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9/11 und „die Muslime“

Die geschätzte Melina Borčak über das/unser Verhalten gegenüber allem was muslimisch scheint in der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001:

Die Stadt, in der ich aufwuchs, heißt Sarajevo. In diesen Straßen wurden meine Nachbarn vergewaltigt, gefoltert und ermordet, nur weil sie bosnische Muslime waren. Ich dachte damals, wir hätten bereits das Maximum an Hass und Gewalt überlebt, es könne ab jetzt immer nur besser werden. Naives Kind.

[…]

Es kam anders: Der 11. September war ein Brandbeschleuniger. In den darauffolgenden Jahren erlebten wir weitere Erniedrigungen, Gewalt und Rassismus. Jahren? Schon 40 Tage nach dem Anschlag wurde einer meiner Nachbarn gefangen, gefesselt, dann nach Guantanamo verschleppt. 

[…]

Eine Milliarde Muslime standen von nun an unter Generalverdacht – weil eine Handvoll saudischer Extremisten Menschen am anderen Ende der Welt angriff. 

[…]

Auf der ganzen Welt wurden Muslime zu Gejagten: Genau sieben Tage nach dem Anschlag in New York entdeckte die Kommunistische Partei Chinas eine neue Ausrede für die jahrzehntelange Unterdrückung von Uiguren. Terrorismus wurde zur Dauerausrede für Angriffe gegen Muslime weltweit: Uiguren, Rohingya, Geflüchtete – Gewalt gegen Muslime wird vielerorts toleriert, wenn Regierungen den Kampf gegen sie mit dem Kampf gegen den Terror begründen. 

„Der 11. September hat die Welt verändert. Den 11. Juli müsst ihr erstmal googeln.“

Bitte bei den Krautreportern weiterlesen.

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bandcamp, yeah

Damit Deine Künstler*innen was zu beißen haben.

Neulich bin ich über einen Tweet gestolpert, wo eine Musikerin mal gesagt hat, was sie über Spotify mit ihrer Musik verdient. Nicht viel.

Die Menschen von basic thinking haben mal recherchiert, was die großen Musik-Streaming-Angebote so an ihre Künstler*innen auszahlen. Ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert, so 0,00348 US-Dollar pro Stream bei Spotify. Wenn man jetzt nicht The Beatles heißt, oder wie auch immer erfolgreiche Bands heutzutage heißen, wird man davon eher nicht satt, zumindest nicht jeden Tag.

Abhilfe ist, bei den Artists direkt zu kaufen, wie damals™ bei den Radioheads, als sie In Rainbows als „Zahl was Du willst“-Download ins Internet gestellt hatten. Das kann natürlich nicht jede*r Musiker*in aus dem Boden stampfen, aber dafür gibt es ja bandcamp. Und seit ich dort angefangen habe mich umzuschauen, finde ich erstaunlich viele von „meinen“ Künstler*innen dort wieder. Grund genug, ein paar Alben zu kaufen, so wie damals™, hach!

Aus meinem Einkaufswagen:

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Wider

„Das geht euch einen Scheiß an!“

Jede*r Bürger*in zu einem Staat, der seine Nase in alles mögliche reinstecken möchte.

Es gibt ja gute Gründe, sein Online-Leben bei einem der großen Anbieter wie Google oder Microsoft einzurichten: Zur Mail gesellt das Office, alle Dokumente schweben in der Wolke, ein neues Gerät ist im Handumdrehen eingerichtet, und neben den Marketeers der Unternehmen haben auch die Geheimdienste Ihres Vertrauens vollen Einblick in die Lebensgewohnheiten.

Zu diesem praktischen Für stellt sich für Aktivisten aller Art ein Wider, das sich natürlich aus dem o.a. letzten Satz ergibt. Daher hier ein kleiner Überblick über ausgesprochen unkommerzielle Dienste, die sich in erster Linie oder besonders an besagte Aktivisten wenden.

Autistici/Inventati

(…) wurde im März 2001 von einer Gemeinschaft aus Individuen und Kollektiven gegründet, die sich mit Technologie, Privatsphäre, digitalen Rechten und Politik beschäftigt.

autistici.org

Autistici bietet gegen Spende Blogs (WordPress), Web-Hosting, Anonymisierungsdienste, VPN, E-Mail, Mailing-Listen und Newsletter, sowie Instant Messaging/Chat an, sofern die „Grundprinzipien des Antifaschismus, Antirassismus, Antisexismus, Antimilitarismus und den nicht-kommerziellen Ansatz“ (Quelle) geteilt werden.

systemli.org

systemli.org ist ein 2003 gegründetes linkes Netzwerk und Technik-Kollektiv. Wir haben den Anspruch, sichere und vertrauenswürdige Kommunikationsdienste bereitzustellen. Das Projekt richtet sich insbesondere an linkspolitische Aktivist*innen und Menschen, die ein besonderes Datenschutzbedürfnis haben.

systemli – Über uns

Das Diensteangebot geht über das von autistici hinaus, hier werden auch Online Collaboration Tools wie EtherPad und EtherCalc (gemeinsam und gleichzeitig Texte und Tabellen bearbeiten) angeboten, Videokonferenzen über Jitsi, sowie verschiedene Messenger. Die Dienste sind auch aus dem TOR/Onion-Netzwerk (vulgo DarkNet) erreichbar.

Tutanota

In Zukunft wird Tutanota unser Ersatz für Google – mit E-MailKalender, Notizen, Cloud-Speicher; alles automatisch verschlüsselt! 

Mach mit! – Tutanota

Tutanota bietet verschlüsselte E-Mail an und möchte sein Angebot auf verschlüsselte Kalender und eine Cloud-Lösung ausdehnen, um dem Basis-Angebot von Google etc. etwas entgegenzusetzen. Für Privatanwender mit 1 GB Platz aktuell kostenlos, scheint mir aber insgesamt kommerzieller aufgestellt als die beiden erstgenannten „Community“-Projekte.

Und selbst, so?

Mein öffentliches Engagement ist eher unpolitisch (falls es unpolitisch heute überhaupt noch gibt), aber wie man hier ja rauslesen mag, habe ich gewisse Grundhaltungen. Daher (fast) kein Facebook (und danach gründlich Hände und Augen desinfizieren) oder Google, sondern die Mail bei mailbox.org (posteo.de geht genauso), statt WhatsApp werden Familie und Freunde gegen abnehmenden Widerstand zu Signal gedrängt. Browser der Wahl Safari mit Firefox und Edge (ja, der Chrome von Microsoft) als zweite und dritte Wahl.

Überhaupt, Google! Ich hatte mal Mail, Reader, Soziales Netzwerk (Google+, falls sich noch wer erinnert), Fotos bei Google. Inzwischen nicht mal mehr ein Youtube Login. Hat sich fast von selbst ergeben, weil sie alles, was ich mochte, eingestellt haben. Tja!

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„Biko“ Around The World

Ein Song von leider zeitloser Aktualität, Peter Gabriel’s Biko. Diesmal zusammen mit vielen Musikern weltweit neu aufgenommen. Ein Teil von „Peace Through Music“

Inspired by the death of anti-apartheid activist Steve Biko while in police custody, this song’s relevance still holds true with the unfortunate police brutality that continues to take place in the USA, Nigeria and many places around the world.

Peace Through Music Website
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Sponsoring

Eine Monetarisierung findet nicht statt, habe ich mal geschrieben, erstens, weil das hier zu selten (und dann stoßweise, wer tut so was?!) erscheint, zweitens, weil ich keine Lust habe, die zwei, drei Leute, die hier zufällig vorbeischauen, gleich an den nächsten Internet-Riesen zu verraten und verkaufen.

Andere Leute leben davon, dass sie schöne⇿schreckliche Dinge finden & forschen und ins Internet schreiben. Cartoons malen. Musik machen. Sie brauchten und brauchen unsere Unterstützung, damit sie nicht ihre Kunst aufgeben und sich eine (buuh!) Anständige Arbeit™ suchen müssen. Daher hier kurz, wen ich letztes Jahr so unterstützt habe (alles Kleinvieh, macht aber hoffentlich über alle doch Mist):

  • $5 / month an The Online Photographer (Mike Johnston), meine Lieblings-Website über alles, was mit Photographie⇿Fotografie zu tun hat. (Patreon)
  • $5 / month an Zach Morrison für seine geisterhafte graphic novel Paranatural (Patreon)
  • $1 / month an Tatsuya Ishida für seine woke Comic-Serie Sinfest (Patreon)
  • $2 / month an Nadja Hermann für ihre notwendigen Debattenbeiträge getarnt als „hässliche, linksgrünversiffte Paint-Comics“ auf Twitter unter @erzahlmirnix (Patreon)
  • €36 / Jahr 1. für den Ehrentitel Lemming und 2. für Joscha Sauer, der erfreulicherweise wieder frische nichtlustig Comics macht. (steadyhq)

Daneben noch einmalige Spenden an

  • Internet Archive, weil wir ohne Archive halbblind durch die Gegend laufen surfen.
  • Samara Ginsberg, die mit ihren Cello-Arrangements von Film- und Serien-Titelmelodien das dumme Corona-Jahr entscheidend erträglicher gemacht hat. (Twitter, Youtube siehe unten) (Ko-Fi)
  • George Nachman für den schönen und funktionsreichen macOS Terminal-Ersatz iTerm2 (Donate)
  • … und ein paar Euro/Dollar an den/die Entwickler:innen, wann immer ich beim Einsatz eines freien Tools daran dachte, wie viel leichter es mein Leben/meine Arbeit macht.
Sehet, welchen Kult Samara Ginsberg aus 80er Trash-Serien macht!
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Digital-Hygiene zum Jahreswechsel

Das habe ich vor ein paar Jahren schon mal aufgeschrieben, aber es gilt auch dieses Jahr noch/wieder.

So, für jene, welche wie ich zwischen den Jahren gerne Ordnung machen, und schon jetzt eine leere ToDo-Liste haben:

  • Mail, Kalender, Adressen, ToDo-Listen von Google, GMX etc. zu einem Provider umziehen, bei dem Du Kunde und nicht Ware bist. (z.B. mailbox.orgposteo.de)
  • Hilf anderen, ihren widerlichen web.de-Account loszuwerden. (Provider, siehe oben)
  • Brauchst Du die ganzen Newsletter wirklich? Oder schmeißt Du sie ungelesen weg? Probiere doch mal, ob der unsubscribe-Link funktioniert.
  • Haben Deine lebenswichtigen Internetdienste (Domain-Registrar, Postfach, Webhost, Online-Shops) eine aktuelle E-Mail-Adresse, optimal ein eigenes Alias, so dass Du Mail von ihnen zweifelsfrei identifizieren kannst?
  • Haben Deine lebenswichtigen Internetdienste noch genug Budget? (Mailbox.org, uberspace.deinwx.de nehmen z.B. alle am liebsten eine Überweisung für einen Jahresbeitrag im Voraus.) Hahaha, genau deswegen ist mir mein Blog verlorengegangen!
  • Gibt es Provider, die Du aufgeben willst? Schau doch mal, wann eine Kündigung möglich ist, und setze das Datum dafür in Deinen Kalender. Am besten mit einem Stichwort, zu welchem Dienst Du umziehen willst.
    • Kleiner Exkurs dazu: Diese Site ist schon sehr lange bei domainfactory. Die haben sich aber entschieden, ihr Hosting nach Frankreich zu verlagern. Ungeschickterweise zu einem Zeitpunkt, als in Frankreich der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, und damit einige Schutzrechte nicht mehr so recht gelten. Hosting in Deutschland gibt es nun gegen Aufpreis. Finde ich nicht witzig und führt dazu, dass ich domainfactory verlassen werde. Den Termin samt Umzugsziel habe ich schon notiert.
      Update 2019: Umzug ist passiert, Domains nun bei inwx, alles Web bei Uberspace.
  • Lösch den ranzigen Yahoo-Account und vergib überall ein neues Passwort, wo Du in den letzten Jahren Dein Yahoo-Passwort (wieder-)verwendet hast. (Tust Du eh nicht, schon klar.)  Die haben es überhaupt nicht im Griff, und mir hat es genau eine Sekunde leid getan, den Yahoo- samt dem Flickr-Account gelöscht zu haben.
  • Lasse die Giftmülldeponien Facebook, Instagram und WhatsApp hinter Dir. Es geht 1. ohne und 2. gibt’s Alternativen.

Und mit dieser aufgestockten ToDo-Liste: Frisch ans Werk!