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Sexuelle Gewalt vs. Aufklärung und Selbstbestimmung

Zwei Artikel, die schon länger in meinen Tabs liegen, befassen sich mit sexueller Gewalt und Aufkläung über die eigene Lust und den eigene Körper. Bei Krautreporter gibt es die Illukolumne von Lena Deser, deren Folge 4 den Titel „So sieht die neue sexualisierte Gewalt im Netz aus“ trägt.

Der Artikel reicht von Zoom-Bombing, der Verbreitung von gefilmter sexualisierter Gewalt auf Porno-Seiten wie PornHub bis zu revenge porn per deep fake, also das Einfügen des Gesichts eines anderen Menschen in einen Pornofilm. Wobei diese Manipulation von künstlicher Intelligenz so unterstützt wird, dass zwei, drei Klicks ausreichen.

Ein unbekannter Täter hatte über drei Jahre hinweg Fotos von ihren Social-Media-Profilen entnommen und zusammen mit ihrem Vornamen auf eine Pornoseite gestellt. (…) Schließlich hatte der Täter andere dazu eingeladen, diese Fotos zu bearbeiten, sie in demütigende gewaltvolle und sexuell explizite Bilder zu verändern; solche gefälschten Bilder nennen Expert:innen Deepfakes – zusammengesetzt aus Deep Learning (einer Methode des maschinellen Lernens) und Fake (auf Deutsch: Fälschung).

So sieht die neue sexualisierte Gewalt im Netz aus

The Globe and Mail, eine kanadische Tageszeitung, hat schon im Januar 2021 einen längeren Artikel über sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung bei jungen Frauen geschrieben: The Pleasure Gap beleuchtet unter anderem die völlig zu kurz gekommene Aufklärung über die eigene Lust und den Stellenwert der eigenen Befriedigung. Dis, oh Überraschung, gleich- oder vorrangig zur Befriedigung des Partners (ja, Männer) ist. Anscheinend ist es so, dass junge Frauen ihren Freunden einen Blowjob anbieten, um den Freund zu halten aber „richtigen“ Sex zu vermeiden.

Most Canadian sexual health education still focuses on reducing disease, pregnancy and risky sexual behaviours. Absent from many lessons is open, meaningful discussion about what happy, mutually fulfilling sexual relationships actually entail. Amid this vacuum, adolescents are growing up with ready access to online pornography dominated by coercive, misogynistic depictions of sex.

[…]

As a host of emerging research is finding, many young women’s sexual decision-making still revolves around pleasing partners and maintaining harmony in relationships – this as their own thoughts remain unconsidered. (Hervorherbung von mir)

[]

„For boys, sex is pleasurable. For girls, it’s a thing to worry about: You don’t want to get diseases and you don’t want to get pregnant and you don’t want to get raped. … It’s not, ‘Was it even good?’ It’s more like, ‘Were you okay?’“

[…]

“I’ll hear things like, ‘My boyfriend wants to have anal sex. How do I do that? Is it going to hurt? How do I give him a blowjob? How do I know if I’m doing it right?’ What I try to introduce is the question of, ‘Do you want to do these things?’ Some girls have never thought about it before. Their eyes get big and the conversation will suddenly perk up.”

The pleasure gap: How a new program is revolutionizing sexual health education for young women

Ich kann den Artikel nur weiterempfehlen. Leider ist er inzwischen hinter der Paywall.

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Macht des Faktischen, digital edition

Julia Reda schreibt in ihrem Beitrag „Warum Aktivismus gegen Apple gemeinnützig sein sollte“ bei netzpolitik.org nochmal genau auf, warum solche Lösungen wie Apple’s CSAM-Scanning (wir berichteten beschwerten uns) global-galaktisch eine schlechte Idee sind.

Unternehmensentscheidungen beeinflussen, was als politisch machbar gilt und sind der erste Schritt zu Gesetzesänderungen. Nachdem in Brüssel eine politische Debatte über die datenschutzrechtliche Zulässigkeit von Facebooks freiwilligen Maßnahmen zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch und Grooming entbrannt war, hat die EU-Kommission nicht nur einen Gesetzesvorschlag auf den Weg gebracht, um diese Praktiken zu legalisieren, sie plant auch noch einen weiteren Gesetzesentwurf, der solche Überwachungsmaßnahmen für zahlreiche Plattformen verpflichtend machen könnte.

Warum Aktivismus gegen Apple gemeinnützig sein sollte

Auch den Rest lesen und en pasant den Kopf darüber schütteln, dass Attac und andere Organisationen immer noch der Status „gemeinnützig“ vorenthalten wird.