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  • Entspannter Fahren unter iPod-Einfluß

    (Erstveröffentlichung am 30.03.2005, der genannte iPod war vermutlich ein ClickWheel-iPod.)

    Kennen Sie das? Längere Autofahrt, alleine im Auto, und alle Sender (privat wie GEZ-gesponsert, da nehmen wir mal keinen aus) spielen die „Trash Top 100“ von Morgen rauf und runter.

    Aber ein Griff ins Handschuhfach bringt den iPod zum Vorschein, dann ein bißchen Gefummel mit dem Kassettenadapter, und schon spielt das Radio mein Programm, die ganzen 372 Kilometer (laut Reisekosten-Abrechnung).

    Ich behaupte von mir: Wenn ich nicht ständig nach erträglicher Musik suchen muss, bin ich ein besserer, weil konzentrierterer und gelassenerer Autofahrer. Ich mag meinen iPod!

    Update 2021: Ich kann längere Autofahrten, sofern sie sich nicht pandemiebedingt als unerforderlich erwiesen haben, inzwischen mit den Sendern der Deutschlandfunk-Gruppe durchstehen. Ich kann auch prima mein iPhone ans Car-Entertainment anschließen. Was wir verloren haben mit den Touch-Oberfächen von iPhone und Auto ist Bedienen ohne hinzuschauen.

    Gerade das aktuelle MBUX („Mercedes-Benz User Experience“, hüstel!) lässt sich verantwortungsvoll auf deutschen Autobahnen eigentlich nur von der/dem Co-Pilot*n bedienen. Zuviel Blick und Konzentration landen auf der Mittelkonsole. Die leichten Fahrbahnunebenheiten reichen bei 120 km/h schon aus, damit der Finger am Touch-Ziel vorbei-toucht. Das ebenfalls verbaute TouchPad (dort wo man früher Gänge zu wechseln pflegte) ist im Zusammenspiel mit Apple CarPlay genauso unbrauchbar frustrierend.

  • Kurz-Kritik: Apple HomePod mini

    Q: Warum „Kurz“?

    A: Weil Gscheitere schon gscheiteres dazu geschrieben haben. Weil ich sie erst kurz im Einsatz habe. Weil ich noch nicht ansatzweise alles ausprobiert habe.

    Q: Und was für „Kritik“?

    A: Öhm, keine? Ich habe mir ein Stereopaar angeschafft, die jetzt rechts und links hinten auf dem Bürotisch stehen und mit diesem durch den Raum fluktuieren. (Ja, ich schieb den mal so, mal so.)

    Ich habe im Büro einen Sonos Play:1, der kommt aber eben aus einer Richtung, meistens von rechts, und das stört mich bei längerem Hören. Mit den HomePods sitze ich immer direkt in der Mitte der Stereo-Basis und kriege sehr gut die Enge oder Weite eines Mixes mit.

    Der Play:1 darf damit weiterziehen, denn auch klanglich bin ich mit den minis sehr zufrieden. Meine Frau beschrieb den Klang als samtig, und dem kann ich beipflichten. Sind Ohrschmeichler, die Kleinen.

    Q: Ist das das Ende von Sonos?

    A: Glaub ich noch nicht. Im Büro ja. Aber für „Party-Modus“ (gleicher Song im ganzen Haus) oder einen Song (zusammen mit dem Aufwachenden) von Bett an Bad weitergeben, braucht’s weiterhin einen Sonos. Ich brauche keinen Assistenten in den Wohnräumen, daher sind mir die Play:1 da ganz recht. Der Büro-Sonos darf jetzt entweder einen der anderen zu einem Stereopaar ausbauen oder ins Kinderzimmer, dann in ein eigenes Netz, damit Juniors Musikgeschmack in seinem Zimmer bleibt 🙂

  • Reste von der Leseliste

    Vor Zeiten gab es in vielen Blogs eine sogenannte Blog-Roll, eine Liste von Blogs, die die Autor*in des Blogs regelmäßig laß oder zumindest ihren Leser*innen zur Lektüre empfahl. Auch mein Blog hatte so eine Roll, wie ich gestern beim Durchforsten der „Dokumente“-Ordners feststellte. Viel ist davon nicht geblieben, aber ein paar alte Bekannte gibt es doch noch, die ich hier gerne wiederentdecke.

    Waiter Rant

    Waiter Rant war damals Kellner, hat köstliche Kurzgeschichten über die Restaurant-Gäste geschrieben, die er bedient hat. Hat daraus sogar ein Buch gemacht und seine 15 Minuten Internet-Berühmtheit genossen. Er schreibt immer noch unter waiterrant.net, und auch wenn es jetzt eher um seine Familie und seinen neuen Beruf geht, haben seine Berichte aus dem Alltag für mich nichts von ihrem Charme eingebüßt.

    DigiBarn

    Ein Museum für Computer, eine Fundgrube für die Erforschung des digitalen Mittelalters und der frühen Neuzeit. Nur knapp den kalifornischen Wildfires entkommen, wie ich erschrocken auf der WebSite lesen musste.

    The Mothership

    Auch immer noch online und eine hilfreiche Ressource für alle, die alte Macs zu ihren Hobbies gemacht haben, ist das Mutterschiff. Hier gibt es Software zum Download für die alten System 7 und früher-Macs und sogar noch für die Lisa.

    GUIdebook

    Eine weitere Seite für Historiker, das GUIdebook, das die Entwicklung der modernen grafischen Benutzeroberflächen dokumentiert. Bevor es modern wurde, auf Bildschirmen herumzutouchen!

    Darunter auch eine unglaublich detaillierte Aufbereitung des Apple Lisa, mit kommentierten Screenshots und Interviews der Projektleiter (u.a Larry Tesler) etc.

    Ist Ihr Chef ein Psychopath?

    Unter dieser Überschrift verlinkte ich 2005 einen Artikel aus FastCompany. Fast erwartete ich, auch diesen Link abschreiben zu müssen, aber nein, FastCompany gibt es noch und den Artikel unter dieser URL auch noch. Erstaunlich!

    […] Then Hare came out with a startling proposal. He said that the recent corporate scandals could have been prevented if CEOs were screened for psychopathic behavior. „Why wouldn’t we want to screen them?“ he asked. „We screen police officers, teachers. Why not people who are going to handle billions of dollars?“[…]
    […] „I always said that if I wasn’t studying psychopaths in prison, I’d do it at the stock exchange.“
    […] Psychopaths succeed in conventional society in large measure because few of us grasp that they are fundamentally different from ourselves. We assume that they, too, care about other people’s feelings. This makes it easier for them to „play“ us. Although they lack empathy, they develop an actor’s expertise in evoking ours. While they don’t care about us, „they have an element of emotional intelligence, of being able to see our emotions very clearly and manipulate them,“ says Michael Maccoby, a psychotherapist who has consulted for major corporations.

    Is Your Boss a Psychopath? FastCompany

    Und nachdem wir Trumpism Ep. 1 knapp überlebt haben, kann ich nur sagen, dass ich das weiterhin für eine gute Idee halte.

    Honorable Mentions

    Von der BlogRoll aktuell weiterhin im Netz die altgedienten Recken:

    • Tim Bray (inzwischen pensioniert, Einsichten in Boote und elektrische Jaguars)
    • BILDblog (leider immer noch notwendig)
    • lawblog (Anwalt Udo Vetter aus Düsseldorf)
    • vowe.net (Volker Weber, weiterhin unersetzlicher Produkttester und Empfehler, demnächst vermutlich mit vielen Tipps zu WordPress)

    Weiter so!

  • Tabs of YesterQuarter

    Da lese ich interessante Dinge auf dem iPhone beim Warten in der Arztpraxis, während die Software neu übersetzt wird oder (ja, Sie denn nicht?) auf dem Klo. Und dann lasse ich das Tab offen, weil ich es wiederfinden will – auf dem Smartphone sammeln sich meanwhile offene Tabs. Hiermit werden aus offenen Tabs Blog-Einträge:

    Die Anteile der Länder an der Oberfläche der Erde, oder im Original: Visualizing Countries by Share of Earth’s Surface, ein Kreisdiagramm, das mal wieder schon vor Augen führt, dass wir auf einem Wasserplaneten leben. Unter diesen Umständen halte ich die evolutionäre Einsparung der Kiemen für einen Fehler 🙂

    Kam bestimmt über kottke.org, bei dem es eigentlich jeden Tag etwas wundervolles zu entdecken gibt.

    Das Leben von Josephine Baker als graphic novel: Josephine Baker by Catel and Bocquet – a triumph of research and astounding detail
    Eine Buchvorstellung, die einen Überblick über das reichhaltige Leben der Sängerin, Schauspielerin und Spionin (diese Aufzählung ist unvollständig).

    But also a woman whose wisdom and determination burst the seams of US racial segregation, whose rise to the heights of stardom in France and indeed worldwide (she was the first black actor to star in an international movie) directly challenged the institutionalised racism of her home nation.

    Josephine Baker …

    Links zum Einkauf dieses Werks gibt es bei der Rezension, weitere Werke in dieser Art gibt es bei selfmadehero.com.

    Eine Programmiersprache, so alt und stabil wie römische Aquädukte: Why COBOL will never die. Die Common Business-Oriented Language gibt es schon 1969 und liegt unserem internationalen Zahlungsverkehr genauso zu Grunde wie dem internationalen Flugverkehr und ziemlich vielen Lohn-, Gehalts- und Rentenabrechnungen.

    This turns the new-new-thing hype of Silicon Valley on its head, of course. It’s a sector obsessed with the hottest, latest thing — but as any programmer can tell you, the hottest, latest thing that just got shipped at 2 am is gonna be a rickety kluge of buggy code. That old COBOL, though? In service since the days of early MTV? It’s tough as old boots.

    Why COBOL will never die

  • Die Zähen Zwanziger

    Oh nein, nicht diese 2020er, sondern die Tage zwischen dem 20. und 30. Spieltag bei Cozy Grove, dem Spiel, das ein gespenstischer Widergänger von Animal Crossing ist.

    Tag 25, die Tiere sind hungrig, und bis auf den rechts unten gezeigten Salat, für den man die Unmenge von zehn Zwiebeln braucht, ist das auch alles machbar.

    Um den Tag 20 herum waren es langwierige Quests, bei denen die Ressourcen über mehrere Tage gesammelt werden mussten. Aber da kommt man ja absehbar zum Ziel, kann es beeinflussen, indem man Nussbäume pflanzt und Tiere großzieht.

    Jetzt laufen bei mir seit Tagen aber Quests, die darauf beruhen, dass die Geistfinderin anderen Bärengeistern hilft, und zwar bei einer unbestimmten Anzahl von Aufgaben:

    Um das Foto zu bekommen, muss ich Arjun Bhalla helfen, …
    … um das Schnitzwerkzeug für Francesca von Tatz zu erhalten, soll ich Jeremy Stoffel helfen …
    … und um die Scuba-Ausrüstung für Octavia Bärchin auszulösen, soll ich dem Maister helfen, möglicherweise mehrmals.

    Fast die Hälfte meiner Bärchen sind damit für Quests, die die Geschichte voranbringen, blockiert. Und so gehen die Tage ins Land (über die Insel), an denen ich zum x-ten Mal Pakete aus Laubhaufen berge, Bär Bhallas Schraubenschlüssel zurückbringe und der Bürgermeisterin mal wieder Kaffee hole.

    Gut, nebenher habe ich die Fischgründe geplündert, die Fische verbrannt und in Vogelscheuchen verwandelt (eines der berühmten Vier-Fischgräten-Rezepte für insulären Reichtum) und mit dem verdienten Geld Mr. Kit eine Luxussanierung seines Ladens finanziert und mir ein sehr komfortables Zelt gegönnt.

    Außerdem habe ich inzwischen die Profi-Wünschelrute, die bis zu zweimal am Tag ein Relikt aufspürt. Bei zwei Relikten entscheide ich mich meistens, das eine Relikt einzuäschern und das andere zu spenden.

    Hier gibt es keinen Hinweis auf eine Spende, d.h. feinstes Flammi-Futter.
    Hier lohnt die Spende, es gibt Geld und fast-wertvolle Quartzsteine. Also ab zum Käpt’n damit.

    Davon abgesehen macht es immer noch Spaß, morgens nach dem Frühstück die Bärengeister nach dem werten Befinden zu fragen, bei der Bäckerei das Futter für die Tiere in Auftrag zu geben und das Gemüse aus dem Boden zu buddeln.

    Falls es im Laufe des Tages mal langweilig wird, lohnt sich auch eine Runde um die Insel herum. Angel ins Meer, frische Fische fangen, sehr entsspannend.

    Was ich hier auch hervorheben möchte: Die Diskussionen mit anderen Spieler*innen auf dem Discord-Server zum Spiel sind wirklich nett. Inzwischen gibt es einen slow chat, bei dem cold brew coffee und Brotrezepte ausgetauscht werden, sehr sympathisch.

  • Cozy Grove, zäh

    Cozy Grove, zäh

    Die letzten Tage im Geisterfinder-Camp auf Cozy Grove Island waren recht erbaulich, die meisten Quests innerhalb eines Tages (oder direkt aus dem Inventar) erledigt.

    Doch jetzt stecke ich in drei Quests, die wenig Aussicht haben, in den nächsten Tagen gelöst zu werden. Die eine braucht Reliktasche (Archäologen & Kunsthistoriker hören, wie gesagt, weg), von der es am Tag ein, höchstens zwei zu wünschelruten gibt.

    Quest 1: Wünschelruten-Upgrade gibt’s nur gegen Asche, Reliktasche in dem Fall.

    Die andere braucht Gold; und einen Stein, der Golderz ausspu(c)kt, habe ich noch nicht gefunden. Und 50 Silber zu einem Gold konvertieren scheitert, genau, an genug Silber. Hm.

    Quest 2: Die meisterliche Schaufel muss aus irgendeinem Grund vergoldet werden, zu fürstlichen Kosten.

    Tja, und die dritte Quest erledigt sich automatisch mit der ersten, also dem Wünschelruten-Upgrade.

    Quest 3: Schnitzwerkzeug als Belohnung für den Auftrag zum Wunschelruten-Upgrade. Nein, das ist keine Korruption, das ist das Payback-Programm des lokalen Handwerks.

    Das Spiel, das dich wegschickt, bleibt seinem Design als Geduldsspiel also weiter treu. Immerhin habe ich heute eine neue Muschelart und ich meine auch einen neuen Fisch gefunden. Und den Tieren geht’s allen gut.

    Schätze, ich setze mich jetzt an den Strand und höre den Wellen zu.

  • Sarah Dahir

    Sarah works as a freelance illustrator in South Africa. She draws from the world around her to draw fashionable and relatable images of young black women in a variety of familiar settings:hanging out on the beach, sharing a glass of wine with friends or just being themselves. 

    https://casildart.com/sarah-dahir

    Gefunden im Missy Magazin, das ein Interview mit ihr geführt hat. In dem sagt Sarah Dahir über ihre Motive:

    Es macht am meisten Sinn für mich, Frauen zu zeichnen, die so aussehen wie meine Schwestern, Freund*innen und ich. Meine Bilder zeigen Schwarze Frauen, die normale Dinge tun, sorglos sind, picknicken, mit ihren Freund*innen ausgehen.

    Sarah Dahir (Missy Magazin, Interview)
  • Cozy Grove, Tag 8

    Nachdem es gestern ja Nacht war und das Tagwerk erledigt, werfe ich heute einen Blick auf die Relikte und die Wirtschaft.

    Relikte

    Relikte kamen dazu, indem der Handwerker mir eine Wünschelrute in die Hand drückte. Die findet kein Wasser, sondern vergrabene Artefakte – nach dem guten alten Kinderspiel-Schema „kälter, wärmer, heiß“.

    Über dem Geistheiler (bleiben wir mal bei diesem Begriff) ist das Icon der Wünschelrute (ähnlich wie beim Angeln). Wir sind hier am Ende der Suche, die Flamme der Wünschelrute sagt „heiß“ und die Stelle, an der das Artefakt vergraben ist, ist praktischweise mit einem X markiert. Wie bei der Schatzkarte der Piraten 🙂

    Die gefundenen Relikte (aber nur eines pro Tag, die Spiel-Designer rationieren, wo sie können) sind natürlich erst mal ein Kandidat für die Sammlung des Kapitäns. Dann gibt es Rezepte bzw. Bauanleitungen, die – Kunsthistoriker weghören – Reliktasche benötigen. Ja, Flammi ist dein Bruder, der sengt auch uralte Kunstwerke weg.

    Wirtschaft

    Gestern hatten wir über Tik, den Marktfuchs, gesprochen, der dankbar alles aufkauft, was man von Muschel bis Kuchen entbehren kann (bzw. wegen der begrenzten Lagermöglichkeiten: entbehren muss). Heute ist mir dann aufgefallen, dass der Markt verzerrt ist: Manche Produkte, die mehrere Verarbeitungsschritte (10:1 Konversionen) erfordern, sind in der dritten Stufe weniger wert als 10 Produkte der Vorstufe, zumindest bei Tofu und der leckeren Würzsauce, die man aus zehn Tofus macht.

    Hier haben wir leckeres Pilztofu, für das der Fuchs 2.880 Alte Münzen rausrückt. Macht mal zehn 28.800 Alte Münzen.

    Und hier haben wir das sicher noch leckerere Pilztamari, für das ich zehn Tofus geopfert habe, für einen Erlös von 12.000 Alten Münzen. Hätte ich das Tofu verkauft, wären 16.800 mehr drin gewesen.

    Eine andere Seltsamkeit ist, dass Bestellungen in der Bäckerei (liegt direkt neben meinem Lager) und der Deko-Bürgermeisterin über den Postbärgeist zugestellt werden. Also um 08:00 Uhr beim Bäcker Mehl abliefern und um 09:00 Uhr zur Post rennen, um die Wecken abzuholen … Hm?

    Wenn’s mal wieder länger dauert mit der Bestellung, liegt es sicher nicht an DHL, die liefern auf der Geisterebene nämlich nicht.

    Zum Schluss hier noch ein Bild von einem jener Laubhaufen, die bei der Morgenrunde gefunden und nach brauchbaren Dingen durchstöbert werden wollen.

    Ja, der Laubhaufen ist offensichtlich bewohnt, aber keine Angst, er beißt (noch ) nicht.
  • Noch ’ne Insel, mit Geistern

    Noch ’ne Insel, mit Geistern

    Irgendwie haben die Entwickler, die sich von Apple Arcade engagieren lassen, es mit Insel-Abenteuern. In der neuen Veröffentlichung Cozy Grove landet ein junger Geisterforscher auf eine Insel voller, tja, Geister. Die Flut nimmt sein Boot mit, und so arrangiert er sich mit dem Inselleben, in allen Belangen unterstützt von seinem magischen Feuer Flammi, mit dem nicht zu stillenden Hunger auf Geistholz.

    Ein inniger Moment mit einem meiner Geistvögel. Im Hintergrund Flammi, der Verwalter des Lagers, Verbrenner aller Dinge, immer hungriger Verzehrer von Geistholz.

    Woher bekommt der junge Mann Geistholz? Indem er den Geistern der Insel hilft: Der Kapitänsgeist braucht Federn, damit der kalte Wind an der Küste nicht durch ihn durchweht. Der Postbotengeist hat Pakete, der Bürgermeister die Anmeldeformulare für den jungen Geisterforscher verlegt, der Bäckergeist braucht Zutaten für seine neueste Kreation. Genug zu tun?

    Ja, aber immer nur ein bisschen. Das Spiel gibt pro Tag (echten 24h) nur eine begrenzte Anzahl Aufgaben aus, und die kann man nicht mal unbedingt noch am gleichen Tag erledigen. Ich habe zum Beispiel ein Kochrezept vom Kapitän bekommen, das zehn Eier benötigt. Aber Eier habe ich bisher nur einzeln vom Marktfuchsgeist oder von einem meiner Vogelgeister bekommen. Zehn Eier zu sammeln, wird ein paar Tage Zeit brauchen.

    Beim Angeln. Mit der Route ausholen legt Richtung und Weite des Wurfs fest. Fische in der Nähe werden auf den Köder aufmerksam, beginnen an ihm zu knabbern. Irgendwann (je nach Sorte nach eher zwei oder auch mal fünf Bissen) schlucken sie den Haken. Dann geschwind auf den Screen getippt und der Fisch ist mein.

    Die Geister ahnen, dass sie in ihrem Vorleben irgendeinen Fehler gemacht haben, der sie nun auf diese Insel bindet. Der Handwerksgeist glaubt, dass eines seiner Werke misslungen ist, und versucht nun, alle zu vernichten. Es ist die Aufgabe des jungen, nun ja: Geistheilers, die Geschichten dieser Geister nachzuvollziehen und – ich vermute mal – zu einem guten Ende zu bringen.

    Aber was bleibt zu tun, wenn alle Tagesaufgaben erfüllt sind? Das Spiel zumachen und morgen wiederkommen? Bei aller digital-pädagogischen Absicht, ihr Spieleentwickler: Wenn ihr mir so eine schöne handgemalte Insel hinstellt, bleibe ich dort l-ä-n-g-e-r, ob ihr wollt oder nicht. Es gibt ja genug Zeitvertreib: am Strand Muscheln suchen, vom Ufer aus Fische fangen (der Kapitän brachte mir das Angeln bei). Und es tun sich Löcher im Boden auf, die aufgegraben werden wollen, Laubhaufen erscheinen, die durchsucht werden wollen, es wächst Unkraut, das zurückgeschnitten werden will.

    Neben richtigen Geistern bevölkern auch mehrere Rudel Wichte die Insel. Sie werden unsichtbar, wenn man ihnen zu nahe kommt. Manchmal klauen sie auch wichtige Dokumente, dann renn ich ihnen hinterher, bis ich sie in die Enge getrieben habe und sie das Schriftstück herausrücken. Manchmal treffe ich auch einen Wicht, der Lust auf eine Kartoffel oder einen Rettich hat. Werfe ich ihn das Gewünschte zu, bedankt er sich mit Wicht-Essenz oder anderen praktischen Dingen (z.B. Geld).

    Und dann haben wir noch gar nicht angefangen, die Insel zu dekorieren. Dekoration ist ein wesentlicher Einfluss auf das Wirtschaftssystem der Insel, das auf in eben diesen Erdlöchern und Laubhaufen gefundenen Pilzen und Wurzelgemüsen, den Muscheln und Fischen, den Eiern und den daraus gebackenen Speisen besteht.

    Aus zehn Pilzen werden dank Flammi geröstete Pilze, aus denen ein Stück Soja, zehn Stück Soja werden eine leckere Sauce, die beim Marktfuchs bestimmt eine große Menge Alte Münzen erlöst. Äste und Holzstücke werden vom Handwerksgeist zusammen mit Fischgräten zu Dekorationsgegenständen verbastelt. Die richtige Dekoration (von gewöhnlich und rustikal bis selten und natürlich) steigert die Laune der Tiere und den Ertrag der Nuss- und Obstbäume.

    Der Kapitänsgeist (plus zwei Wichtel) träumt vermutlich von dem süßen Stückchen, das ich ihm herstellen soll (siehe rechts oben, unter dem Aufgabenbuch). Links oben, die Tasche, stellt mein Inventar dar. Mit 27 Plätzen recht knapp bemessen, denn drei nehmen schon Schaufel, Hacke und Machete ein, plus die Angel und die Wünschelrute, die heute das erste Mal zum Einsatz kam. Weiteren raren Lagerplatz gibt es im Zelt.

    Und dann führt der Kapitän auch noch ein Sammelalbum. Von allem, was der Junge findet, bäckt, schraubt und angelt, liefert er ein Exemplar für die Sammlung ab und bekommt dafür Geld und andere nützliche Dinge. Kurzum, es gibt immer was zu tun, auch wenn die Tagesaufgaben schon lange erfüllt sind.

    Ich bin gespannt, wie das Spiel sich weiterentwickelt. Es kommen fast täglich neue Geister oder neue Inselabschnitte (tauchen aus dem Meer auf) hinzu. Ob es für die Langzeit-Motivation ausreicht oder mir das Hin- und Hergewusel zwischen den Geistern, den Bäumen, Sträuchern, Fischen und Muscheln und natürlich Flammi irgendwann zu blöd wird, erfahren Sie in einem der nächsten Artikel dieser exklusiven Publikation.

  • bandcamp, yeah

    Damit Deine Künstler*innen was zu beißen haben.

    Neulich bin ich über einen Tweet gestolpert, wo eine Musikerin mal gesagt hat, was sie über Spotify mit ihrer Musik verdient. Nicht viel.

    Die Menschen von basic thinking haben mal recherchiert, was die großen Musik-Streaming-Angebote so an ihre Künstler*innen auszahlen. Ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert, so 0,00348 US-Dollar pro Stream bei Spotify. Wenn man jetzt nicht The Beatles heißt, oder wie auch immer erfolgreiche Bands heutzutage heißen, wird man davon eher nicht satt, zumindest nicht jeden Tag.

    Abhilfe ist, bei den Artists direkt zu kaufen, wie damals™ bei den Radioheads, als sie In Rainbows als „Zahl was Du willst“-Download ins Internet gestellt hatten. Das kann natürlich nicht jede*r Musiker*in aus dem Boden stampfen, aber dafür gibt es ja bandcamp. Und seit ich dort angefangen habe mich umzuschauen, finde ich erstaunlich viele von „meinen“ Künstler*innen dort wieder. Grund genug, ein paar Alben zu kaufen, so wie damals™, hach!

    Aus meinem Einkaufswagen:

  • Facts & Fakes

    Die Deutsche Telekom Stiftung hat ein „Spiel“ herausgebracht, mit dem jede*r ihre Fähigkeiten schärfen kann, Fakten von Lügen oder übertrieben positive Darstellungen von ausgewogenen zu unterscheiden.

    Die App Facts & Fakes zeigt dazu einen typischen Smartphone-Bildschirm mit Facebook- und WhatsApp-ähnlichen Apps sowie einem Browser an. Freunde kontaktieren die Spielerin z.B. per „WhatsOn“, um ihr den neuesten Energy-Drink und seine ach so nebenwirkungsfreien segensreichen Wirkungen ans Herz zu legen.

    Nach kurzer Recherche habe ich Kai zurückgeschrieben, dass er lieber die Finger von dem „gesunden“ Energy-Drink lassen soll. Aber Kai hat schon den nächsten hicen Shice am Start.

    Grund genug für die Protagonistin, der Sache mal auf den Grund zu gehen. Browser raus, Inhaltsstoffe des Drinks gesucht, Tests von unabhängigen Instituten angeschaut … und dann den Freunden einen aufklärenden Text zurückgeschickt, der hoffentlich dann auch gelesen wird.

    Insgesamt finde ich das Setting gelungen. Es findet da statt, wo wir alle (zu) viel Zeit verbringen, in (a)sozialen Medien und Chats mit Freunden und Familien. Die bei der Recherche aufgefundenen Informationen sind auch gut gemacht, treffen sowohl den Ton von „völlig unabhängigen“ Influencern wie auch den von seriösen Quellen recht gut. Manchmal fragt man sich, ob man ein Informations-Schnipsel nun als „Falsch“ oder „Übertrieben“ einsortieren soll, aber wenn das Ergebnis nicht passt, kann man sich ja korrigieren.

    Alles in allem durchaus etwas, was man seinem Pubertier mal ans Herz legen kann. Aber auch selbst die Sinne schärfen schadet nicht!

    Google Play Store Apple AppStore

  • Freie Schriftarten

    Bin über zwei für mich neue WebSites gestolpert, die haufenweise leckere freie Fonts anbieten.
    fontesk
    omnibus-type
    Muss weiter font addiction frönen …

  • Wider

    „Das geht euch einen Scheiß an!“

    Jede*r Bürger*in zu einem Staat, der seine Nase in alles mögliche reinstecken möchte.

    Es gibt ja gute Gründe, sein Online-Leben bei einem der großen Anbieter wie Google oder Microsoft einzurichten: Zur Mail gesellt das Office, alle Dokumente schweben in der Wolke, ein neues Gerät ist im Handumdrehen eingerichtet, und neben den Marketeers der Unternehmen haben auch die Geheimdienste Ihres Vertrauens vollen Einblick in die Lebensgewohnheiten.

    Zu diesem praktischen Für stellt sich für Aktivisten aller Art ein Wider, das sich natürlich aus dem o.a. letzten Satz ergibt. Daher hier ein kleiner Überblick über ausgesprochen unkommerzielle Dienste, die sich in erster Linie oder besonders an besagte Aktivisten wenden.

    Autistici/Inventati

    (…) wurde im März 2001 von einer Gemeinschaft aus Individuen und Kollektiven gegründet, die sich mit Technologie, Privatsphäre, digitalen Rechten und Politik beschäftigt.

    autistici.org

    Autistici bietet gegen Spende Blogs (WordPress), Web-Hosting, Anonymisierungsdienste, VPN, E-Mail, Mailing-Listen und Newsletter, sowie Instant Messaging/Chat an, sofern die „Grundprinzipien des Antifaschismus, Antirassismus, Antisexismus, Antimilitarismus und den nicht-kommerziellen Ansatz“ (Quelle) geteilt werden.

    systemli.org

    systemli.org ist ein 2003 gegründetes linkes Netzwerk und Technik-Kollektiv. Wir haben den Anspruch, sichere und vertrauenswürdige Kommunikationsdienste bereitzustellen. Das Projekt richtet sich insbesondere an linkspolitische Aktivist*innen und Menschen, die ein besonderes Datenschutzbedürfnis haben.

    systemli – Über uns

    Das Diensteangebot geht über das von autistici hinaus, hier werden auch Online Collaboration Tools wie EtherPad und EtherCalc (gemeinsam und gleichzeitig Texte und Tabellen bearbeiten) angeboten, Videokonferenzen über Jitsi, sowie verschiedene Messenger. Die Dienste sind auch aus dem TOR/Onion-Netzwerk (vulgo DarkNet) erreichbar.

    Tutanota

    In Zukunft wird Tutanota unser Ersatz für Google – mit E-MailKalender, Notizen, Cloud-Speicher; alles automatisch verschlüsselt! 

    Mach mit! – Tutanota

    Tutanota bietet verschlüsselte E-Mail an und möchte sein Angebot auf verschlüsselte Kalender und eine Cloud-Lösung ausdehnen, um dem Basis-Angebot von Google etc. etwas entgegenzusetzen. Für Privatanwender mit 1 GB Platz aktuell kostenlos, scheint mir aber insgesamt kommerzieller aufgestellt als die beiden erstgenannten „Community“-Projekte.

    Und selbst, so?

    Mein öffentliches Engagement ist eher unpolitisch (falls es unpolitisch heute überhaupt noch gibt), aber wie man hier ja rauslesen mag, habe ich gewisse Grundhaltungen. Daher (fast) kein Facebook (und danach gründlich Hände und Augen desinfizieren) oder Google, sondern die Mail bei mailbox.org (posteo.de geht genauso), statt WhatsApp werden Familie und Freunde gegen abnehmenden Widerstand zu Signal gedrängt. Browser der Wahl Safari mit Firefox und Edge (ja, der Chrome von Microsoft) als zweite und dritte Wahl.

    Überhaupt, Google! Ich hatte mal Mail, Reader, Soziales Netzwerk (Google+, falls sich noch wer erinnert), Fotos bei Google. Inzwischen nicht mal mehr ein Youtube Login. Hat sich fast von selbst ergeben, weil sie alles, was ich mochte, eingestellt haben. Tja!

  • „Biko“ Around The World

    Ein Song von leider zeitloser Aktualität, Peter Gabriel’s Biko. Diesmal zusammen mit vielen Musikern weltweit neu aufgenommen. Ein Teil von „Peace Through Music“

    Inspired by the death of anti-apartheid activist Steve Biko while in police custody, this song’s relevance still holds true with the unfortunate police brutality that continues to take place in the USA, Nigeria and many places around the world.

    Peace Through Music Website
  • Als die Blase platzte

    Als die Blase platzte

    Wir schreiben das Jahr 2002, der Autor dieser Zeilen ist bei der deutschen Vertriebsorganisation der Software AG (SAG) als Berater angestellt. Die SAG hatte viele Jahrzehnte bewährte Datenbank- und Anwendungsentwicklungs-Software (ADABAS und NATURAL) auf bewährten Großrechnern (IBM S/390) und Mini-Computern (VAX, BS2000, Unices) hergestellt und verkauft und es damit zum (nach SAP) zum zweitgrößten deutschen Software-Konzern geschafft.

    Aber ach, die Zeichen der Zeit waren bunt und klickbar, Windows erorberte die Arbeitswelt, Großrechner waren out, Irgendwas-mit-Internet ein Muss. Die Gründer-Generation hatte das Zepter abgegeben, der neue Chef, Erwin Königs, steuerte einen entschiedenen Innovationskurs, legte mit Bolero und Tamino zwei Produkte in den beiden Kernmärkten des Unternehmens vor.

    Tamino ist eine XML-Datenbank, und XML war damals um die Jahrtausendwende ein genauso heißer Sch***, wie es JSON, Docker, Kubernetes dann Jahre später auf ihren Gebieten sein würden. Über einen Achtungserfolg kam Tamino (Transaction Manager for Internet Objects, vermutlich ein Backronym) nicht hinaus. Zu schnell zogen die Branchengrößen IBM und Oracle XML-Extensions in ihre Flaggschiffe ein.

    Bolero war (als Spezifikation) die Essenz aller Erkenntnisse, die Business-Programmierer im Laufe ihrer Karriere so gewinnen müssen: eingebaute Persistenz-Engine, null-safe, Code immer im Repository, Generatoren für die Integration mit Systemen wie SAP, super!

    Die ganzen Goodies machten das Ding zur damals™ größten Java-Anwendung der Welt … was einem hätte zu denken geben können, denn damals war Java bei weitem nicht so schnell wie heute. Auch auf sehr gut ausgestatteten Laptops war der Arbeitsfluss eher ein Arbeitströpfeln, und durch den geführten Ansatz (für alles und jedes ein Fensterchen, ein Assistent, ein Dialog, nur den Code bekam man fast nicht zu Gesicht) fühlten die jungen, wilden Coder sich doch sehr gegängelt.

    Beide Produkte, auf denen doch die Zukunft des Konzerns ruhen sollte, zündeten also im Markt nicht. Was zusammen mit dem Platzen der DotCom-Blase dazu führte, dass der Konzern in seine erste veritable Krise geriet und zum ersten Mal im größeren Umfang Stellen abbauen musste. Die Mitarbeiter, die gedacht hatten, es sich bei einem soliden Mittelständler gut eingerichtet zu haben, waren shell shocked. Schon der Börsengang der schon-immer-AG 1999 war ein Kulturschock, und nun das!

    Um den Laden über Wasser zu halten, wurden die Vertriebsgesellschaften umgekrempelt. Der neue Manager für die konzern-weit wichtigste deutsche Landesgesellschaft wurde von HP abgeworben und brachte seine amerikanisierten Vorstellungen von Motivationserzeugung mit – ein weiterer Kulturschock. Das jährliche Vertriebs-Kickoff war ganz amerikanisch ausgelegt, mit FastFood und Football, und ging mit seinem Hurra-Patriotismus seiner Hurra-Salesmanship und „Wir schaffen das! Tschakka!„-Rhetorik als eine der schlimmsten Veranstaltungen in die Erinnerung vieler meiner Kollegen ein.

    Warum ich das alles erzähle? Beim Aufräumen des Kellers ist die oben abgebildete, auf eben diesem Kick-Off als Goodie verteilte Basecap wieder aufgetaucht. Sie scheint mir heute in ihrer Realitätsverweigerung wie ein Vorläufer der infamen MAGA-Hüte.