Ein Band aus Lichtern in der Wüste, 7 Kilometer lang, ein Kilometer für 2 Milliarden Jahre. Am Ende, von der Dicke eines Haares, ein Menschenleben. Nutze es.
Blog
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Software-Archäologie
Aus den 100 offenen Tabs einige Fundstücke: Sites, die sich mit der Geschichte der Computer Hardware und Software beschäftigen.
Community Memory
Das Computer History Museum hat eine Zeitkapsel der besonderen Art zugänglich gemacht. Eines der ersten öffentlich zugänglichen Terminals diente 1973 als eine Art Schwarzes Brett.
Community Memory was the first public computer-based bulletin board, originally set up in 1973 at Leopold’s Records in Berkeley, California. The Community Memory terminal at Leopold’s was installed next to a traditional bulletin board, which musicians and others in the community had been using as a space to post their cards, flyers, and papers promoting performances, classified ads, efforts to organize, and general humor and philosophies. The speed at which this Berkeley community of music-enthusiasts, and eventually wider communities in the Bay Area, adopted the use of this computerized version of the bulletin board surprised Community Memory’s creators, who initially expected this subculture to be hostile to the aura of money and centralized power surrounding the use of computers at the time.
COMMUNITY MEMORY: PRECEDENTS IN SOCIAL MEDIA AND MOVEMENTSDas ist nur eine von vielen kleinen und großen Erfindungen von Lee Felsenstein, diese neumodischen Computer für gewöhnliche Menschen verfügbar zu machen. Er war Mitglied des Homebrew Computer Club, in dem ein gewisser Steven Wozniak eines Tages den Apple I vorstellen und seine Baupläne kostenlos verteilen würde. Meilensteine von Lees weiterem Schaffen waren der Entwurf des Sol-20, des ersten HomeComputers, den man nicht selbst zusammenbauen musste. Und der Osborne 1, der erste tragbare Computer, mit CP/M als Betriebssystem und einer umfassenden Sammlung von Anwendungen, darunter der damalige Textverarbeitungsstandard WordStar, dBase II und die beiden Spiele Adventure und Deadline (letzteres von Infocom).
Lee Felsenstein schreibt auf seiner eigenen WebSite ausführlich über die damalige Zeit. Zum Community Memory unter anderem:
Thus, on August 8, 1973, we brought a used Teleype Model 33 to Leopolds’ Records on Durant Ave. and set it up next to a musician’s bulletin board next to the entrance (at the top of a second – floor landing). I had built a cardboard-and-foam-plastic housing to muffle the Teletype and we set up a modem to connect to a phone line we had ordered installed – this line was an Oakland exchange that was within the local (free) calling range of San Francisco, so we made only one very long call per day. We had a poster in the psychedelic genre explaining how to enter and search for items, and we had one of our number sitting next to the terminal – but there were two holes in the housing inviting the user’s hands. While we had expected a certain amount of wariness or outright hostility we found almost universal enthusiasm.
Resource One / Community Memory 1972-73The Digital Antiquarian
Jimmy Maher schreibt über Geschichte interaktiver Unterhaltung, Computer-Spiele also, aber auch über Hardware wie den Amiga. (Über den hat er das Buch „The Future Was Here“ geschrieben.) Ich kann nur empfehlen, mal durch das Inhaltsverzeichnis zu scrollen und Artikel zu euren Lieblingsspielen durchzulesen. Das ist so eine Website, wo ich mich gerne festlese …
Wie viele Superhelden führt auch Jimmy Maher ein Doppelleben und veröffentlicht unter dem Titel The Analog Antiquarian auch noch Bücher über historische Themen, aktuell über die Geschichte Chinas. Ich hatte noch keine Gelegenheit, da näher reinzuschauen.
Vintage Apple
Vintage Apple versammelt Veröffentlichungen von und über Apple, also Dokumentation von Apple, Zeitschriften über Apple und sogar ganze Bücher. Ich lese gerade The Macintosh Way (Scan als PDF) von Guy Kawasaki.
Eine Liste von Hacker Filmen
Alle Streaming Dienste leergeschaut? Lust auf einen Film mit / über Computer Hacker? Hier ist eine Liste 🙂
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Dienste, europäisch
Es tut sich was, im digitalen Europa.
Opentalk (Video-Konferenz)
Na, immer noch ein schlechtes Gewissen, Video-Konferenzen auf Zoom durchzuführen? Muss nicht sein, die Leute um Peer Heinlein (bekannt von mailbox.org) schaffen eine Open Source-Lösung mit Hosting in Europa: Opentalk
Sobald das taugt, ziehe ich unseren Verein dahin um.
DNS0, mit eingebauter Sicherheit
EIn europäischer Dienstleister betreibt DNS-Server (die „Telefonbücher des Internets“, die zum Namen blog.inpc.de die technische Server-Adresse liefern). Unter dem Namen dns0.eu und dann noch mit eingebauter Sicherheit, denn was an Spam und Phishing Domains bekannt ist, wird von diesen Servern gleich gar nicht weiterbearbeitet. Das heißt, wenn ich in einer Mail aus Versehen doch mal auf einen Link klicke, der zu Malware führen würde, gibt dns0.eu dazu keine technische Adresse raus und der Zugriff auf die Malware scheitert.
What’s not to like?
cohost! – soziales Netzwerk
Weil ein soziales Netzwerk ja nicht gut genug ist, habe ich mir jetzt auch noch einen Zugang zu cohost! angelegt. Der ist noch in der Warteschlange, daher gibt es noch nichts zu berichten. Außer, dass mir der Name der Firma dahinter gefällt.
anti software software club.
a software company that hates the software industry.
Das andere soziale Netzwerk ist natürlich Mastodon, und dort gefällt es mir bisher ausgezeichnet. Genauso ein Zeitfresser wie twitter früher, aber alles in allem deutlich weniger aufgeregt. Find mich so @schoedland@digitalcourage.social oder so https://digitalcourage.social/@schoedland
Coole Socke Award: tchncs.de
Eine Privatperson betreibt unter tchncs.de ein Aufgebot angesagter OpenSource Server: eine ziemlich komplette Auswahl Fediverse-Dienste von Mastodon über Pixelfed bis PeerTube, dazu noch einen Matrix Server, einen Vaultwarden, …
Keine Ahnung, wie der Mensch dahinter das ganz alleine stemmt. Daher: Coole Socke Award an Milan Ihl – Congratulations!
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100 Tabs offen
Nein, ich werde nicht alle 100 davon hier abkippen …
Unshelved
Ein WebComic über den Arbeitsalltag in einer öffentlichen Bibliothek.
Content Warning: Transfeindlichkeit
Hogwarts Legacy in Wired
Ich war ja schon zu alt, um Harry POtter in meinen (hohoho) formativen Jahren zu lesen. Den Wandel von Literatur-Sensation zu Transhasserin habe ich allerdings wohl mitbekommen. Diese Review des neuen im Potter-versum angesiedelten Spiels … hat mich berührt.
Every homophobic or transphobic thing queer kids hear growing up becomes a voice that follows them for a long time. We hear relatives, friends, and parents say awful things about us and to us. For a lot of us, we fight those voices every day. When one of those voices comes from the author who taught you about accepting yourself, a person you thought truly saw you and kids like you, it hurts in a way I honestly hope she never understands. I wouldn’t wish it on anyone.
Review: There Is No Magic in Hogwarts LegacyShift Happens: Ein Buch über Tastaturen
Da, im Internet der Enthusiasten, lebt ein Mensch mit dem Traum, den Typewriters und Keyboards von der Schreibmaschine über die Terminals bis hin zu den diversen Home und Personal Computern ein Buch zu widmen. Und setzt einen Kickstarter auf … und die Leute kommen und klicken ihm das Buch aus der Hand. Ja, ich auch, schließlich ist ja bald wieder Weihnachten …
Keyboards fascinated me for years. But it occurred to me that a good, comprehensive, and human story of keyboards – starting with typewriters and ending with modern computers and phones – has never been written. How did we get from then to now? What were the steps along the way? And how on earth does QWERTY still look the same now as it did 150 years ago?
Shift Happens: A book about keyboardsWenn dir dein eigenes Kind fremd ist
… ist der Titel eines Buchs von Dr. Oliver Dierssen, in dem er Erziehungstipps für alle Eltern, nicht nur für entfremdete, zusammengestellt hat. Ist bestimmt nicht der erste Ratgeber seiner Art, aber immerhin ist der Autor Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, also nicht nur zufällig mit dem Thema in Berührung gekommen. Im Interview mit daddylicious führt er einige Tipps an:
Wie kann ich meinem Teenie Hilfe bei sozialen Krisen anbieten?
Interview mit Dr. Oliver Dierssen – Wenn dir dein eigenes Kind fremd ist
Jugendliche sind oft sehr gut darin, Probleme selbst zu lösen. Diese Fähigkeiten sollten wir Eltern nutzen. Ich kann fragen: „Schaffst du das Problem allein zu lösen, oder soll ich helfen?“ Wichtig ist auch, eine Grenze zu setzen: „Wer hilft dir mit deinem Problem, wenn du es selbst nicht schaffst? Kann ich mich darauf verlassen, dass du dich dort meldest?“ Jugendlichen reagieren oft sehr positiv darauf, wenn man ihnen vertraut.Datenschutzfreundliche Dienste
Klaudia Zotzmann-Koch hat eine umfassende Liste von Diensten zusammengestellt, die für die meisten Belange eine datenschutz-freundliche Alternative darstellen. Denn: Datenschutz schützt nicht Daten, sondern Menschen 🙂
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CodeMasters, Sumeria und Disketten
Tabs of Yesteryear, Computer Games, retro edition
The Darlings of CodeMasters
Eine BBC-Dokumentation über die jungen Gründer der britischen Spielefirma CodeMasters. Tolle Typen, coole Autos …
It’s a Living: The Darlings of Codemasters (YouTube) THE SUMERIAN GAME
Ein toller Beitrag über die wahrscheinlich erste Wirtschaftssimulation auf einem Computer und gleichzeitig das erste Multimedia-Simulationsspiel, Jahrzehnte (1964) vor SimCity und Civilization: The Sumerian Game, in dem die Spieler die Rolle des Herrschers einnehmen, der mit seinem Berater die Verteilung der Ressourcen an die hungrigen Massen regelt und gleichzeitig darauf achtet, dass genügend Getreide im Vorrat und für die Aussaat im nächsten Jahr übrigbleibt.
Mit einer Multimedia-Einführung aus Dias mit Texten vom Band. Und natürlich noch nicht am Bildschirm, sondern am Terminal (Teletype, Buchstaben auf Papier).
Plus die faszinierende Recherche, wie Portierungen und Nachahmungen des Programms auf die unterschiedlichen Computer-Plattformen der grauen Vorzeit gekommen sind. Ende der 1970er Jahre erschien dann die erste Portierung auf das Microsoft BASIC der HomeComputer-Ära.
Die Autorin “Critical Kate” Willært schreibt über sich, dass sie an dem Tag geboren wurde, an dem das Nintento Entertainment System (NES) in Japan in den Verkauf kam. Unter diesem Stern stehen ihre Recherchen in die Tiefen der Computer-Spiele-Geschichte. Ich habe sie gleich mal patreon-iert. Wer zufällig Metroid oder Castlevania für tolle Spiele hält, wird bei ihr auf jeden Fall fündig.
Ein Königreich für eine Diskette
Noch kann man Disketten, zumindest die zuletzt gebräuchlichen dreieinhalb Zoll (3,5″) -Sorte noch kaufen, wenn auch zu deutlich höheren Preisen als ich sie von „damals“ noch im Kopf habe. (Aber andererseits, versucht mal einen Farbnegativ-Film zu kaufen, ohne eine Hypothek auf die Hundehütte aufnehmen zu müssen…)

So war das früher: Software kam in einer Box auf Disketten mit einem gedruckten Handbuch Hergestellt werden sie wohl nicht mehr, zumindest nicht mehr in rauen Mengen. Die Fertigungsmaschinen, die noch laufen, lässt man laufen, bis sie auseinanderfallen. Dabei gibt es noch einzelne kritische/medizinische Anwendungen, die auf eine stetige Versorgung mit frischen Disketten angewiesen sind.
Es gibt jemanden, der sich darum kümmert, diese Versorgung aufrechtzuerhalten:
We Spoke With the Last Person Standing in the Floppy Disk Business
Eigentlich hat er was ganz anderes gelernt, irgendwann war er dann bei einer Software-Firma, kümmerte sich dort um das Duplizieren der Software für die Auslieferung per Post (Download gab’s damals nicht), und als das dann wegfiel, hat er sich eben hauptberuflich auf den An- und Verkauf von Disketten spezialisiert.
Inzwischen gibt es sogar einen Markt für Gebraucht-Disketten. Und eine Quelle für Neuware sind immer wieder Lagerfunde, also wenn im hintersten Eck einer Lagerhalle mal ausgefegt wird und dabei eine Palette Disketten gefunden wird. New old stock!
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Social Networks, wie es begann (nicht mit Zuck!)
Ein mir bisher unbekanntes Format names Hidden Heroes mit einem Porträt der Forscherin Pattie Maes, die mit Social Collaborative Filtering die Basis-Technik für alle Arten von Empfehlungsdiensten („wer dies mag, mag auch das“) gelegt hat. 1994.
HOMR was one of a number of related projects that emerged in the early-to-mid-90s out of the MIT lab of the Belgian-born computer scientist Pattie Maes, projects that eventually culminated in a company that Maes co-founded, called Firefly. HOMR pulled off a trick that was genuinely unprecedented at the time: it could make surprisingly sophisticated recommendations of music that you might like. It seemed to be capable of learning something about you as an individual. Unlike just about everything else on the Web back then, HOMR’s pages were not one-size-fits all. They suggested, perhaps for the first time, that this medium was capable of conveying personalized information.
INTELLIGENT AGENT. HOW PATTIE MAES ALMOST INVENTED SOCIAL MEDIAIch glaube, da ist noch einiges Material für die Weihnachtsfeiertage oder andere Lesestunden:
A MACHINE FOR THINKING: HOW DOUGLAS ENGELBART PREDICTED THE FUTURE OF COMPUTING
THE CRYPTO WARS: HOW PHILIP ZIMMERMANN FOUGHT FOR OUR RIGHT TO PRIVACY
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Mehr Privacy bei Apple, weniger in der EU
From the Good News/Bad News Department: Apple scheint seinen Ansatz, alle Bilder, die in die iCloud wandern sollen, nach bekannten CSAM-Material durchzuscannen aufgegeben zu haben. (CSAM = Child Sexual Abuse Material, Bilder von sexualisierter Gewalt an Kindern)
siehe auch Apple CSAM-Scanning redux.
Stattdessen werden unsere Daten in der iCloud wohl in absehbarer Zeit Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das bedeutet: Ich sehe meine Dokumente, Bilder und Kontakte auf meinen Geräten. Während des Transports und bei der Speicherung auf den Apple iCloud-Systemen sind sie so verschlüsselt, dass Apple nicht reinschauen kann. Und technisch auch niemand anderen reinschauen lassen kann.
(Laut diesem Apple Support-Eintrag wird das unter der Bezeichnung Advanced Data Protection auf iDingens mit aktuellen Betriebssystemen ab Anfang 2023 freigeschaltet. Das heißt, es ist nicht standardmäßig aktiv. Wer es möchte, kann es aktivieren, sollte dann aber beachten, dass Apple bei verlorenen Zugangsdaten nicht mehr helfen kann.)
Dann, denkt sich die EU wohl, müssen wir halt die Polizei auf die Endgeräte schicken und schon dort
übereingreifen, bevor oder während eventuell Strafbares entsteht. Und möchte, nachdem ihr inzwischen mindestens fünf Mal von obersten Gerichten die Vorratsdatenspeicherung verboten wurde, nun unter dem Stichwort Chat-Kontrolle auf unsere Smartphones.Der Link da oben geht zu digitalcourage.de, einem von mehreren Vereinen in Deutschland, die sich dem Schutz der Bürgerrechte, der digitalen wie analogen, verschrieben haben. Die brauchen aktuell übrigens Geld. Mein Spende haben sie schon – und Deine auch gleich?
(Full Disclosure: Bin inzwischen Mitglied bei digitalcourage.de und bezahle sie für meinen Fediverse Mastodon Account @schoedland@digitalcourage.social)
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Sie benutzen wahrscheinlich das falsche Wörterbuch
James Somers schreibt (u.a. für den New Yorker and The Atlantic, hier aber auf seiner Website) in einem Artikel von 2014 über Wörterbücher. Fein, gebildete Deutschsprechende denken an die Gebrüder Grimm, Amerikanischsprechende vielleicht an Merriam-Webster, und tatsächlich beschreibt Somers auch die Entstehungsgeschichte dieses ersten amerikanischen Wörterbuchs (i. Ggs. zu aus Großbritannien eingeführten Wörterbüchern).
Webster’s dictionary took him 26 years to finish. It ended up having 70,000 words. He wrote it all himself, including the etymologies, which required that he learn 28 languages, including Old English, Gothic, German, Greek, Latin, Italian, Spanish, Dutch, Welsh, Russian, Aramaic, Persian, Arabic, and Sanskrit. He was plagued by debt to fund the project; he had to mortgage his home.
You’re probably using the wrong dictionaryAber zunächst beschreibt er die aktuellen Wörterbücher als langweilig und offensichtlich in ihrem Versuch, ein Wort mit anderen Wörtern zu beschreiben. Und er schreibt über den Schriftsteller John McPhee und seine Arbeitsweise:
John McPhee’s secret weapon
John McPhee — one the great American writers of nonfiction, almost peerless as a prose stylist — once wrote an essay for the New Yorker about his process called “Draft #4.” He explains that for him, draft #4 is the draft after the painstaking labor of creation is done, when all that’s left is to punch up the language, to replace shopworn words and phrases with stuff that sings.
The way you do it, he says, is “you draw a box not only around any word that does not seem quite right but also around words that fulfill their assignment but seem to present an opportunity.” You go looking for le mot juste.
You’re probably using the wrong dictionaryAktuelle Wörterbücher geben nicht die Schattierungen von Wörtern wieder, die sie als synonym angeben. Als Abhilfe schlägt Somers vor, nun ja, das alte Wörterbuch von Webster zu verwenden, und gibt gleich noch Download-Tipps. Wer also englische Texte auf ein höheres Niveau bringen will, ist mit einem neuen Wörterbuch vielleicht bedient, aber nicht geholfen.
(Oh, Mann, ist der letzte Satz witzig. Er fängt mit „Niveau“ an (ein Angeberwort), spielt dann mit der Doppelbedeutung von „bedient sein“ und endet mit einer Referenz auf den unterirdischen Werbeslogan „Da werden Sie geholfen“ von, na, wissen Sie’s noch? Verena Pooht, genau.)
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Textverarbeitung. Wie es begann, und wie es weiterging
Durch Kramen in den Retro-Ecke des Internets bin ich auf zwei Abhandlungen von Tim Bergin gestoßen, der darin die Anfänge der Textverarbeitung auf dem PC bis zur Marktkonsolidierung (Hallo, Word!) nachzeichnet. (PDFs zum Download)
- The Origins of Word Processing Software for Personal Computers: 1976-1985
- The Proliferation and Consolidation of Word Processing Software: 1985-1995
Tim Bergin hat noch einige andere Artikel verfasst, in die man bei Gelegenheit mal reinschnuppern möchte.
In den Zusammenhang passt auch ein Buch über WordPerfect, das ich vor einigen Jahren schon gelesen habe, Almost Perfect, über den Aufstieg und Fall von WordPerfect, der Textverarbeitung zwischen (circa) 1985 und 1995er, jedenfalls bis Word for Windows alles platt gemacht hat. (Der Link geht direkt zur Website des Autors, Pete Peterson, von wo das Buch direkt als PDF geladen werden kann.
Die Dekade vor WordPerfect hat WordStar beherrscht, von den Anfängen auf den CP/M-Maschinen bis zu dem Punkt, an dem die Firma den Source Code so verstrubbelt hatte, dass sie einen WordStar-Klon aufgekauft hat und auf dem weiterentwickelt hat. Schön zusammengefasst in A Potted History of WordStar.
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Tab Sweep
Hier versammeln sich Browser Tabs, die schon so lange offen sind, dass sie Staub ansetzen. Nichtsdestotrotz werde ich sie eines Tages gelesen haben. Nämlich!
Most of the world doesn’t pay much attention to Jeri or her work, but the meek will inherit the earth when judgement day begins on the 19th of January 2038 at 03:14:07 UTC. What kind of judgement day you ask? Oh, just the kind of judgement day that Jeri has been preparing for her entire life.
Jeri Ellsworth & the Robot Uprising of 2038That is the thread that ties all of these crackdowns together. Each targets an industry that seems to strip people of their agency and rob them of their dignity. Each seems to hijack healthy behavior with a set of short term incentives whose end results are self destructive and degrading.
XI JINPING’S WAR ON SPONTANEOUS ORDERThis website runs on a solar powered server located in Barcelona, and will go off-line during longer periods of bad weather.
LOW←TECH MAGAZINEDas ist nicht nur eine mit selbstangebautem Solar-Strom betriebene Website, sie enthält auch allerhand interessante Analysen und Tipps zum eigenen Energieverbrauch. Unter anderem einen Artikel über Duschen. Die effiziente Soldaten-Dusche: Eine halbe Minute ordentlich nass machen, Wasser aus, einseifen, ein halbe Minute abduschen, fertig. Darin auch, warum unser Wasserverbrauch durch Dusche statt Badewanne inzwischen wieder höher geworden ist.
Ich hatte gehofft, dass ich das hier nicht schreiben müsste, dass Blockchains und NFTs und all dieser Krempel einfach wieder verschwinden und zu einem Kapitel in einem Buch über skurrile Betrugsmaschen werden. Aber wenn uns 2021 irgendetwas gezeigt hat, dann wohl, dass wir keine schönen Dinge haben dürfen und nun stehen wir also hier.
Das Dritte Web -

through the wire, volume seven
Das Peter Gabriel Cover-Projekt through the wire (Bandcamp) hat Mitte September gleich zwei neue Song-Sammlungen herausgegeben, einmal die outside the wire, volume two, die wieder fünf Instrumental-Versionen versammelt, und dann volume seven mit den folgenden Titeln:
And Through The Wire
Ein weiteres dieser sehr kompetenten werktreuen Cover. Diesmal ist mit Projekt-Mitinitiator Deane Arnold sogar die Stimme sehr nahe am Original.
I talk in pictures not in words
Overloaded with everything we say
Mother of Violence
Wir bleiben in der Familie Arnold, denn Mother of Violence wird hier von Catherine Arnold gesungen. Gabriel-Fans erinnern sich, dass Melanie Gabriel auf der Warm Up-Tour ca. 2006 bei diesem Song die Lead Vocals übernommen hat. Musikalisch bleibt es werktreu; man vergleiche mit der Version von Brian Eno auf And I’ll Scratch Yours.
My Head Sounds Like That
Angie Pollock, Tour-Keyboarderin von Peter Gabriel, singt hier wunderschön gelassen und zurückhaltend diesen Song von Up, ein Album, das bisher doch sehr unterrepräsentiert ist bei den through the wires. Auch sie bleibt dem Original-Sound treu, inklusive Bläser. Wer es anders mag, darf gerne zum Royksopp-Remix des Originals greifen.
Humdrum
Und werktreu geht es weiter, diesmal mit Michael Fisher an den Vocals und weiteren Instrumenten. Er legt ein geigenartiges Instrument durch den Mix. Auch seine Stimme ähnelt der von Peter Gabriel Anfang der 1980er.
(Inzwischen, wenn man sich die gerade erschienene Leonard Cohen Tribute Collection anhört und zu Here It Is kommt, ist Peter wohl ein, zwei Oktaven „abgestürzt“.)
Soft Dog
Alles frisch! Soft Dog kommt aus der Peter Gabriel 3-Ära und ist ein atmosphärisch karges Stück. Hier wird es mal eben beschleunigt und durch ein sattes Sound-Upgrade in die So-Ära gehoben, als Kumpel von Sledgehammer und Big Time. Oder wollte es das schon immer sein? Klingt ganz so.
Ein sehr schöner Abschluss der siebten Lieferung, bei der die Spielfreude einer Band deutlich durchscheint.
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Guru Meditation #2
Survivorship Bias
Survivorship Bias ist die Neigung, für Analysen oder Handlungsempfehlungen nur die positiven Beispiele heranzuziehen, also Dinge oder Menschen, die einen bestimmten Prozess überstanden bzw. überlebt (survived) haben.
Wenn man z.B. auf Firmengründungen schaut und nach dem Erfolgsmodellen von Menschen wie Steve Jobs und Bill Gates forscht, aber vergisst, dass zur gleichen Zeit viele Gründungen mit ähnlichen Geschäftsmodellen eben nicht zu Multi-Milliarden-Unternehmen geworden sind.
Das Konzept geht auf den ungarischen Mathematiker Abraham Wald zurück, der vor den Nazis nach Amerika fliehen musste und dort seine Fähigkeiten in den Dienst der Army stellte. Die wollte ihre Bomber besser schützen und zog dafür Auswertungen heran, die zeigten, wo die Maschinen Einschusslöcher aufwiesen. Die Empfehlung sollte sein, die Stellen mit besonders vielen Einschusslöchern besser zu panzern.
Wald wies darauf hin, dass man ja nur die Treffer an Flugzeugen auswerte, die aus dem Einsatz zurückkehrt seien (die Survivor). Man müsse sich aber vielmehr um die Stellen ohne Einschusslöcher kümmern! Denn dort sind die Flugzeuge getroffen worden, die nicht mehr aus dem Einsatz zurückkehrt sind.
One of his greatest and most famous contributions was to help the Allies figure out how to better-protect planes from enemy artillery. The dilemma was that adding armor to the plane also slowed it down and increased the fuel it consumed. The researchers needed to figure out where putting armor would have the greatest effect.
Planes coming back from bombing campaigns were often riddled with bullet holes. While many reasoned that the armor should be focused on the areas of the plane where bullets tended to land the most, Wald suggested that they consider the areas of returning planes that bullets seemingly weren’t hitting, notably the engine. After all, the planes they were examining were only the ones that had survived — they weren’t looking at the ones that had been shot down.
Abraham Wald: A Statistical Hero -

Lesestoff
Ein paar Artikel, die in offenen Tabs liegen geblieben sind. (Ein Tab Sweep, also.)
The Highbrow Neanderthal
This meant that the rings couldn’t have been made by us, Homo sapiens, as we only arrived in Europe around 50,000 years ago; and that when we did finally make it there, we may have found its hidden places and shelters filled with aura by artworks already tens of thousands of years old. What Bruno Kowalczewski had discovered in this chamber-gallery under the hill was an early masterpiece by a Neanderthal Richard Serra, or Robert Smithson. A space of expression, or ritual, or both.
The Highbrow Neanderthaltl;dr: Neanderthaler waren gar nicht die doofen Dickköppe als die wir sie uns heute in Cartoons vorstellen, sondern unter anderem künstlerisch begabt. Und sie hatten definitiv mehr als einmal Sex mit den homo sapiens, wie DNA-Analysen beweisen. Ja, ihr Erbgut spielt sogar eine Rolle bei der Anfälligkeit für COVID-19.
A New History Changes the Balance of Power Between Ethiopia and Medieval Europe
It’s not that modern historians of the medieval Mediterranean, Europe and Africa have been ignorant about contacts between Ethiopia and Europe; the issue was that they had the power dynamic reversed. The traditional narrative stressed Ethiopia as weak and in trouble in the face of aggression from external forces, especially the Mamluks in Egypt, so Ethiopia sought military assistance from their fellow Christians to the north—the expanding kingdoms of Aragon (in modern Spain), and France. But the real story, buried in plain sight in medieval diplomatic texts, simply had not yet been put together by modern scholars. Krebs’ research not only transforms our understanding of the specific relationship between Ethiopia and other kingdoms, but joins a welcome chorus of medieval African scholarship pushing scholars of medieval Europe to broaden their scope and imagine a much more richly connected medieval world.
A New History Changes the Balance of Power Between Ethiopia and Medieval Europetl;dr: Äthiopien war im Mittelalter eine mit dem europäischen Abendland gut vernetzte christliche Hochkultur, die Kundschafter und Botschafter sandte, um den unbekannten nördlichen Kontinent zu enthüllen und Artefakte und Reliquien nach Hause zu holen.
You Don’t Know Africa
Wo wir gerade beim unbekannten Afrika sind: Bei mir in Erdkunde war von Afrika kaum die Rede, eigentlich nur grob die Vegetationszonen mit der Savanne und dem Regenwald und so. Länder waren irgendwie nur im Zusammenhang mit Massakern und Bürgerkriegen relevant. Und wie sich rausstellt, bis auf die Mittelmeer-Anrainer Marokko bis Ägypten kann ich kaum ein Land auf der Karte finden. Zeit zum Üben! You Don’t Know Africa
The Other Afghan Women
When she was eleven, she stopped going outside. Her world shrank to the three rooms of her house and the courtyard, where she learned to sew, bake bread in a tandoor, and milk cows. One day, passing jets rattled the house, and she took sanctuary in a closet. Underneath a pile of clothes, she discovered a child’s alphabet book that had belonged to her grandfather—the last person in the family to attend school. During the afternoons, while her parents napped, she began matching the Pashto words to pictures. She recalled, “I had a plan to teach myself a little every day.”
The Other Afghan WomenÜber das Leben abseits der großen Städte unter dem kommunistischen Regime, unter den Muhjaheddin, unter den Taliban, der amerikanischen Besatzung … wie die Geschichte selbst ist auch der Artikel lang und grausam.
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Genesis 1972/73, aber neu und mit Frontfrau
Ich liebe Bandcamp. Aus zwei Gründen: Der erste ist, dass es vermutlich nach „Geld in den Gitarrenkoffer werfen“ die zweitbeste Methode ist, Künstlern direkt Geld zukommen zu lassen. Der zweite Grund ist, dass der Musik-Feed (die Vorschläge, was man sich mal anhören sollte) nicht so engstirnig kuratiert wie man das von Amazon („andere kauften auch“) und Spotify/Apple Music kennt („Wer Sting mag, mag vielleicht auch The Police“, echt jetzt?)
Ich bin ein alter Sack und mag so Zeug wie frühe Genesis und viel von Pink Floyd. Und was macht Bandcamp? Schickt mir Derya Yıldırım & Grup Şimşek in den Feed. Eine englische Drummerin und zwei französische Multi-Instrumentalisten sind die Band um die Hamburgerin Derya Yıldırım, und sie machen anatolischen Prog-Rock, ungefähr.
Die Band ist gerade dabei den zweiten Teil ihres Doppel-Album DOST 1 und 2 herauszubringen. Ich lausche jetzt erstmal Teil 1, aber Teil 2 ist schon vorbestellt. Erfrischend für die Ohren finde ich neben Deryas Stimme die Flexibilität in den Tonleitern, die eben aus der Verbindung westlicher Psychodelic/Progressive Rock-Elemente mit nahöstlichen Rhythmen und Melodien herrührt. Like! 🥰
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Computer History
Wieder ein paar Fundstücke zur Geschichte der Computer:
- DIE STASI UND DIE SPIELCOMPUTER, ein kurzer geschichtlicher Abriss über die Hacker in der DDR, die von der Staatssicherheit zwar beobachtet, aber gleichzeitig als notwendig erachtet wurden, um den Anschluss an „den nicht-sozialistischen Wirtschaftsraum“ nicht völlig zu verlieren.
- Ich sollte dringend mal forschen, was das HNF (Heinz Nixdorf MuseumsForum) sonst noch zu bieten hat.
- Once We Were Giants: The History Of Simulmondo – Part I hier zeichnet der auch auf twitter sehr aktive Damiano Gerli (@damgentemp) die Geschichte einer italienischen Spielefirma nach. Mit einer Akribie, die ich mir auch von Journalisten bei „wichtigeren“ Stories wünsche. Viele weitere Artikel über Spieldesign und andere Firmen …
- Ein Podcast von zwei Damen über Prä-PC-Computernetze wie Prestel (UK) und Bildschirmtext (BTX, of Deutsche Bundespost fame): Our Friend the Computer