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Wider

„Das geht euch einen Scheiß an!“

Jede*r Bürger*in zu einem Staat, der seine Nase in alles mögliche reinstecken möchte.

Es gibt ja gute Gründe, sein Online-Leben bei einem der großen Anbieter wie Google oder Microsoft einzurichten: Zur Mail gesellt das Office, alle Dokumente schweben in der Wolke, ein neues Gerät ist im Handumdrehen eingerichtet, und neben den Marketeers der Unternehmen haben auch die Geheimdienste Ihres Vertrauens vollen Einblick in die Lebensgewohnheiten.

Zu diesem praktischen Für stellt sich für Aktivisten aller Art ein Wider, das sich natürlich aus dem o.a. letzten Satz ergibt. Daher hier ein kleiner Überblick über ausgesprochen unkommerzielle Dienste, die sich in erster Linie oder besonders an besagte Aktivisten wenden.

Autistici/Inventati

(…) wurde im März 2001 von einer Gemeinschaft aus Individuen und Kollektiven gegründet, die sich mit Technologie, Privatsphäre, digitalen Rechten und Politik beschäftigt.

autistici.org

Autistici bietet gegen Spende Blogs (WordPress), Web-Hosting, Anonymisierungsdienste, VPN, E-Mail, Mailing-Listen und Newsletter, sowie Instant Messaging/Chat an, sofern die „Grundprinzipien des Antifaschismus, Antirassismus, Antisexismus, Antimilitarismus und den nicht-kommerziellen Ansatz“ (Quelle) geteilt werden.

systemli.org

systemli.org ist ein 2003 gegründetes linkes Netzwerk und Technik-Kollektiv. Wir haben den Anspruch, sichere und vertrauenswürdige Kommunikationsdienste bereitzustellen. Das Projekt richtet sich insbesondere an linkspolitische Aktivist*innen und Menschen, die ein besonderes Datenschutzbedürfnis haben.

systemli – Über uns

Das Diensteangebot geht über das von autistici hinaus, hier werden auch Online Collaboration Tools wie EtherPad und EtherCalc (gemeinsam und gleichzeitig Texte und Tabellen bearbeiten) angeboten, Videokonferenzen über Jitsi, sowie verschiedene Messenger. Die Dienste sind auch aus dem TOR/Onion-Netzwerk (vulgo DarkNet) erreichbar.

Tutanota

In Zukunft wird Tutanota unser Ersatz für Google – mit E-MailKalender, Notizen, Cloud-Speicher; alles automatisch verschlüsselt! 

Mach mit! – Tutanota

Tutanota bietet verschlüsselte E-Mail an und möchte sein Angebot auf verschlüsselte Kalender und eine Cloud-Lösung ausdehnen, um dem Basis-Angebot von Google etc. etwas entgegenzusetzen. Für Privatanwender mit 1 GB Platz aktuell kostenlos, scheint mir aber insgesamt kommerzieller aufgestellt als die beiden erstgenannten „Community“-Projekte.

Und selbst, so?

Mein öffentliches Engagement ist eher unpolitisch (falls es unpolitisch heute überhaupt noch gibt), aber wie man hier ja rauslesen mag, habe ich gewisse Grundhaltungen. Daher (fast) kein Facebook (und danach gründlich Hände und Augen desinfizieren) oder Google, sondern die Mail bei mailbox.org (posteo.de geht genauso), statt WhatsApp werden Familie und Freunde gegen abnehmenden Widerstand zu Signal gedrängt. Browser der Wahl Safari mit Firefox und Edge (ja, der Chrome von Microsoft) als zweite und dritte Wahl.

Überhaupt, Google! Ich hatte mal Mail, Reader, Soziales Netzwerk (Google+, falls sich noch wer erinnert), Fotos bei Google. Inzwischen nicht mal mehr ein Youtube Login. Hat sich fast von selbst ergeben, weil sie alles, was ich mochte, eingestellt haben. Tja!

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Sponsoring

Eine Monetarisierung findet nicht statt, habe ich mal geschrieben, erstens, weil das hier zu selten (und dann stoßweise, wer tut so was?!) erscheint, zweitens, weil ich keine Lust habe, die zwei, drei Leute, die hier zufällig vorbeischauen, gleich an den nächsten Internet-Riesen zu verraten und verkaufen.

Andere Leute leben davon, dass sie schöne⇿schreckliche Dinge finden & forschen und ins Internet schreiben. Cartoons malen. Musik machen. Sie brauchten und brauchen unsere Unterstützung, damit sie nicht ihre Kunst aufgeben und sich eine (buuh!) Anständige Arbeit™ suchen müssen. Daher hier kurz, wen ich letztes Jahr so unterstützt habe (alles Kleinvieh, macht aber hoffentlich über alle doch Mist):

  • $5 / month an The Online Photographer (Mike Johnston), meine Lieblings-Website über alles, was mit Photographie⇿Fotografie zu tun hat. (Patreon)
  • $5 / month an Zach Morrison für seine geisterhafte graphic novel Paranatural (Patreon)
  • $1 / month an Tatsuya Ishida für seine woke Comic-Serie Sinfest (Patreon)
  • $2 / month an Nadja Hermann für ihre notwendigen Debattenbeiträge getarnt als „hässliche, linksgrünversiffte Paint-Comics“ auf Twitter unter @erzahlmirnix (Patreon)
  • €36 / Jahr 1. für den Ehrentitel Lemming und 2. für Joscha Sauer, der erfreulicherweise wieder frische nichtlustig Comics macht. (steadyhq)

Daneben noch einmalige Spenden an

  • Internet Archive, weil wir ohne Archive halbblind durch die Gegend laufen surfen.
  • Samara Ginsberg, die mit ihren Cello-Arrangements von Film- und Serien-Titelmelodien das dumme Corona-Jahr entscheidend erträglicher gemacht hat. (Twitter, Youtube siehe unten) (Ko-Fi)
  • George Nachman für den schönen und funktionsreichen macOS Terminal-Ersatz iTerm2 (Donate)
  • … und ein paar Euro/Dollar an den/die Entwickler:innen, wann immer ich beim Einsatz eines freien Tools daran dachte, wie viel leichter es mein Leben/meine Arbeit macht.
Sehet, welchen Kult Samara Ginsberg aus 80er Trash-Serien macht!
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digital games

In den Apfel-Arkaden

Ein Jahr mit Apple Arcade.

… what you paid for?

Apple Arcade ist ein Abonnement-Angebot, das Apple Ende 2019 gestartet hat. Die Spiele kommen von bekannten Studios und auch von unabhängigen Entwicklern (Indipendents). Dementsprechend variieren Themen und auch die Qualität. Definitiv gibt es bei Apple Arcade Spiele, die man sonst eher nicht findet, Ideen, die vielleicht aus Hackathons entstanden sind und hier die Gelegenheit zum Ausreifen bekommen haben.

Was Apple Arcade nicht hat sind In-App-Käufe, das heißt, alle nervige Spielmechanik, die einem zum Kauf von irgendwas nötigen soll, fällt gleich mal weg, was sehr angenehm ist.

Alle Spiele sind auf iOS (iPhone, iPad) und macOS verfügbar.

Alba: A Wildlife Adventure

App Store Entwickler

Story: Zwei Mädchen, die auf einer mediterranen Insel Urlaub machen, dabei Tiere beobachten und so nützliche Dinge tun, wie das lokale Naturschutzgebiet restaurieren und eine Bestechungsaffäre um einen Hotel-Neubau in eben diesem Naturschutzgebiet aufdecken.

Gameplay: Man läuft als Alba über die Insel, fotografiert Vögel mit dem Smartphone, das sie per App dann gleich noch identifiziert, sammelt Müll ein, findet einen Fuchsbau, spricht mit den Einheimischen. Ja, eher geruhsames Gameplay, aber in wundervoll eingefangener Insel-Atmosphäre und mein kleiner Spanien/Mallorca-Urlaub auf dem Handy.

Honestly, a feel-good game about running around and doing good deeds

https://www.albawildlife.com

Zeit: Wenn man sich Zeit lässt, kann man ein paar Tage immer mal wieder eine neue Ecke der frei begehbaren Inselwelt aufräumen. Es gibt viele Zwischenziele (Vögel von Dreck befreien, Archeologen bei der Restauration der Burg unterstützen), mit den Einheimischen reden.

Grindstone

App Store

Mein Top-Zeitfresser 2020, Monster farbsortiert in Reihe verkloppen, dabei Diamanten einsammeln, die man in der Kneipe in frische Lebensenergie, beim Schmied in Schilde und Rüstungen und im Abenteuerbedarf gegen Pfeile und Gifttränke eintauschen kann. DerHauptdarsteller hat auch ein herrlich verzweifeltes Gesicht, mit dem man sich voll identifizieren kann. Schwierigkeitsgrad steigt über die 100+ Level sanft aber spürbar an. Manchmal hilft auch einfach nur Glück.

Reigns: Beyond

App Store Entwickler

In der bewährten Manier, in der man Karten links/rechts wischte, um ein Königreich zu regieren, kann man nun ein Raumschiff steuern. Die Crew ist gleichzeitig deine Band, mit der du durch’s All tourst. Der Bord-Computer ist ein bisschen paranoid, und ich bin auch nach vielen Lichtjahren nicht dahinter gekommen, wie ich diese eine Tür auf Deck A öffnen kann.

Macht man auf einem Planeten Station, kann man dort unter Umständen einkaufen oder eine Kneipe besuchen, manchmal darf man auch einen Gig spielen. Dazu nimmt man eine zum planetaren Publikum passende Gitarre aus der Sammlung und versucht, die auf einer „Tonspur“ entlang fliegenden Herzen einzusammeln.

Die Raumkämpfe sind hart und durch logisches Nachdenken nicht zu gewinnen, stattdessen muss man die Entscheidung wählen, die das Schiff in der Kampfanzeige in Richtung des feindlichen Raumschiffs dreht; dann hat man die Chance, ein paar Photonentorpedos auf den Reaktor der Gegner zu schießen.

Auch eine großartige Zeitverschwendung für Zwischendurch, allerdings mit hohem Frustpotential, weil die Hinweise, wie man zu bestimmten Dingen oder Events kommt, sehr dünn gesät sind.

Doomsday Vault

App Store Entwickler

Ein klassischer Puzzler mit Kistenschieben a la Sokoban, Abpassen von günstigen Gelegenheiten, nicht erschossen zu werden, Schalter hier umlegen, um dort weiterzukommen. Story: Roboter rettet aus verschiedenen Ruinenlandschaften Pflanzensamen für einen Neustart des zerstörten Planeten. Nett, aber irgendwann bin ich hängengeblieben; vermutlich ein inzwischen behobener Bug.

Jenny LeClue – Detectivu

App Store Entwickler

Ein schönes, langes, altmodisches Adventure, bei dem eine junge Detektivin in der Geschichte und im Untergrund ihrer Stadt forscht und dabei ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur kommt. Fein. Gern mehr davon.

Mutazione, eine Mutanten-Seifenoper

App Store Entwickler

Ein Spiel in gedeckten Farben, über eine junge Frau, die auf die Insel zurückkehrt, von der ihre Familie vor einer Katastrophe geflohen ist. Die verbliebenen Einwohner, darunter der kranke Opa der Protagonistin, sind allesamt etwas seltsam .. mutiert. Die junge Frau macht sich daran, Opa zu heilen, alte Freundschaften wiederzubeleben, indem sie Gärten anlegt/reaktiviert und wieder etwas Harmonie in die Inselgesellschaft bringt.

Ein eher melancholischer Zeitvertreib, mit dem ich nicht gleich warm wurde, der mir aber dann doch sehr ans Herz gewachsen ist.

Neo Cab

App Store Entwickler

In einer nahen Zukunft: Junge Frau fährt Taxi, unterhält sich mit ihren Fahrgästen. Super-Langweilig? Kommt darauf an, ob einen die Gespräche, die mit den Fahrgästen entstehen, interessieren …

Cyber Space Fans sollten einen Blick riskieren.

Tangle Tower

App Store

Noch ein Adventure, noch eine Detektivgeschichte, noch eine Insel? Ja, aber durch ein paar eigen(willig)e Ideen und eine sehr verdrehte Familiengeschichte, die sich in sehr verdrehter Architektur niederschlägt, eine nette „Whodunnit“-Geschichte.

Where Cards Fall

App Store

Ein Puzzler mit einer innovativen Spielmechanik: Kartenhäuser.

Nein, nicht die Sorte, die leicht zusammenfallen, da muss schon ein ordentlicher Windstoß kommen. Die Kartenhäuser hier sind ein- bis dreistöckig, mit Flach- oder Giebeldach, und eignen sich dadurch, richtig kombiniert, der Spielfigur einen Weg von Start zum Ziel ebnen.

Das Spiel zeigt nach jedem Level eine Zwischensequenz, die traumartig die Stufen im Leben des Protagonisten widerspiegeln. Ohne Dialog, ohne Erklärung, muss man sich selbst denken, ob die Szene gerade das Ende der ersten Liebe gezeigt hat.

Fazit

Für einen Gelegenheitsspieler wie mich ist Apple Arcade gut angelegtes Geld. Es kommen ca. einmal im Monat ein oder zwei Spiele dazu, die man sich anschauen und entscheiden kann, ob sie einem gefallen. Es werden eigentlich alle Genres bedient, auch wenn diese persönliche Übersicht eher Adventure- und Puzzler-lastig ausgefallen ist. Die Spielideen und die grafische Umsetzung sind abwechselungsreich und gerade die etwas seltsamen Spielen erobern oft mein Herz.

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ffr;lr

for future reference; long reads

20 Macs for 2020

Six Colors hat eine für Mac-Fans lesenswerte Serie über die 20 wichtigsten Macs aller Zeiten zusammengestellt:

With this year marking the turn of decades (in some particularly disastrous ways, as it turns out), I decided to construct a list of the 20 most notable Macs in history. Over the next 20 weeks, I’ll post essays, podcasts, and videos about each of them, counting down to number one.

Jason Snell, 20 Macs for 2020

Die Einführungsseite hat Links zu allen zwanzig portraitierten Macs. Unter ihnen finden sich auch umoffensichtliche Kandidaten wie der DayStar Genesis MP, der der Mac-Plattform den Umgang mit mehr als einem Prozessor beibrachte. Und der Power Mac G4 Cube, der mehr für’s Museum als für den Schreibtisch entwickelt worden war.

Zu jedem Mac gibt es sowohl Text als auch Video, und, Nein, der Original Mac ist nicht die Nummer Eins.

Order Without Design

Devon Zuegel ist eigentlich bei GitHub für das Sponsoren-Programm zuständig, hat aber ein reges Interesse an Städtebau. Mit Marie-Agnes and Alain Bertaud hat sie inzwischen vier Folgen des Podcasts Order Without Design aufgenommen, mit so interessanten Themen wie der Müllentsorgung in Disneyland und ob und wie sie auf „echte“ Städte übertragbar ist. Ist auf meiner read later-Liste, denn die Podcasts sind zumindest teilweise transkribiert.

Bisher erschienen:

Wie man sich eine Zeitschrift hält

Peter Thiel ist, zusammen mit den Koch Brothers und ein paar anderen Milliardären, der Bond Villain, den die USA „verdienen“.

Peter Thiel is a billionaire serial entrepreneur, venture capitalist, and the most prominent supporter of President Trump in Silicon Valley. And in a world where money is power, Thiel is not afraid to wield his power.

How Peter Thiel and the Stanford Review Built a Silicon Valley Empire

In diesem Bericht geht es darum, wie Peter Thiel in seiner Studentenzeit eine Campus-Zeitung – Stanford Review – gründete und durch die Jahre (auch nach seinem Abschluss) die Kontrolle über sie behielt und dazu nutzte, ein Netzwerk aus Gleichgesinnten zu bilden.

Ich habe es noch nicht zu Ende gelesen, daher hier keine weiteren Details. „;rl“ for a reason.

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Richtig alte Computer

Ein Bericht von einem, der auszog, eine Mandelbrot-Menge (eine berühmte Sorte Fraktal) auf einem Computer aus den 1960er Jahren zu berechnen. Der IBM 1401 (Wikipedia) hat ein paar für uns heute überraschende Eigenschaften: Er rechnet mit Dezimalzahlen (Binare Code Digits, BCD) und arbeitet mit variabler Wortgröße (wo Computer sonst fest mit 8, 16, 32 oder 64bit-Wörtern arbeiten). Der Artikel kombiniert die tiefen technischen Einblicke mit den Mietpreisen, die IBM damals für das jeweilige Feature haben wollte 🙂

The 1401 I used is the Sterling model which it supports arithmetic on pounds/shillings/pence, which is a surprising thing to see implemented in hardware. (Up until 1971, British currency was expressed in pounds, shillings, and pence, with 12 pence in a shilling and 20 shillings in a pound. This makes even addition complicated, as tourists often discovered.) By supporting currency arithmetic in hardware, the 1401 made code faster and simpler.

ebd.

12-minute Mandelbrot: fractals on a 50 year old IBM 1401 mainframe

… und noch viele weitere tiergehende Analysen von historischen Computern, Chips und ihren Bestandteilen. Lesestoff für ein, zwei Lockdowns.

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digital musik software engineering

Tabs of Yesteryear

Brian Eno, Top-Produzent von Musik für Flughäfen und Aufzüge1, hat ein Kästchen mit Kärtchen. Auf jedem Kärtchen ein Ratschlag, um aus einem kreativen Loch, einer Uninspiriertheit herauszufinden. Hat erstmal nichts mit Musik zu tun, ist einen Blick wert, wenn man feststeckt. Digital unter Oblique Strategie, mit so zufällig ausgespielten Perlen wie:

  • Take away the elements in order of apparent non-importance
  • You don’t have to be ashamed of using your own ideas
  • State the problem in words as clearly as possible
  • u.v.a.m.

1 Okay, außerdem auch noch von U2, David Bowie, Talking Heads, … f*ck! there’s an own Wikipedia category for this!

Die Configuration Complexity Clock fasst ein (vielleicht/vermutlich) nur für Programmierer nachvollziehbares Vorgehen zusammen: Eine gewisse Abneigung gegen einfache Lösungen verbunden mit dem Wunsch „es richtig zu machen“ (im Gegensatz zu „das Richtige, vom Kunden bezahlte“ zu machen). Man beginnt damit, dass ein Programm eine gewisse Konfiguration benötigt, im Beispiel einen änderbaren Umsatzsteuer-Satz. Dazu braucht man eine Konfigurationsdatei und das könnte das Ende vom Lied sein.

Tatsächlich endet es aber öfter als einem lieb ist damit, dass die Konfiguration zu einem Programm in einer selbst-erfundenen Sprache ausartet. Und da es nun ein Programm ist, braucht es bestimmt die ein oder andere Einstellung in einer Konfigurationsdatei. Die Complexity-Clock schlägt Zwölf, das Spiel beginnt von neuem. Details im verlinkten Artikel.

Two Hard Things in Computer Science ist eine Sammlung von Martin Fowler, die ein paar meiner Lieblingsweisheiten zur IT enthält, darunter diese hier:

Kris Köhntopp in einem Twitter-Thread über den Alltag von uns Software-Entwickler:innen:

There are always existing systems that do not fit exactly, but which you are dependent on.

There is always an existing system your code has to fit into.

Hi, I am Kris. I have been working with computers since I am 14 years old, and I am over 50 now.

Die meisten von uns arbeiten nicht an Betriebssystemen und Compilern. Sondern an dem System, mit dem die Firma seit 15 Jahren ihr Geld verdient und an dem schon fünfzig Leute vor uns gearbeitet haben. Nix Drei-Wünsche-Fee. Software-Archäologie.

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Timeworks Publisher 2 und die Schul-Chronik

Ein wenig persönliche Personal Computer Archäologie: Wir schreiben das Schuljahr 1991/92, mein Gymnasium feierte sein 70jähriges Bestehen und wollte aus diesem Anlass eine Schul-Chronik herausgeben. Mein Vater, Lehrer an diesem Gymnasium, erhielt den ehrenvollen Auftrag, die Erstellung dieser Chronik zu leiten. Er stellte eine Textverarbeitungs-AG (Arbeitsgemeinschaft) aus fünf Schülern zusammen, darunter ich. 

Die kommenden Wochen und Monate waren von sehr intensiven, arbeitsamen, chaotischen Nachmittagen im Computer-Raum der Schule geprägt. (Bis kurz davor war der Computer-Raum das schwer gehasste Sprachlabor. Dessen wertvolle Tonband-Ausstattung wurde dann eines Tages abtransportiert, ohne dass ihr irgendjemand eine (dokumentierte) Träne nachgeweint hätte.) Dieser Computer-Raum hatte (wenn Die Erinnerung™ nicht trügt) circa zwölf Rechner für die Schüler und einen für die Lehrkraft. Möglicherweise waren es 386SX Clone mit MS-DOS. Das Setup wurde komplettiert von einem HP DeskJet 500 und einem im abschließbaren Nebenraum untergebrachten Novell Netware Server.

Ein konservatives Zwei-Spalten-Layout, durchgehende Serif, keine Tausend-Schriftarten-Happy-Hour. Anzeigen und Fotos nicht gescannt, sondern in die unter andächtiger Stille mit 300dpi ausgedruckten jetzt wirklich endgültigen Seiten geklebt.

Während andere sich darum kümmerten, Sponsoren und Werbekunden für die Chronik zu gewinnen, treibt mein Vater eifrig Artikel von Kolleginnen und Kollegen, von den Verantwortlichen der Stadt, von den Altvorderen ein. Irgendwann kamen die ersten Rückläufer und damit die Aufgabe, aus den Texten tatsächlich ein Buch zu layouten. 

Da Öffentlicher Dienst im Allgemeinen und Schulen im Besonderen in Deutschland ja nichts kosten dürfen, ist die Software-Ausstattung frugal. Als Textverarbeitung ist Context Pro installiert, ein Programm, das damals vermutlich eine eingeschworene Fangemeinde hatte (wohl auch den Vobis PCs beilag), aus deutschen Landen stammte und vermutlich billig (im Gegensatz zu Word oder WordPerfect) zu haben war. Damit ließen sich die Texte, wo es notwendig war, digitalisieren, will sagen abtippen, und in einem gemeinsamen Verzeichnis auf dem Netware-Server in Sicherheit bringen. (Möchte nur anmerken, dass es dem Engagement einzelner Lehrer zu verdanken war, dass die Computer einzeln und im Netz überhaupt funktionierten. Unbezahlte Mehrarbeit, gerne genommen, selten bedankt.)

Schon damals las ich die c’t (Testbericht aus der c’t 6/1990) und konnte damit auf Papas Frage nach einem Layout-Programm den Timeworks Publisher empfehlen – von dem wir dann auch eine Lizenz beschaffen ließen. Timeworks war ein DTP-Programm auf GEM-Basis, eine frühe Alternative zu Windows. (Atarianer kennen es als Oberfläche ihres TOS.) Man brauchte kein GEM für den Publisher, der brachte eine Runtime (Laufzeit-Umgebung) gleich mit, und sah damit für ein PC-Programm ziemlich schick aus. (Screenshots von Timeworks Publisher 2 für den PC scheint es keine zu geben, aber wer danach sucht, kann sich an den Atari-Screenshots orientieren.)

(Hier ein Bericht über die Atari-Ausgabe, die mit dem von uns benutzten PC-Produkt ziemlich übereinstimmen sollte: Timeworks Publisher 2 – DTP aus England)

Wir Computer-Dompteure hatten eine wilde Zeit, Texte zu digitalisieren und zu redigieren (in Context), dann in den Publisher zu übernehmen und dort zu einem (recht konservativen Zwei-Spalten-) Layout zusammenzufügen. Erleichtert wurde die Arbeit dadurch, dass der Publisher als relative Neuheit für ein DTP-Programm es zuließ, die Texte direkt im Layout zu editieren, um zum Beispiel noch zwei Wörter zu kürzen, damit der Text auf den ihm zugemessenen Platz passte.

Es hat Spaß gemacht, Timeworks DTP auszuloten. Es kostet Zeit, aber der Aufwand lohnt. Das Programm ist noch vergleichsweise leicht zu bedienen, erfordert aber schon einen gewissen Übungsaufwand. Timeworks DTP bietet viele Funktionen, die es als vollwertiges Desktop-Publishing-Programm ausweisen. Ein deutliches Manko sind in erster Linie die wenigen direkt lesbaren Fremdformate für Text- und Grafikdateien. Trotz einiger Fehler und Macken hinterläßt Timeworks DTP den Eindruck, ein praxistaugliches Programm für den allgemeinen Büroalltag zu sein.

Fazit des c’t Testberichts „Mittelklasse – Vier Low-Cost-DTP-Programme im Vergleich“, in c’t 6/1990, S. 90ff

Erschwert wurde die Arbeit durch selbstverständlich inkompatible Speicherung von Umlauten, d.h. jeder Text aus Context musste im Publisher nochmal mit seinen Original-Umlauten versehen werden. Ebenso war der DeskJet zwar im Netzwerk eingebunden, man konnte ihn aber durch überschneidend abgesetzte Druckaufträge mit Leichtigkeit ins Chaos stürzen. Ein Zustand, in dem er in Windeseile seine teure Tinte in großen Buchstaben auf seitenweise Papier spritzte. Bis man ihn abgeschaltet, die Druckerqueue gelöscht und alles wieder in Betrieb genommen hatte. Wir haben mehrfach zum Großen Anlagen Hauptschalter im Lehrerpult gegriffen, um Schlimmeres zu verhindern. Drucken war danach eine durch Zuruf zu koordinierende Angelegenheit. Aber da der Computer-Raum an diesen wilden Tagen uns gehörte, war das dann kein Problem. 

HP DeskJet 500 im Festtagsmodus (300 dpi), getreulich von der Druckerei reproduziert.

Den Widrigkeiten der mittelalterlichen IT zum Trotz, wir haben es geschafft. Vor Ende des Schuljahres waren die Druckvorlagen fertig, auf die dann an den passenden Stellen noch die Fotos eingeklebt wurden. Dann ging das ganze zur Druckerei. Nix da digitale Druckvorstufe. Als Papierhaufen. Und zu den Feierlichkeiten am Jahresende hatten wir eine feine Chronik, die unsere Schule gerne und erfolgreich an Eltern, Ehemalige und sonstige Interessierte verkaufte.

Ein hübsches Fundstück zu Context, aus einem Bericht über die „EDV beim OLG Oldenburg„:

Als Textverarbeitung wird im ganzen Haus – zur Verblüffung mancher Besucher – nicht ein renommiertes Programm, etwa WORD oder WORDPERFECT, eingesetzt, sondern CONTEXT 4.0, ein vom DMV-Verlag vertriebenes Programm mit ausreichend gutem Funktionsumfang, von dem eine Netzwerklizenz unter 40,- DM kostet. Es spricht vieles für eine solche Wahl. Zunächst muß man sich vor Augen halten, daß die Anforderungen an das vom Gericht produzierte Schriftgut bei Licht betrachtet doch recht bescheiden sind, so daß zahlreiche Funktionen „großer“ Programme ohnehin nie benötigt würden. Dann ist zu bedenken, daß – jedenfalls im Grundsatz – ein Programm um so schwieriger zu bedienen ist, je mehr Funktionen es enthält. Insoweit kann „small“ wirklich „beautiful“ sein. Zwar kann CONTEXT natürlich bei weitem nicht soviel, wie die genannten Spitzenprogramme, es hat aber – neben dem sehr viel niedrigeren Preis – eben den ganz großen Vorteil, äußerst leicht bedienbar und erlernbar zu sein.

Im Norden manch Neues:
Ein Lagebericht zur Entwicklung der EDV im OLG Oldenburg
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OS/2 Museum, auch DOS, Netware, Hardware in der Ausstellung

Eine Fundgrube an allerhand Hard- und Software-Kuriositäten ist das OS/2 Museum von Michal Necasek. Während die ersten Beiträge noch tatsächlich von OS/2 und seiner wechselvollen Geschichte vom Hoffnungsträger zum vernachlässigten Scheidungskind von IBM und Microsoft handelten, werden inzwischen auch Novell Netwareältere Hardware und ihre Emulation und zuletzt das gute alte Microsoft Basic (GW-BASIC) behandelt.

Manchmal geht es wirklich tief hinein, wie beim Vergleich verschiedener Revisionen einer obskuren Soundkarte. Wem das nicht passt: Es gibt noch mehr zu entdecken.

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Aus dem Atari ST-Entwicklungsteam

Dadhacker war Entwickler bei Atari, als Jack Tramiel, gerade bei Commodore gefeuert, 30 Millionen Dollar zusammenkratzte und den kriselnden kalifornischen Games & Computer-Pionier übernahm. Er wurde dann Teil des Teams, das das von Shiraz Shivji konzipierte Design zum Leben erweckte. Seine Erlebnisse, unter anderem auch die Zusammenarbeit mit (CP/M- und GEM-Entwickler) Digital Research für das Betriebssystem und die grafische Benutzeroberfläche des ST, hat er in zwei sehr unterhaltsam geschriebenen Beiträgen festgehalten:

Und wenn ihr da durch seid (oder Atari euch nicht interessiert), schaut euch seine anderen Stories an, er war/ist noch bei anderen Konzernen (u.a. Apple) aktiv.

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Gepard, eine deutsche 68000er-Workstation

Das Blog Rare & Old Computers hat eine mehrteilige Reihe über eine deutsche Entwicklung aus den 1980er Jahren, den Gepard. Basis ist der Motorola 68000, damit stellt sich das System in eine Reihe mit dem Ur-Macintosh, dem Atari ST und dem Amiga, bzw. vom Anspruch eher zu den Workstations von SUN. Der Markt hat sich „daran vorbeientwickelt“, und ich habe aus diesem Blog zum ersten Mal von ihm gehört. Daher hier für alle interessierten Computer-Archäolog_innen der Tipp, sich die ausführliche Dokumentation des Gepard von Fritz Hohl durchzulesen: Gepard – An early German 68000 hobbyist workstation