und Hergewusel zwischen den Geistern, den Bäumen, Sträuchern, Fischen und Muscheln und natürlich Flammi irgendwann zu blöd wird, erfahren Sie in einem der nächsten Artikel dieser exklusiven Publikation.